Wochenmail vom 09.01.2000

Guten Tag liebe Schwestern,

die erste Woche in diesem Jahr ist geschafft, es sind ja nur noch reichlich 52 bis zur nächsten Sylvesterparty. Die Party, die mich in das neue Jahr gebracht hat, war die für mich wohl denkwürdigste. Ich hatte mein liebstes Kleid an und mich für meine Verhältnisse richtig aufgebrezelt (schmunzel). Und, sehr wichtig für mich, ich habe im Kreise der Leute gefeiert, die mir für eine solche Gelegenheit am nahesten stehen. Und auch die Umgebung war OK. Wir waren zunächst im KNEMO und haben den Absacker dann im Ambiente eingenommen. Insgesamt eine wenig spektakuläre aber runde Sache.
Und das neue Jahr hat gleich noch einen Höhepunkt zu bieten - unsere Neujahrsparty am 15.1.2000 im Ambiente. Die Einladung könnt Ihr unter unserer Homepage www.TransSisters.de betrachten und abrufen. Wir haben inzwischen mehr als 150 Exemplare dieser Einladungen gezielt verteilt und schon eine Menge Zusagen. Ich gehe mal davon aus, dass die kleine Bar richtig voll werden wird und rechne dabei natürlich mit Eurer Teilnahme.
Dennoch, wer immer diese Zeilen ließt: Schaut doch mal vorbei und bringt Eure Freundinnen und Freunde und meinetwegen Mutti und Vati gleich mit! Der Einsatz ist nicht mehr als der Preis einer Schachtel Zigaretten - und Ihr habt dagegen einen sicher angenehmen Abend und die Chance aus erster Hand zu erfahren, was Ihr schon immer wissen wolltet! (Oder entdeckt vielleicht eine neue Leidenschaft?)
Für diesen Abend habe ich mir vorgenommen mit so vielen Leuten, wie möglich zu reden und dabei für mehr Akzeptanz gegenüber den Transgender - Menschen zu werben. Schon bei einer unserer Werbeaktionen bin ich auf viel Interesse und Neugier gestoßen. Was also verhilft uns zu mehr Akzeptanz, als den Unbedarften zu zeigen, dass es immer noch ganz normale (für mich häufig liebenswerte) Menschen sind, die in welcher Form und mit welchem Inhalt auch immer zwischen den Geschlechtern wandern oder eben nur die Attribute des anderen Geschlechts bevorzugen.

Inzwischen haben sich einige TransSisters entschlossen, sich auf einer Seite unserer Homepage persönlich vorzustellen. Ich will einfach noch einmal sagen, dass jede von uns die Möglichkeit und natürlich auch Anspruch auf eine eigene E-Mail Adresse Mädchenname@TransSisters.de hat. Es wird sich also in diesem Monat noch einiges tun auf unserer Seite. In diesem Zusammenhang werden auch die Reaktionen zu Thema "Was finden Frauen an uns Transen interessant" - und natürlich auch was nicht, veröffentlicht. Geplant ist über diese Forum hinaus die Einrichtung eines Zugriffszählers, eines Gästebuches und über einen Kleinanzeigen - Markt wird nachgedacht. wer also noch Ideen und Vorschläge hat, sollte sich recht bald melden, damit sie berücksichtigt werden können.
Das soll es dann auch mal wieder gewesen sein, wir sehen uns ja schon am 15.1. zur Neujahrsparty und ich freu mich schon darauf.

Viele liebe Grüße
Sabine

Wochenmail vom 06.02.2000

Guten Tag die Damen und auch die Herren,

eine Woche ist wieder vorbei, ich habe die vergangene Stunde mit der kurzen Beantwortung der TransSisters- Post verbracht und will mich nun an unsere Wochenmail machen. In diesem Zusammenhang: Ich bekomme in Sachen Wochenmail und TransSisters derartig viel Post, dass ich leider nur zu eine kurzen Antwort in der Lage bin – so ganz nebenbei hab ich nämlich auch noch einen Job zu erledigen. Bitte nehmt es mir also nicht krumm, wenn meine direkten Antworten etwas knapp ausfallen. Ich will Euch trotzdem ermuntern, weiter zu schreiben – ganz im Sinne von Carolas Worten: „der Applaus ist der Lohn des Künstlers“. Nun bin ich sicher weit weg von der Kunst, aber eure Reaktionen zeigen mir, dass sich unsere Arbeit lohnt und das soll so bleiben.
Gestern nun war die „Ouvertüre der Lust“, eine „S/M- Fetisch- Erotik- Party“ im Hangar 98 angesagt. Entsprechend dem Motto hab ich mich ordentlich aufgebrezelt und mein neuen Lack-Fummel ausgetragen und war gewillt meine, wenn auch mäßig, so doch vorhandene exhibitionistische Ader zu bedienen. Als quasi Neueinsteiger, besser Neugieriger, in die Szene waren die Erwartungen an die Gesamtveranstaltung doch ziemlich groß, aber auch nicht übersteigert, hatten wir ja schon im vergangenen Jahr einen kurzen Ausflug in die Szene unternommen. Vorweg, meine Erwartungen – ich kann sie ja selbst nicht einmal richtig definieren – wurden insgesamt nicht erfüllt. Und wieder war es der analytische Charme von Tina, die von einer „großen Gummikneipe“ sprach. Und ich füge hinzu: mit dem Flair einer zügigen  Mitropa- Gaststätte in der der Betreiber es den Gästen überlässt, sich wohl zu fühlen, oder eben auch nicht. Sicher solche Veranstaltungen (wie übrigens auch unsere eigenen), gehorchen ganz eigenen Gesetzen und hängen ganz wesentlich von der Stimmungslage der Teilnehmer ab. Nun war ich nicht unbedingt darauf aus, hier gleich alle Spielarten der SM – und Fetischszene kennen zu lernen, doch Stimmung im Sinne von Spaß und Vergnügen kam an keiner Stelle auf. Die Mehrzahl der Gäste hing an einer der beiden Bars herum oder irrte ziellos zwischen „Kneipe“, „Techno-Disko“ und „Darkroom“ umher. Alle schienen auf irgendetwas zu warten oder auf irgendetwas aus zu sein – oder waren eben einfach nur da. Trotzdem, ich hab mich insgesamt doch wohl gefühlt und als wir gegen 2:00 Uhr, wegen unserer doch leichten Bekleidung ziemlich unterkühlt den S-Bahn Bogen verlassen haben, war der Laden rappel voll. Kaum vorstellbar, was wäre, wenn es den Veranstaltern gelungen wäre, eine angenehme Stimmung in einem angenehmen Umfeld zu erzeugen!
Soviel zu meinem diesmal nicht gerade erfolgreichen, aber sicher nicht letzten Versuch, meine Ambitionen in diesem Bereich zu erkunden.
Hier noch ein paar Dinge in eigener Sache:
Es war wieder einmal Tina, die eine interessante Frage aufgeworfen hat. Inzwischen werden 28 TransSisters, oder Interessenten mit dieser wöchentlichen Mail bedient. Tina stellte die Frage, wer denn das alles ist, denn unter einer E-Mail Adresse kann man (frau) sich kaum eine Person vorstellen. Es wäre doch interessant, die Teilnehmer dieser Mailingliste näher kennen zu lernen. Vielleicht ergeben sich auf diese Weise auch Kontakte, die für den Einen oder Anderen interessant sind. Diese Idee gefällt mir. Für mich ist vorstellbar, für jeden Teilnehmer am Wochenmail, eine kleine „Visitenkarte“ zu veröffentlichen. Denkbar ist auch, diese Visitenkarten in einem nur für die Teilnehmer geschützten Bereich auf der TransSisters-Site abzulegen. Hier also meine Bitte: denkt mal darüber nach und schreibt mir (bitte alle) Eure Meinung dazu. Die Angelegenheit macht nur Sinn, wenn der überwiegende Teil auch mitmacht.
Die wichtigsten kurzfristigen Termine könnt ihr wie gewohnt auf unserer Homepage abrufen. Längerfristig sollten wir jedoch unseren möglichen Auftritt zum CSD am 24.6.2000 hier in Berlin planen. Wer also (und hier sind nicht nur die Berliner gemeint), hat Interesse an einer gemeinsamen Aktion. Sollten sich genügend Teilnehmer finden, ist die Anmietung eines eigenen Wagens durchaus denkbar. Dafür sind natürlich geeignete Sponsoren zu gewinnen und insgesamt ein kleines Marketingkonzept zu erstellen. Ich warte also auf Eure Meinung – 5 Monate bis zum CSD sind nicht lang.
Ihr habt sicher schon festgestellt, dass der Umbau unserer Site Fortschritte gemacht hat. Vielen Dank für die vielen positiven Zuschriften und Hinweise auf noch vorhandene Fehler. Ich werde mich (mit Alices Unterstützung) bemühen die Angelegenheit zu perfektionieren. Doch bitte! Es hat keinen Sinn nur mitzuteilen, dass einige Links nicht richtig funktionieren. Auf unsrer Site befinden sich inzwischen mehr als 100 Links – Ihr solltet den Fehler schon genauer beschreiben, damit er auch wirklich schnell behoben werden kann. In diesem Zusammenhang noch einmal der Hinweis, dass unsere Seite allen TransSisters und Freunden für eine persönliche Präsentation offen steht. Es gibt hier keine Einschränkungen – weil die TransSisters sind keine geschlossene Gruppe von nur Transen nur aus Berlin. Diese Seite steht  allen offen, die sich in diesem Zusammenhang präsentieren wollen – Transgender, Bio-Frauen und Nur-Männern!
So, liebe „Gemeinde“, das soll es dann mal wieder gewesen sein. Ich wünsche Euch allen eine angenehme, erfolgreiche und interessante Woche.

Es grüßt Euch die kleine unbedeutende Transe
Sabine

Wochenmail vom 13.02.2000

Guten Tag liebe TransSisters,

nach einem, weil nicht mir Euch zusammen, für mich reichlich einsamen, aber keineswegs ereignislosem Wochenende, will ich mich wenigstens kurz melden. Ich war ein wenig gehandicapt, weil sich mein einzig echter Stein, ein Nierenstein, so einfach auf den Weg ans Tageslicht gemacht hat. Trotz manchmal heftiger Wehen erwarte ich sein Erscheinen mit Spannung. In diesem Zusammenhang, vielen Dank für die vielen „Genesungswünsche“, sie haben zwar nichts an meinem Zustand geändert, waren aber doch sehr tröstlich. Es ist versprochen, wir werden die Geburt gebührend feiern. Genug davon.
Einige unserer Berliner Damen haben am Samstag das KitCat im Metropol erkundet. Erste Berichte hören sich vielversprechend an – also hier die allgemeine Empfehlung für diejenigen, die sich in der SM und Fetisch – Szene umsehen wollen.
Aber auch sonst ist in den vergangenen Tagen allerhand passiert. Unsere Internetseite wird zunehmend frequentiert. Waren es am vergangenen Sonntag seit Einrichtung des Besucherzählers 100 Zugriffe, haben wir heute, nach einer Woche, bereits 437 Zugriffe zu verzeichnen. Bedenkt man, dass es im Internet zirka 800 Millionen Seiten gibt, ist diese Ergebnis phantastisch. Wir erregen Aufmerksamkeit! Gut, mindestens 20 bis 30 Zugriffe haben Alice, Regina und ich verursacht – die Seiten wurden ständig aktualisiert und getestet. Übrig bleibt, dass wir langsam immer bekannter werden. Und genau das wollen wir ja erreichen. Schade nur, dass unser Gästebuch und das Forum keine neuen Einträge verzeichnen, aber vielleicht wir das ja noch. Also bitte, liebe Leser dieser Zeilen auf unserer HP: verewigt Euch mit Eurer Meinung wenigstens im Gästebuch, damit wir erfahren, wie unsere Seite bei Euch ankommt.
Mitteilenswert ist außerdem, dass die Planungen für eine Frühjahrsparty der TransSisters am 25.3.2000 langsam Gestalt annehmen. Der Veranstaltungsort wird wieder das „Ambiente“ am Kurfürstendamm sein. Denkbar ist, diese Party im Stil der 70er Jahre zu gestalten. Die Einladung könnt Ihr sicher bis zum 20.2.00 auf unserer HP unter der Rubrik Events abrufen. Erste Sponsoren, die Firma „Getränke-Hoffmann“ in Berlin Kladow, und die Fa. FundNet, Beratung und Dienstleistungen für Non-Profit-Organisationen, konnten wir auch schon gewinnen. Ich hoffe, es kommen noch Weitere hinzu und bin für Ideen und Hinweise dankbar. Nur so können wir eine anspruchsvolle Veranstaltung organisieren und unseren moderaten Kostenbeitrag für die Teilnehmer von eher symbolischen 5 DM halten.
Auch an die Besucher von Außerhalb soll gedacht werden. Bitte meldet Euch rechtzeitig für die Party an, wir werden Euch bei der Suche nach einer preiswerten und adäquaten Unterkunft unterstützen. Anmeldungen sowie Hinweise und Vorschläge für die inhaltliche Ausgestaltung unserer zweiten großen Party sendet bitte an Sabine oder Alice.
So, liebe TransSisters, Freundinnen und Freunde, soviel für heute.
Ich wünsche Euch allen eine angenehme und erfolgreiche Woche und bin sicher, dass wir uns alle bald in alter Frische wiedersehen.

Viele liebe Grüße
Sabine

Wochenmail vom 20.02.2000

Guten Tag liebe TransSisters und Freunde,

Eine Woche ist wieder geschafft, eine ganze Menge Arbeit erledigt, aber, wie immer auch ein gut Teil liegen geblieben. Darunter auch die weitere Überarbeitung und Perfektionierung unserer Homepage. Aber auch dafür haben wir inzwischen eine Lösung gefunden und ein kleines Bearbeitungsteam, bestehend aus Alice, Regina, Mania und mir, gebildet. Die Sache ist umso wichtiger, als dass wir in der vergangenen Woche gut 500 Zugriffe zu verzeichnen hatten und zunehmend positive Reaktionen aus ganz Deutschland eingehen. Gut, dass wir die nötige Arbeit jetzt ein wenig verteilen können.
In diesem Zusammenhang noch einmal eine Bemerkung zu dieser Wochenmail. Diese Mail ist in ihrem Ursprung als meine persönliche Klatsch- und Gedankenrubrik zu den mir bekannten TransSisters entstanden. Die Öffentlichkeit auf unserer HP und damit auch Zugang für alle Interessierten ist eigentlich mehr ein Zufall, den ich inzwischen akzeptiere und natürlich auch genieße. Doch es soll immer eine persönlich gehaltene Mail bleiben, die meine Eindrücke zu meinem Leben, natürlich vorrangig als Transgender, wiederspiegelt. Für die Empfänger, die mich nicht kennen – ich sie ja auch nicht, und das werden immer mehr, sind sicher einige Gedanken und Bezüge nicht voll nachvollziehbar. Bitte habt dafür Verständnis, aber ich vollziehe hier keine journalistische Tätigkeit, sondern hab einfach nur Spaß daran, meinen Gesprächsstoff mit anderen TransSisters oder eben eigene Gedanken auf diese Weise aufzunehmen. So.
Die vergangene Woche und das Wochenende der Transe Sabine (also iche) stand, so ich mich denn am öffentlichen Transenleben beteiligte unter dem Zeichen der Berliner Filmfestspiele – eigentlich nur einem Nebenprodukt dieser Veranstaltung, dem „Teddy Award 2000“, dem parallelen laufenden schwul- lesbischen Filmfestival. Ich gestehe, obwohl mir klar war, dass derartige Filme nur äußerst selten und dann per Zufall in die großen Festivals geraten, ich habe mich bis dato mit dieser Problematik nicht einmal befasst. (Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen in einschlägigen Kinos und Videotheken gesammelt und das waren nicht immer schlechte.) Die ganze Sache begann am vergangenen Montag mit einem Abendessen im LukiLuki dessen Erlös (immerhin 50 Mark pro Teilnehmer) an den Ausrichter dieses Subfestivals, den Teddy e.V. gegangen ist. In der bekannt angenehmen Atmosphäre des krachend vollen LukiLuki wurden wir von den „Sternchen“ der Szene (ich hab immerhin eine „Dame“ von den „Teufelsbergern“ erkannt) bewirtet und hatten einige angenehme Stunden. Nicht geplanter aber dennoch angenehmer Höhepunkt des Abends war Christas Bekenntnis, dass sie just an diesem Tage Geburtstag hätte. Schade ich hätte ihr so gern etwas geschenkt (vielleicht ein Haar- oder Strumpfband?), aber ich hab es nicht gewusst. Trotzdem, hier noch einmal nachträglich und öffentlich meine Glückwünsche.
Am Samstag dann war im Haus der Kulturen die feierliche Preisverleihung für die besten Filme in 3 Kategorien. Wir hatten, Dank Celine, noch ein paar Karten für die nummerierten Sitzplätze ergattert. Eine tolle Veranstaltung und zudem informativ. Da war zum Beispiel der Chef der Berliner Filmfestspiele zu Gast und hat für die nächste Zeit einen Sonderpreis für schwul- lesbische Filme ausgelobt. Und alle haben geklatscht. So richtig verstanden hab ich das nicht. Da kommt der Chef eines bedeutenden Festivals, lobt das angehängte Subfestival über den Klee und verteilt sogar noch Geld. Warum hat der nicht gesagt, dass in ein solches Festival, wie das seine, auch Filme gehören, die sonst nicht jeder sehen will und dass es ihm leid tut, darauf so wenig Einfluss zu haben? Das kommt mir ein bisschen so vor, wie die Haltung so mancher Leute, die uns Transgender wohl akzeptieren, aber so richtig doch nichts mit uns zu tun haben wollen. Für mich ist das alles eine gespaltene Moral und eigentlich nicht ehrlich.
Wie auch immer. Vielleicht ist aber gerade die gesonderte Ausrichtung eines schwul- lesbischen Festivals der richtige Weg, diese Kunst öffentlich zu machen. Ich weiß es nicht. Schön war jedoch zu erleben, wie sich die Preisträger über die vergleichsweise geringen Preisgelder von 5 oder 7 Tausend Mark richtig gefreut haben. So richtig gut geht es denen wohl nicht.
Die anschließende Party war wie erwartet ausgesprochen heiß und locker. Als wir weit nach Mitternacht die Veranstaltung verlassen haben, standen noch immer Menschentrauben vor der Tür, die die Party besuchen wollten.
Apropos Party! Denkt daran, unsere Frühjahrsparty findet am 25.3.00 im Ambiente statt. Sie ist keine ausgesprochene Transgender-Veranstaltung, sondern öffentlich. Eine ganz normale Party für ganz normale Leute. So wie Du und ich.
In diesem Sinne mach ich mich jetzt an die Vorbereitung der nächsten Woche, die ganz normal ablaufen wird. Ein bisschen TransSister und ganz viel Arbeit als (ganzer ?) Mann.

Viele liebe Grüße
Sabine

Wochenmail vom 27.02.2000

Guten Tag liebe TransSisters und Freunde,

Eine Woche ist wieder geschafft, eine ganze Menge Arbeit erledigt, aber, wie immer auch ein gut Teil liegen geblieben. Darunter auch die weitere Überarbeitung und Perfektionierung unserer Homepage. Aber auch dafür haben wir inzwischen eine Lösung gefunden und ein kleines Bearbeitungsteam, bestehend aus Alice, Regina, Mania und mir, gebildet. Die Sache ist umso wichtiger, als dass wir in der vergangenen Woche gut 500 Zugriffe zu verzeichnen hatten und zunehmend positive Reaktionen aus ganz Deutschland eingehen. Gut, dass wir die nötige Arbeit jetzt ein wenig verteilen können.
In diesem Zusammenhang noch einmal eine Bemerkung zu dieser Wochenmail. Diese Mail ist in ihrem Ursprung als meine persönliche Klatsch- und Gedankenrubrik zu den mir bekannten TransSisters entstanden. Die Öffentlichkeit auf unserer HP und damit auch Zugang für alle Interessierten ist eigentlich mehr ein Zufall, den ich inzwischen akzeptiere und natürlich auch genieße. Doch es soll immer eine persönlich gehaltene Mail bleiben, die meine Eindrücke zu meinem Leben, natürlich vorrangig als Transgender, wiederspiegelt. Für die Empfänger, die mich nicht kennen – ich sie ja auch nicht, und das werden immer mehr, sind sicher einige Gedanken und Bezüge nicht voll nachvollziehbar. Bitte habt dafür Verständnis, aber ich vollziehe hier keine journalistische Tätigkeit, sondern hab einfach nur Spaß daran, meinen Gesprächsstoff mit anderen TransSisters oder eben eigene Gedanken auf diese Weise aufzunehmen. So.
Die vergangene Woche und das Wochenende der Transe Sabine (also iche) stand, so ich mich denn am öffentlichen Transenleben beteiligte unter dem Zeichen der Berliner Filmfestspiele – eigentlich nur einem Nebenprodukt dieser Veranstaltung, dem „Teddy Award 2000“, dem parallelen laufenden schwul- lesbischen Filmfestival. Ich gestehe, obwohl mir klar war, dass derartige Filme nur äußerst selten und dann per Zufall in die großen Festivals geraten, ich habe mich bis dato mit dieser Problematik nicht einmal befasst. (Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen in einschlägigen Kinos und Videotheken gesammelt und das waren nicht immer schlechte.) Die ganze Sache begann am vergangenen Montag mit einem Abendessen im LukiLuki dessen Erlös (immerhin 50 Mark pro Teilnehmer) an den Ausrichter dieses Subfestivals, den Teddy e.V. gegangen ist. In der bekannt angenehmen Atmosphäre des krachend vollen LukiLuki wurden wir von den „Sternchen“ der Szene (ich hab immerhin eine „Dame“ von den „Teufelsbergern“ erkannt) bewirtet und hatten einige angenehme Stunden. Nicht geplanter aber dennoch angenehmer Höhepunkt des Abends war Christas Bekenntnis, dass sie just an diesem Tage Geburtstag hätte. Schade ich hätte ihr so gern etwas geschenkt (vielleicht ein Haar- oder Strumpfband?), aber ich hab es nicht gewusst. Trotzdem, hier noch einmal nachträglich und öffentlich meine Glückwünsche.
Am Samstag dann war im Haus der Kulturen die feierliche Preisverleihung für die besten Filme in 3 Kategorien. Wir hatten, Dank Celine, noch ein paar Karten für die nummerierten Sitzplätze ergattert. Eine tolle Veranstaltung und zudem informativ. Da war zum Beispiel der Chef der Berliner Filmfestspiele zu Gast und hat für die nächste Zeit einen Sonderpreis für schwul- lesbische Filme ausgelobt. Und alle haben geklatscht. So richtig verstanden hab ich das nicht. Da kommt der Chef eines bedeutenden Festivals, lobt das angehängte Subfestival über den Klee und verteilt sogar noch Geld. Warum hat der nicht gesagt, dass in ein solches Festival, wie das seine, auch Filme gehören, die sonst nicht jeder sehen will und dass es ihm leid tut, darauf so wenig Einfluss zu haben? Das kommt mir ein bisschen so vor, wie die Haltung so mancher Leute, die uns Transgender wohl akzeptieren, aber so richtig doch nichts mit uns zu tun haben wollen. Für mich ist das alles eine gespaltene Moral und eigentlich nicht ehrlich.
Wie auch immer. Vielleicht ist aber gerade die gesonderte Ausrichtung eines schwul- lesbischen Festivals der richtige Weg, diese Kunst öffentlich zu machen. Ich weiß es nicht. Schön war jedoch zu erleben, wie sich die Preisträger über die vergleichsweise geringen Preisgelder von 5 oder 7 Tausend Mark richtig gefreut haben. So richtig gut geht es denen wohl nicht.
Die anschließende Party war wie erwartet ausgesprochen heiß und locker. Als wir weit nach Mitternacht die Veranstaltung verlassen haben, standen noch immer Menschentrauben vor der Tür, die die Party besuchen wollten.
Apropos Party! Denkt daran, unsere Frühjahrsparty findet am 25.3.00 im Ambiente statt. Sie ist keine ausgesprochene Transgender-Veranstaltung, sondern öffentlich. Eine ganz normale Party für ganz normale Leute. So wie Du und ich.
In diesem Sinne mach ich mich jetzt an die Vorbereitung der nächsten Woche, die ganz normal ablaufen wird. Ein bisschen TransSister und ganz viel Arbeit als (ganzer ?) Mann.

Viele liebe Grüße
Sabine