Gute Tag liebe Freundinnen und Freunde,
..... na, der Sommer hat's ja nun endlich geschafft und auch schon die ersten Spuren auf meinem Körper hinterlassen. Schön, dass es Freunde gibt, die vor ihrem Haus einen riesigen Garten haben und so hab ich gestern einfach mal die Gelegenheit zum Sonnen - eigentlich mehr Schattenbad genutzt. Obwohl ich wirklich nur im Schatten gesessen habe, hat sich ein kräftiger Sonnenbrand eingestellt, der allerdings überhaupt nicht schmerzt. Sowas hatte ich ja wirklich noch nicht!
Und weil wir gerade beim Thema Sommer sind, will ich hier auch gleich noch die diesjährige Sommerparty der TransSisters am 15.9.2001, im Knemo (Knesebeck - Ecke Momsenstraße), ganz in der West - City der Stadt, direkt in Ku'damm - Nähe, ankündigen. Wer diese Mail schon eine Weile liest, weiß, dass wir schon länger um ein tragfähiges und vor allem mit unseren Mitteln machbares Konzept für diese Partys ringen. Einfach nur ausgehen in eine Kneipe, Bar oder Disko können wir auch ohne großen organisatorischen Aufwand - da reichen ein paar Telefonate oder Mails. Die Kommunikation untereinander läuft sowieso und mit all den Interessierten oder auch "Neueinsteigern" kommen wir bei den monatlichen Treffs gut ins Gespräch. Die von uns veranstalteten Partys sollen zu all diesen Begegnungsmöglichkeiten ein High Light darstellen. Wir hatten zur Party schon laute Diskorhythmen, gut besetzte Showeinlagen und beschauliches Kneipenambiente. Alles zusammen sollte eigentlich die richtige Mischung sein und genau das wollen wir in diesem Sommer versuchen. Das Knemo bietet mit seiner technischen Ausstattung ausreichend Möglichkeit, bei guter Musik zu tanzen, die Terrasse mit Blick auf den Ku'Damm lädt zu einem Schwätzchen ein und erstmalig werden einige der TransSisters selbst den "kulturellen Rahmen" setzen. Ich habe mich schon freiwillig für die Schlussnummer gemeldet (vielleicht ist ja dann keiner mehr im Saal), bereite mich schon kräftig vor und hoffe, dass mich der Mut nicht verlässt. Zudem wird der Abend durch ein selbst gestaltetes Büfett "versüßt". Ein Eintritt (eigentlich aus steuertechnischen Gründen "Kostenbeitrag") wird nicht erhoben, jede(r) hat aber die Möglichkeit, sich angemessen und freiwillig an den Aufwendungen zu beteiligen. Die Party ist öffentlich und alle, ganz besonders natürlich die Freundinnen und Freunde der TransSisters, sind herzlich dazu eingeladen. Ich freue mich schon und hoffe natürlich, dass ich die Gelegenheit habe mit möglichst vielen von Euch ins Gespräch zu kommen.
Soviel zur Eigenwerbung und gleich noch eine Bemerkung zum "Werbethema". Ich will hier nicht noch einmal wiederholen, was ich in den Kommentar zu Nadjas Mail geschrieben habe, habe aber wohl empfangen, dass ich mich nicht ganz so eindeutig ausgedrückt habe, wie eigentlich beabsichtigt. Hier noch einmal ganz deutlich. Ich unterstütze Nadjas Aktivitäten, weil sie etwas für die Öffentlichkeit der Transgender tut, weil ich sie kenne und auch mag und weil ihr Beitrag eben keine Werbung oder "Anmache" im erwähnten Sinne war. Dennoch möchte ich solche Informationen, aus Gründen des Charakters diese Verteilers, möglichst selten streuen. Eine Entscheidung für eine Sache ist eben immer auch eine Entscheidung gegen eine andere Sache.
Die lauen Sommerabende machen's möglich - die ungestörten intensiven Schwätzchen in den Straßencafes. Ich hatte dazu in den vergangenen Tagen ausreichend Möglichkeit. Nimmt man es mal zusammen, dann ging es irgendwie immer um ganz individuelle Wünsche, Träume und Bedürfnisse - die eigene Haltung dazu und natürlich die Sicht des engeren und weiteren Umfeldes auf eben diese Wünsche, Träume und Bedürfnisse. Nehmen wir mal die Frage der ganz persönlichen Trans - Präferenzen, wobei das aus meiner Sicht durchaus auch für jegliche anderen Neigungen gelten könnte, doch an dem Trans-Thema kann ich es hier besser festmachen:
Jede von uns hat irgendwann den Wunsch verspürt, (zunächst erst mal nur für sich selbst) sein äußeres mit der eigenen Gefühlslage besser in Übereinstimmung zu bringen. Da ist etwas, wie kann ich es auch äußerlich ausdrücken und dokumentieren. Was auch immer das erste Kleidungsstück am eigenen Körper war, die Palette reicht in der Tat vom Schuh bis zum Kopftuch und allem, was sich dazwischen befinden kann, es war das momentan erreichbare Objekt der Begierde und Glücksbringer zugleich. An dieser Stelle wird entschieden, welche Richtung alle weiteren Träume nehmen. Nun sind ja Träume sowieso ganz privat, doch die Realisierung dieser Träume irgendwo immer öffentlich, auch, wenn zunächst heimlich. Jede(r) von uns realisiert in irgend einer Weise einen Traum und formt das eigene Bild seines fraulichen Ichs. Die eine trägt weite rauschende "Sissi - Kleider", für die andere sind High Heels (richtig geschrieben?) ein absolutes Muss und die Dritte legt halt mehr Wert auf das "Besondere" darunter. Diese "Präferenzen" unterliegen einer Wandlung. Spätestens, beim Eintritt in die "große Öffentlichkeit" kommen ja noch andere Einflüsse, nämlich die allgemein von der Gesellschaft akzeptierten Normen hinzu. Es wäre für so manche zwar ehrlicher, wenn sie nur die bevorzugten Kleider oder Schuhe trüge(oder meinetwegen nur in Strapsen rumliefe), doch wirklich praktisch ist das ja bekanntermaßen nicht und Frau, die wir ja irgendwie sein wollen, unterliegt zudem ja auch einigen Bekleidungsregeln. Es stellt sich eine gewisse angepasste „Normalität“ ein. Einige, nach meiner Erfahrung nicht wenige, verharren irgendwo weiter in Ihren Präferenzen und nennen sie ganz einfach nur „die besondere Leidenschaft“. Genau genommen gehöre ich auch dazu – ich erinnere nur an meine unlängst erwähnte Sammlung an Damenstrümpfen. Man könnte ja auch den Begriff Fetisch verwenden. Wegen der harten Bindung der allgemein gebrauchten Definition an sexuelle Verhaltensweisen schrecke ich vor dem Gebruch ein wenig zurück. Und dennoch ist da etwas dran. Das eigene Frausein wird doch schon sehr an diese „Präferenz“ gebunden und in gelegentlich auch auf das Objekt der ganz persönlichen Begierde, die ersehnte oder geliebte geborene Frau übertragen. Nun find ich das nicht einmal schlimm, weil die Beurteilung solcher Leidenschaften sicher sehr subjektiv und vor allem auch Wandlungsfähig ist. Kein Mensch stört sich zum Beispiel daran, wenn eine Motorradfahrerin unbedingt nur mit einem Motorradfahrer zusammen leben will, oder ein ausgemachter Sportler nur mit einer sportlichen Frau zurecht kommt. Es geht eben um ganz bestimmte Präferenzen.
Und nun taucht eine der Straßencafe-Fragen auf, ob zum Beispiel die Vorliebe für „Knochenbrecherschuhe“ und der Wunsch, dass doch mehr Frauen ähnliche Leidenschaften entwickeln, denn nun „normal“ sei. Mal abgesehen davon, dass der allgemeine Schuhtrend wieder auf höhere und spitzere Absätze weist (ich hab mich informiert!), ist doch die Frage, wie man (frau) mit seiner Leidenschaft umgeht, viel entscheidender. Wer beherrscht wen? Ich die Leidenschaft oder die Leidenschaft mich? Im ersteren Fall: Alles im grünen Bereich, weiter so! Wenn nicht, wird’s schon komplizierter, aber nicht hoffnungslos und vor allem sehr individuell. Kann man gut damit leben, ist’s halt so. Wenn nicht, dann sollte man sich ernsthaft damit beschäftigen und sich unter Umständen nach der viel zitierten professioneller Hilfe umsehen.
Ich finde, Leidenschaften soll man pflegen, sie machen unser Leben irgendwie reicher und lassen den (in einem anderen Gespräch erwähnten) inneren Druck erst gar nicht zu. Doch zu dieser Leidenschaftspflege gehört natürlich auch eine entsprechende Möglichkeit. Begegnet ist mir in einem anderen Zusammenhang das Argument (und ich kann die Reaktion darauf einfach nicht lassen): „Ihr Transen habt es da recht einfach. Irgendwann entscheidet ihr euch auf die Straße zu gehen, trefft dann irgendwann auf andere Gleichgesinnte und..“ (ich beende) seid glücklich bis an euer Lebensende. Wenn das so einfach wäre! Ich erinnere an die vielen bekannten Lebensläufe, die Jahre der Zweifel, der Heimlichkeit und der Suche nach einem Menschen, dem man (frau) sich mitteilen und vielleicht auch mal zeigen kann! Der ganz persönliche Trans-Traum realisiert sich nicht im Kämmerchen oder gar Keller. Er realisiert sich auch nicht allein mit einsamen oder vielleicht irgendwann gemeinsamen Schritten in der Öffentlichkeit. Er realisiert sich vor allem in unseren Köpfen und nur durch Interaktion mit unserer Umwelt. Es gibt eine gerüttelte Anzahl von Schwulen- und Lesbenkneipen, Clubs und Kontaktforen für jegliche Spielart ganz persönlicher, auch sexueller Neigungen – alle haben bis zu einem gewissen Grad sogar gesellschaftliche Akzeptanz. „Trans“ ist noch viel zu häufig tabuisiert und disqualifiziert, bestenfalls das „Appetitshäppchen“ auf dem Markt der gesellschaftlichen Eitelkeiten. Und „Trans“ ist schon gar nicht einfach!
Aber immer wieder schön!!!!!!!!!!!!!
Ich wünsche euch allen eine angenehme Woche und will mich selbst bemühen, die nächste Wochenmail, wie gewohnt noch am Sonntag zu versenden. Doch mit einigen Gedanken war ich einfach noch nicht fertig, bin ich zwar immer noch nicht, will es aber mal so stehen lassen.
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
ich habe mich wirklich sehr auf den Sommer gefreut und ihn herbeigesehnt. Doch was da in den letzten Tagen an Temperaturen geboten wurde, war dann doch für mich als (sagen wir mal) hartgesottene Transe zu viel. Der Zufall hatte mir ein wunderschönes weißes und zudem preiswertes gebrauchtes Sommerkostüm beschert und ich wollte es so gern austragen. Doch allein der Gedanke an reißende Schweißströme, beginnend am Haaransatz unter der Perücke direkt über das Make Up im Gesicht bis hin auf den schön weißen feinen Stoff hat mir jeden Gedanken an Ausgehen im Kleid vertrieben. Ich beneide die Frauen, die bei solchen Temperaturen ohne jegliche Schminke zurecht kommen und ich beneide auch die Freunde, die solche feuchten Hitzeerscheinungen nicht haben. Aber wir leben ja in Mitteleuropa und die von mir so geliebten lauen Sommertage sind gewiss.
So war ich denn in den letzten Tagen ausschließlich in männlichem Outfit unterwegs, habe mich auch dabei ausgesprochen wohl gefühlt und wenn mir so war, dann bin ich hier in meiner Wohnung allein und unbeobachtet in einem kurzen luftigen Kleidchen rumgelaufen und habe die Dinge getan, die ich sonst auch so zu tun habe. Auch das ist, so finde ich, eine angenehme Art von Normalität.
Nach einer überaus angenehmen und anregenden ganz privaten Erkundungstour durch die wohl eher nobleren Berliner Gartenlokale entlang der Havel am Freitag, war dann gestern wieder die inzwischen beliebte und ebenfalls private Grillparty der TransSisters bei Alice und Beatrice angesagt. Es ist schon mal einer Betrachtung aus der Sicht des Außenstehenden wert, wenn an einem schönen Samstagabend weit über ein Dutzend Trans-Menschen mit ihren Freunden und Partnerinnen in eine kleine verschlafene Reihenhaussiedlung am Bande Berlins einfallen. Das macht schon einiges Aufsehen und ist dennoch für einen auch nur kleinen Skandal nicht aufregend genug. Da feiern eben ein paar schräge Vögel, insgesamt benehmen sie sich und am nächsten Tag ist die Welt in der kleinen Waldsiedlung wieder so, wie sie immer war – ruhig, beschaulich, ein bisschen (klein)bürgerlich. Und doch haben alle Beteiligten etwas gelernt. Die Einen wissen, dass es und gibt und wir haben wieder einmal erfahren, dass die Welt mit uns durchaus leben kann. Na, wenn das nichts ist!
Es kommt eben immer auf einen Versuch an, egal, was man (frau) gerade möchte oder begehrt. Und das gilt nicht nur für’s ausgehen als Trans. Doch das möchte ich hier und heute nicht vertiefen. Bei diesen Temperaturen habt Ihr einen Anspruch auf eine kurze Mail und ich nehme mir die Freiheit einfach mal nur zu plaudern und lasse die Welt heute so, wie sie ist.
Ich wünsche Euch eine angenehme Woche und mir für mein neues Kostüm ein paar milde lauschige Abende.
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
... es ist geschafft, die HP der TransSisters ist nun endgültig umgezogen, Ihr merkt das sicher an dem neu gestalteten Besucherzähler (der im übrigen jetzt auch Fehlerfrei funktioniert) und auch, dem derzeit noch fehlenden Gästebuch und Forum. Weil wir die alten Beiträge übernehmen wollen ist diese Neuinstallation ist ein wenig aufwändiger und wird sicher noch einige Tage dauern. Ich kann Euch aber versichern, dass fleißig daran gearbeitet wird. Mit dem Umzug haben sich auch unsere technischen Möglichkeiten verbessert, Ihr könnt gespannt sein, was sich in den nächsten Wochen noch alles tun wird. Ich wünsche mir einen Anzeigenmarkt in dem Ihr das eine oder andere Stück anbieten könnt und auch einen Kontakte-Bereich. Bei der Durchsicht des Gästebuches und des Forums sind mir in der Vergangenheit immer wieder Kontaktanzeigen aufgefallen, die in Ermangelung anderer Möglichkeiten auf unserer HP dort eher deplaziert waren. Einen Teil davon, nämlich die, die ausschließlich eindeutige Sexkontakte suchten, haben wir in Abstimmung mit den Macherinnen dieser Seite gelöscht. Ich will hier noch einmal betonen: Keine von uns ist prüde oder gar asexuell. Doch wir haben uns nun einmal zu einem eindeutigen inhaltlichen Konzept für unsere Seiten entschieden. Sexuelle Angebote gibt’s im Netz mehr als genug, das brauchen wir nicht auch noch tun. Ganz in diesem Sinne werde ich mich auch weiter weigern eine zum Beispiel erst kürzlich eingegangene Einladung zu einem so genannten „TV-Hobbynutten – Ball“ über unsere Kanäle zu verteilen. Wie gesagt, dafür gibt es reichlich Möglichkeiten der Verbreitung.....
Und dennoch, der Bedarf an Kontakten ist noch immer groß genug und rechtfertigt einen solchen Versuch.
Das ist ja mitunter auch recht schwierig. Überall im Land gibt es Trans-Menschen, die sich irgendwann entschließen nach Gleichgesinnten zu suchen, sei es um sich über die Vielfalt der Nöte und Freunden auszutauschen oder auch um eine neue Lebenspartnerin oder Partner zu finden. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man meinen, dass die allgemein üblichen Mechanismen dafür ausreichend sind. Man (und ich bleibe hier mal bei „Mann“) lernt irgendwo eine nette Frau kennen, entwickelt eine freundschaftliche Beziehung oder verliebt sich gar. Basiert das auf Gegenseitigkeit ist alles in Butter - die Welt ist schön. Wenn nicht, dann sucht man halt weiter oder sucht gar nicht mehr und lässt die Sache einfach nur auf sich zukommen.
Ihr merkt es sicher schon, ganz besonders wer einschlägige Trans-Erfahrungen hat, so einfach ist das nicht. Denn jegliche neue Beziehung ist mehr an Bedingungen geknüpft, als bei Menschen, deren individuelle Besonderheiten nicht so sehr vom allgemein verbreiteten Menschenbild abweichen. Für die Masse der Menschen gibt es halt Mann und Frau – in ihren Rollen und Rollenvariationen. Doch, wie schon so oft erörtert, die Variante „Trans“ ist wohl eher selten und so manche(r) kommt in einer persönlichen Beziehung damit nicht zurecht. Ich will sagen, dass sich ob unserer besonderen Eigenschaften, wenn sie denn nachhaltig und ernst gemeint sind, natürlich auch der mögliche Adressatenkreis für Freundschaften oder gar Partnerschaften erheblich einengt. Kaum jemand aus dem mir bekannten Trans-Kreis ist wirklich bereit, seine Leidenschaft für eine Partnerschaft und schon gar nicht neue Partnerschaft aufzugeben. Wir alle haben ja erfahren, dass das sowieso nicht geht, wenngleich ich schon registriere, dass Partnerschaft dann schon wichtiger sein kann, als die regelmäßigen Treffen mit den Trans-Freundinnen. Natürlich pflegt jede(r) von uns auch Beziehungen außerhalb der eigentlichen Transgenderproblematik, das ist auch gut so, denn die Welt ist ja in Wirklichkeit viel größer als die hier immer Betrachtete. Und doch bieten die Kontakte zu anderen Transgendern oder zu Leuten, die damit gut umgehen können, für uns die einzige Möglichkeit unsere gesamte Persönlichkeit zu entfalten. Ich finde schon, das ist ein guter Grund für ein Kontaktforum auf der HP der TransSisters.
Kontakte zu anderen Menschen, die mich mögen und die ich mag, sind auf eigenartige Weise für mich das Hauptthema der vergangenen Woche gewesen. Wer von Euch kennt das nicht. Im verlaufe der Zeit trifft man auf Menschen, mit denen man ganz gut kann, aber nicht immer die Gelegenheit hat sich zu sehen und dabei auszutauschen - und bei mir sind das wirklich eine ganze Menge. Ich für meinen Teil nehme mir häufig vor, gleich nachher mal bei XYZ anzurufen, doch beim Vorsatz bleibt es häufig und irgendwann stellt sich dann noch die Frage ein „warum meldet sich XYZ nicht mal?“ Meine beste Freundin beklagte erst unlängst zu Recht dass sie den Eindruck hat ich ziehe mich zurück, die nächste erinnert mich nur durch ihre zufällige Anwesenheit bei einer Party an meine Versäumnisse, die Dritte langjährige Freundin schreibt einfach mit dem Kugelschreiber ihre Telefonnummer auf meinen Arm und der freundschaftlich verbundene ehemalige Kollege droht mit drakonischen Maßnahmen, wenn ich nicht zur Nachfeier seines von mir längst vergessenen Geburtstages erscheine. Das war, als hätten sich alle irgendwo getroffen und gegen mich verschworen. Natürlich nicht. Es wird wohl eher so sein, dass ich sie alle irgendwo getroffen habe, im Sinne von unangenehm berührt. Ich kenne sicher einhundert Gründe, die es unmöglich machen, gerade jetzt zum Telefonhörer zu greifen, irgend einen Freund anzurufen und zu fragen, wie es denn so geht. Doch mir fällt absolut kein Grund ein, warum ich es nicht trotzdem tue. Sicher, ein Tag hat auch für mich nur 24 Stunden (und natürlich die Nacht) und all zu oft hab ich nach einem anstrengenden Arbeitstag auch nicht das Bedürfnis für großartige Aktionen. Ich weiß, dass ich sehr viel Zeit auch für mich selbst benötige, nicht ohne Hintergrund hat sich diese kleine Wochenmail ja zu einer gelegentlich philosophischen Postille und Nabelschau ausgeweitet. Doch wenn ich denn mal wieder auf die mir wichtigen Menschen zugehe und mit ihnen ins Gespräch komme, dann habe ich wieder völlig neue Eindrücke und das Gefühl wirklich zu leben.
Und damit sind wir auch schon wieder bei den Möglichkeiten eines Kontaktforums. Ein Kontakt allein tut es nicht. Er ist zunächst die Grundlage für eine, wie auch immer geartete Beziehung. Doch wer Kontakte nur aus oberflächlichen oder gerade hormonbedingten Gründen sucht oder Kontakte eben nicht pflegt, der ist irgendwann allein und wird verzweifelt nach immer neuen Kontakten und neuem Kick suchen. Er hat keine wirkliche Beziehung zu Menschen. Ein Grund für mich und die Macher der Internetseiten der TransSisters darüber nachzudenken, ein Forum für wirklich ernste (meinetwegen „seriöse“) Kontakte zuschaffen.
Und ein Grund für mich, jetzt die Wochenmail zu beenden, mindestens drei Freunde und Freundinnen anzurufen und zu fragen, wie es denn so geht und auf eine ehrliche Antwort zu hoffen. Vielleicht kann ich sie ja überreden mit mir noch für eine Stunde oder so in ein „Glasbiergeschäft“ zu gehen. Und vielleicht haben wir ja auch viel Spaß. Ganz bestimmt aber sind wir uns dann wieder ein Stück weit näher gekommen.
Ich wünsche Euch eine angenehme Woche und dazu viele verständnisvolle Freunde.
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
nun klappt es ja doch noch mit Sommer, Sonne und so. Ich habe endlich Gelegenheit meine Sommergarderobe auszutragen. Ihr fragt Euch vielleicht, wie die denn das alles macht, wenn sie ständig über neue Kleider redet, das kostet doch einen Haufen Geld. Mitnichten! Bei meinen Streifzügen durchs Internet bin ich auf eines der virtuellen Auktionshäuser (www.ebay.de) gestoßen, habe mich mal näher dafür interessiert und bin auch fündig geworden. Mit recht interessanten Suchmechanismen kann man praktisch nach jedem erdenklichen Artikel (und bei Bekleidung mit einigem Geschick sogar mit Größenangaben) recherchieren. Hier hab ich sogar gefunden, was heute kaum noch ein Geschäft anbietet und das zu wirklich akzeptablen Preisen! Darunter eben auch das eine oder andere luftige Sommerkleid zu Preisen unter 20 Mark. Umtausch ist natürlich im Regelfall ausgeschlossen, doch bei diesem kleinen Geld kann man (frau) schon mal einen Fehlkauf riskieren. Ich habe erst ein einziges mal daneben gegriffen. Wer also das ganz besondere Einzelteil zum kleinen Preis sucht sollte sich mal dafür interessieren. Ich kaufe seit einigen Monaten dort und habe ob der strikten Bindung aller Teilnehmer an das Fernhandelsgesetz auch mit dem häufig kritisch betrachteten „Vorkassegeschäft“ noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.
So konnte ich denn auch gestern ein schönes (preiswertes) buntes Sommerkleid austragen. Wir waren urlaubsbedingt nur in kleiner Besetzung unterwegs und haben uns in eher ruhige und bekannte Lokalitäten verzogen. Wegen der Love Parade (ich habe in diesem Jahr auf das Spektakel verzichtet) hat sich die Suche nach neuen oder ausgeflippten Clubs von selbst verboten. Hinzu kommt, dass das von uns in der Vergangenheit häufig frequentierte „pur elle“ nach dem offiziellen Besitzerwechsel und der „Renovierung“ von uns wohl kaum noch angesteuert wird. Ich selbst hatte keine Gelegenheit bei der „Eröffnungsparty“ im neuen „PE“, in der vergangenen Woche vorbei zu schauen, doch die Nachrichten, die ich empfange sind verheerend und reichen von „gesichtslos“ und „lieblos“ bis hin zum „Charme einer Fertigungshalle“. Schade eigentlich, dass ein so traditionsreicher Club auf diese Weise den Bach runter geht. Den neuen Betreibern (man sagt „Rosenstolz“ – das Duo, Ihr kennt sie sicher) bleibt eigentlich nur zu wünschen, dass sie das erkennen und entsprechend reagieren. Aber vielleicht haben sie ja ihr eigenes Publikum. Die Masse der dort bisher verkehrenden Lesben und wohl auch der TransSisters ist wohl eher nicht mehr dabei. Nun bin ich der (die) letzte, der der Unwirtschaftlichkeit das Wasser redet, doch eine ganze konzeptionelle Kehrtwendung für einen Club mit eingeführtem Publikum scheint mir doch etwas problematisch. Ich werde demnächst dort sicher noch einmal vorbei schauen, vielleicht habe ich mich ja auch geirrt.
Die Ferienzeit ist da, es wird rings rum etwas ruhiger und die Zahl der Urlaubsgrüße im virtuellen, wie im realen Postkasten steigt naturgemäß an. Ich habe in letzter Zeit ohnehin ungewöhnlich viel Post. Darunter sind auch Briefe, die mich gelegentlich inhaltlich ganz schön fordern und so manches mal denke ich, dass es mir, bei all meinen eigenen Problemen und Sorgen, vergleichsweise doch ganz gut geht.
Ein Beispiel:
Eine mir bislang persönlich unbekannte Leserin dieser Mail schreibt, dass nicht klar definierte Quellen in ihrer Arbeitsstelle ihre nicht ganz gewöhnliche Leidenschaft bekannt gemacht hat. Sie erfährt dadurch nicht unerhebliche Schwierigkeiten bis hin zum Mobbing und stellt nun die Frage, wie sie denn nun ihren „beruflichen Frieden finden kann“. Ich habe mich mit einer Antwort ziemlich schwer getan und will hier mal einen Auszug daraus wiedergeben:
“Du beschreibst hier ein Problem, das für die meisten von uns sicher zu den absoluten Horror – Szenarien gehört. Die Frage lautet doch ...: „Was tun, wenn irgend jemand aus Dummheit oder Böswilligkeit Informationen über unser privates Ich in die Öffentlichkeit streut?“ Nun, ich selbst habe damit noch keine Erfahrungen und weiß das auch von meinen engsten Freundinnen. Ich kann also hier nur sagen, wie ich mich vermutlich verhalten würde – natürlich habe auch ich mir schon vor einiger Zeit ein paar entsprechende Strategien zurecht gelegt. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist jedoch immer, dass ich nichts verbotenes tue mich aber von außen betrachtet schon als ganz schön schräger Vogel sehe.
Zunächst erst einmal besteht ja immer die Möglichkeit, offensiv auf die vermeintliche Quelle der Informationen zuzugehen und um Aufklärung der Motive zu bitten. Meine Strategie für solche Fälle ist weniger auf Auseinandersetzung denn mehr auf Kompromiss und Verständnis ausgelegt – selbst, wenn die bewusste Quelle eindeutig bösartige Motive verfolgt. Vielleicht kann man (frau) ja auf diese Weise, den Prozess wenigstens stoppen.
Problematischer wird die Sache schon, mit den Stellen, die die Information schon erhalten und vermutlich falsch gedeutet haben. Nun, ich bin selbstständig, kann über Mangel an Arbeit nicht klagen..... Doch ich habe natürlich auch geschäftliche Beziehungen, an denen mir (nicht nur aus finanziellen Gründen) sehr liegt. Hier würde ich ebenfalls in die Offensive gehen. Es findet sich immer mal eine Gelegenheit für ein paar vertrauliche Worte. Nun würde ich nicht gerade meine ganze Geschichte ausbreiten, wohl aber darüber sprechen, dass ich in „nicht ganz gewöhnlichen aber grundsätzlich harmlosen Kreisen“ verkehre und darauf verweisen, dass das natürlich ganz privat ist und nichts mit dem Job zu tun hat. Soll doch das Gegenüber nachfragen, wenn es Interesse hat. Diese Information würde ich nicht einmal bei dem (der) aktiven Mobber (Mobberin) streuen, sondern bei einer ihm (ihr) vertrauten Person. Ein potenzieller Mobber lebt vor allem von der (zumeist heimlichen) Zustimmung seines ganz intimen Umfeldes. Dieses Umfeld ist in seiner Haltung oft labil und am ehesten beeinflussbar. Sollen die doch die neue Information (und zudem aus erster Hand!!) streuen, der Mobber weiß das nur aus zweiter Hand. Plötzlich sind die Informationen nicht mehr wichtig und schon gar nicht heimlich. Das Interesse sollte bald verloschen sein. Ich bin in anderen Zusammenhängen so verfahren und hatte damit Erfolg. Etwas anderes ist das natürlich, wenn die Gründe für das Mobbing eigentlich nichts mit unserer doch eher ungewöhnlichen Lebensweise zu tun haben. Dann werden sicher bald andere Möglichkeiten gesucht und auch gefunden.
Am Wichtigsten ist jedoch, lass dich nicht brechen und lass dir nicht einreden oder nur vermitteln, dass das was wir alle tun abnormal oder krank ist. Ich weiß, in solchen Situationen zweifelt man (frau) schnell mal an sich selbst. Und dann beginnt ein unendlicher Kreislauf, der zwangsläufig abwärts führt. Das sind die Leute alle nicht wert!....“
Ihr merkt schon, ein wirklich heißes Thema und dazu von mir nur allgemeine, zudem ganz persönliche, Strategien der Konfliktbewältigung. Ich habe mich natürlich inzwischen ein Wenig zum Thema Mobbing belesen, weiß um die Ursachen und die gelegentlich existenziellen Wirkungen. Ich bin nicht einmal sicher, ob in diesem Beispiel wirklich gemobbt wird. Doch für die Bewältigung solcher Probleme wird in der Literatur zumeist auf alle möglichen externen Hilfsmöglichkeiten, wie Gleichstellungsbeauftragte oder gar Selbsthilfegruppen und Vereine verwiesen. Gibt’s da keinen anderen Weg? Hat jemand von Euch damit schon Erfahrungen gesammelt? Gern würde ich jener „namenlosen“ Leserin noch mehr zu ihren Problemen sagen, doch vielleicht bekomme ich ja von Euch noch den einen oder anderen Tipp.
Auf jeden Fall wünsche ich Euch eine stressfreie Woche.
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
vier tolle Tage mit allem, was der Mensch so braucht oder auch nicht gebrauchen kann. Die Woche endete für mich mit einem Rohrbruch im Bad (kleiner Schaden, netter Handwerker und dennoch viel Zeit vergeudet), einer mittleren familiären Katastrophe (zur Schadensbegrenzung mal eben quer durchs Land gereist, nun geht es wieder gut), einer Strandparty, die nach einem tollen Auftakt dann im Gewitterregen endete (Verabredung gerade noch geschafft, Sand an Körperstellen, die ich bisher in Sicherheit wog und mittlerer Kraftakt bei der Auflösung des Strandlagers) und letztlich in Mitten der wohl verdienten Ruhe Markstück großer Hagelschlag auf dem Lack des fast neuen Autos (muss ich mir noch genau ansehen, wird aber reparabel sein). Das ist Leben prall! Ich bin in den letzten Tagen wohl um mindestens ein Jahr gealtert.
Da war für die Sabine in mir wenig Zeit und dennoch irgendwo war sie immer auch anwesend.
An dem monatlichen Treffen der TransSisters konnte ich wegen der Ereignisse leider nicht teilnehmen, hier noch einmal meine Entschuldigung und die Bitte um Verständnis für diejenigen Freunde und Freundinnen mit denen ich zu diesem Anlass eigentlich verabredet war. Ich höre aber, dass das Treffen (immerhin schon das siebte seiner Art) trotz Urlaubszeit wieder gut besucht war. Das ist gut so, denn nach meiner Information gibt es in Berlin kaum vergleichbare Aktivitäten. Natürlich höre und lese ich von ähnlichen Veranstaltungen in anderen großen (und auch kleineren) Städten, doch mir selbst ist die Entwicklung einer gewissen Trans-Kultur in Berlin natürlich am wichtigsten. Ich habe mir an dieser Stelle schon des öfteren Gedanken gemacht, wie denn die Transgendergemeinde und das gesellschaftliche Umfeld organisiert sein sollte, damit Transgender sich selbst verwirklichen können („Selbstverwirklichung“ die 68er lassen grüßen – aber so bin ich nun mal) und zugleich ein Maximum an gesellschaftlicher Akzeptanz für unser Leben erzielt werden kann. Ich denke dabei in ganz pragmatischen Strukturen, die sich vor allem am individuellen Entwicklungsstand des Einzelnen orientieren. Gut, dass es die einschlägigen Vereine und Selbsthilfegruppen gibt, die eine wirksame Hilfestellung gerade in der Phase der Selbstfindung und des Outings bieten. Aus meiner Kenntnis der Arbeit des Berliner Sonntags-Clubs weiß ich aber auch, dass diese Arbeit unzureichend staatlich gefördert wird, zumindest anteilig erheblich weniger, als zum Beispiel die Arbeit mit schwulen oder lesbischen Menschen. In der zweiten Ebene sehe ich solche Vereinigungen wie die Berliner TransSisters oder auch die Schwestern in Bielefeld und Österreich (GWHF), die die Gestaltung des täglichen Lebens (zumindest im Freizeitbereich) in den Vordergrund stellen. In den Selbsthilfegruppen, Vereinen und auch nur losen oder straff organisierten „Freizeitvereinigungen“ wird aus meiner Sicht die eigentliche Kerrnerarbeit in Bezug auf die Entwicklung des ganz individuellen Trans-Seins und die sich recht zäh entwickelnde gesellschaftliche Akzeptanz geleistet. Eine wirklich politische Lobby gibt es für uns in unserem Lande nicht, mal abgesehen von Einzelaktivitäten in Bezug auf das Transsexuellengesetz und der einen oder anderen (eigentlich nur der einen inzwischen eher wirkungslosen) Polittranse. Und auch ein schwuler Regierender Bürgermeister („das ist gut so“) ist zunächst erst einmal schwul und nicht trans.
In diesem gedanklichen Ausgangspunkt flattert die sogenannte „Freiburger Dreiländererklärung zur Gründung eines Europäischen Bundesverbandes für transidente / transgende Menschen (EBVTrans)“, vom 14. Juni diesen Jahres, in den Computer und damit auf den Schreibtisch. Unter dem Eindruck der einsetzenden Diskussion entsteht am 19.Juli eine überarbeitete Fassung (jetzt „Manifest für eine umfassende TransGender-Community), die mir die Autoren freundlicherweise vorab zu Verfügung gestellt haben. Den Text könnt Ihr unter anderem bei www.transgenderlife.de nachlesen. Ich habe die Texte mehrfach gelesen. Allgemeine Internationalisierung aller gesellschaftlichen Prozesse und Europa hin und her. Es gehört schon eine gehörige Portion Mut und wohl auch die Gabe zur Vision dazu, eine geschlossene Europäische Transgender-Community zu ersinnen und die ersten Schritte in diese Richtung zu gehen. Mir ist, als wollte ein Gärtnergeselle ganz allein noch vor der Meisterausbildung (wenn es denn so was gibt) zur Rettung des Ozongürtels einen Palmenhain am Nordpol pflanzen und macht sich in der Hoffnung auf den Weg, dass bis zur Ankunft der Pol sowieso abgeschmolzen ist. Die Absichten sind redlich und unterstützenswert, doch er ist selbst noch nicht fertig ausgebildet und verfügt über keinerlei infrastrukturelle Möglichkeiten.
Und ich will diese Meinung auch begründen:
Das Manifest geht davon aus, dass die Transgender in Europa natürlich verbündete sind die bestehenden Benachteiligungen nur durch gemeinsame parlamentarische und außerparlamentarische Bemühungen beseitigt werden können. Dazu kann ein Europäischer Interessenverband hilfreich sein. Das ist richtig, andere Interessenvereinigungen verfahren ähnlich. Der wesentlich Unterschied zu den (naheliegend schwul / lesbischen) Interessenvertretungen besteht aber darin ,dass sie auf relativ gut funktionierende nationale Strukturen aufbauen können. Schauen wir uns doch im eigenen Land um. Schon vor einigen Monaten habe ich über erste Gespräche und Gedanken zur Organisation (Gründung) einer Berlin-weiten Trans-Community (wir bleiben mal bei diesem Begriff) berichtet. Warum auch immer, wir sind auf diesem Weg nicht einen Schritt weiter gekommen. Ich denke, allein die Tatsache, dass die nicht einmal rechtlich organisierten TransSisters eine ernst zu nehmende Plattform für Transgender in und anderswo entwickeln ist lediglich ein wichtiges Vorstadium für eine mögliche künftige Organisationsform. Von landesweiter (Bundesland) Bewegung ist noch lange nicht die Rede. Ich weiß das auch von keinem anderen Bundesland. Ganz im Gegenteil, die Verfasser des Manifests bemerken ja selbst: „. Die transidente / transgender'sche "Community" in Deutschland ist heute weithin geprägt durch eiferssüchtige Nabelschau, gegenseitiges Mobbing, engstirnige Vereinsmeierei und Gruppen-Bildungen, unpolitische Haltung und unkritische Konsum-Einstellung.“ Wirksame Strukturen müssen nach meiner Auffassung von unten wachsen und die Bildung eines Überbaus notwendig selbst hervorbringen. Diese Entwicklung kann durch zum Beispiel bundesweite Koordinierung unterstützt, aber keineswegs allein dadurch erzeugt werden. Mal abgesehen davon geben die Verfasser ja such selbst zu, dass sie über die wirklich gültige rechtliche Lage der Transgender in den meisten Europäischen Ländern nur unzureichend informiert sind.
Unklar und zur offenen Diskussion gestellt ist auch der Personenkreis der durch diesen möglichen Europäischen Verband vertreten werden soll. Auch hier ein Zitat: „Als TransIdente / TransGender werden verstanden: Trans- und Intersexuelle, echte und unechte Zwitter, Hermaphroditen, She-Males und He-Shes, TransVestiten, Cross-Dresser, Damenwäsche-Träger, Drag-Queens und Drag-Kings, Butches, TransMänner.“ Mal abgesehen davon, dass ich wohl eine Bildungslücke zugeben muss, denn jeden Begriff könnte ich nicht eindeutig definieren, scheint mir, dass vor allem in den folgenden Abschnitten hier die Interessenlage der einzelnen Gruppierungen zu wenig Beachtung findet. Denn genau diese differenzierte Interessenlage ist das eigentlich Problem bei der Herstellung der beabsichtigten „Einheit“. Wer bitteschön soll denn nun der politische Interessenvertreter von beispielsweise Damenwäscheträgern sein? Brauchen sie das überhaupt? Ich wähle bewusst diese genannte Gruppe, weil ich hier aus eigenem Erleben genau weiß, wovon ich rede. Glaubt denn wirklich jemand, dass transsexuelle Menschen nur annähernd gleiche Interessen wie die eindeutig sexuell orientierten Damenwäscheträger haben? Sie eint lediglich der Kampf gegen Diskriminierung, doch das haben sie auch mit den körperlich und geistig Behinderten oder ethnischen Minderheiten gemeinsam. Solche Betrachtungen lassen sich durchaus, zum Beispiel in Bezug auf Zwitter und Hermaphroditen fortsetzen. Diese Herangehensweise ist mir einfach nicht differenziert genug und lässt den Wunsch nach sachlicher Einschätzung der wirklichen Interessenlage offen.
Gut gefallen haben mir die formulierten Forderungen in Bezug auf das deutsche Transsexuellengesetz (hab allerdings zu wenig Sachkenntnis in der Gesamtheit) und die Kampfansage an die kommerzielle Ausbeutung und Abzocke der Transgender. Und ja, auch staatlich geförderte Forschung muss sich nun endlich verstärkt der Trans-Problematik annehmen. Hier haben wir es. Solche Forderungen lassen sich nur dann wirksam durchsetzen, wenn es entsprechende Interessenvertretungen auf Bundesebene gibt. Und daran mangelt es ja bekanntlich
Mir selbst gehen zum Thema EBVTrans noch viele Gedanken und noch mehr Fragen durch den Kopf. Doch ich will es erst einmal hierbei belassen und so meinen eigene Beitrag zu der einsetzenden öffentlichen Diskussion liefern. Fazit für mich: Die VerfasserInnen des Manifests haben eine Diskussion vom Zaun gebrochen, die in unserem Lande sicher längst fällig war. Dafür muss man (frau) ihnen danken. Ich denke aber, dass der gewählte Weg zu weit und an den realen Möglichkeiten vorbei geht. Schauen wir uns doch erst einmal im eigenen Lande um, schaffen der Idee entsprechende Landesverbände und koordinieren diese durch einen Bundesverband, wie immer er auch heißen mag und welche Klientel er immer ansprechen soll. Das ist inhaltliche und theoretische Arbeit genug. Halten wir engen Kontakt zu unseren Schwestern und Schwesterinnen in Europa und anderswo. Doch machen wir zuerst mal unsere eigenen Hausaufgaben und kümmern uns dann um die der Anderen. Denn wenn sich zwei oder drei oder gar zehn Schwache zusammentun ergibt das nicht zwangsläufig einen Starken. Das hat meine Oma immer gesagt und sie hatte wohl recht damit.
Und dennoch, wir sollten uns alle ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen. Ich denke das war längst fällig!
Ich wünsche Euch eine angenehme Woche!
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Charis hat am 30.07.2001 dazu geschrieben:
Ach ja, liebe Sabine,
aber ohne Visionen haetten wir garantiert auch keine Gluehbirne, kein Telefon, kein was weiss ich sonst noch alles ....
ob Gaertnergeselle oder Zauberlehrling .... ob die Pole abschmelzen oder die Palem doch besser ein Glashaus brauchen ...
AN-DENKEN ( glaube ich ) muss frau Noetiges einfach irgendwann mal .... IRGENDJEFRAUD muss doch wenigstens mal eine Vision in die Welt setzen .....
Wer haette vor 40 oder gar 50 Jahren an einen LSVD oder an einBiNe gedacht oder an ein Gesetz zur Eintrag-Partnerschaft ? oder an einen Voelklinger Kreis offen schwuler Manager .... an was weiss ich so alles im Queer-Bereich ....
Die ersten Mails, die reagierten, erbosen sich durchwegs ueber diese und jene Formulierung (natuerlich OHNE eine bessere vorzuschlagen), nennen die Idee rundweg unnoetigen und/oder unrealistischen Quatsch (natuerlich OHNE zu sagen weshalb -- und was der Schaden dabei waere oder sein koennte und was ggf. den an-gedachten NUTZEN denn besser, einfacher, sinnvoller erreichen koennte ...) -- aber das kennen wir ja alle derzeit bestens von Stammtisch-Tribun Stoiber und Konsorten in Bezug auf die Eintrag-"Ehe" ....
Natuerlich ist es eine VISION, schon allein fuer Deutschland ( als Orts-Kennerin sage ich sogar "schon allein mal fuer Muenchen") .... aber die Sinnhaftigkeit und die Nuetzlichkeit scheint MIR nicht von der Hand zu weisen ....
und es widerstrebt mir z.B. auch, dass in wenig ausgeleuchteten Winkeln der Polit-Kulissen ein paar sehr wenige "Aktivisten/Innen" die (unabdinglich dringenden) Aenderungen am TSG unter Ausschluss der breiteren TransGender-Oeffentlichkeit ausbaldovern .... AUCH solchem sollte m.E. fuer eine (visionaere?) Zulunft vorgebaut /vorgebeugt werden ....
Uebrigens: So besonders "geschlossen" visioniere ich eine regionale, deutsche, gar europäische TG-Community" ganz und gar nicht .... geregelter Info-Austausch, Kontakt-Netz, von- und uebereinander wissen, von- und miteinander lernen und vor allem auch mal sich gemeinsam ERLEBEN ( also auch mal gemeinsam aktiv werden, siehe zuletzt Bi-Europa-Konfernz in Rotterdam) -- ob nun "Verbuendete" oder nur "Durch Aehnlichkeiten in den Interessen bereichsweise gleichgepolte" oder sowas irgendwie .... (Du siehst, dass ich alles ziemlich locker, offen, gestaltbar sehe, absolut nicht so verbissen ("doktrinaer") wie leider weite Kreise der deutschen TG-Szenerie .....
Klar muessen Strukturen von unten wachsen ( Palmen bekommen Saft nur aus ihren Wurzeln) ... und ich z.B. hoffe, dass es z.B. in Muenchen gelingt, Strukturen wenigstens in eine Art von "Abstimmung" zu bringen .... obwohl ich natuerlich weiss, wie sehr da immer wieder PERSONEN mit ganz ureigensten Interessen oder auch Des-Interessen querstehen ....
SCHOEN waer es einfach, wenn nun (anstatt schon wieder die Motorsaege zu starten) diese und jene von uns am allerersten undifferenzierten, unvollstaendigen Basis-Text, der nichts weiter alss den Denkanstoss geben soll (anders als per Text kann eine Idee/Vision ja auch heute noch nicht verbreitet werden, oder ?) WEITER-texten koennte ..... KORREKTUREN ebenso wie vor allem Ergaenzungen, Praezisierungen etc. .... -- um im bild zu bleiben: Diese und jene aus "unseren Kreisen" traegt einen Palmwedel bei .... -- es kann (und soll und darf und wird) nicht Sache einer Charis Berger sein, einen breiter tragbaren Text zu "erdenken" --- solch ein "Text" muss WACHSEN aus einer VIELZAHL an Gedanken einer VIELZAHL von etwas uebers Ich hinausdenkenden TransGender -- gern uebernehme ich die "Redaktion" (Zusammenfuegen von Text-Vorschlaegen, Korrekturen usw und deren laufende Praesentation zur Diskussion), aber ich kann und will nicht "Paebstin" spielen und das TG-Credo verfassen ....
Ja ! Gerade die WEITERFUEHRENDE AUSEINANDERSETZUNG mit dem Thema ist es, die anzustossen ich hoffe ...
Dies allerdings drueckt sich nicht aus, wenn als erste Reaktionen solche Mails kommen: "Nach dem ersten Ueberfliegen der "Erlaerung" sind mir schon extreme Dinge aufgefallen, die in keinster Weise meine Unterstuetzung finden werden." -- Basta ! abschmettern, draufhauen -- destruktiv, undifferenziert, unpraezis, un-konkret, mit keiner Silbe konkret korrigierend oder ergaenzend, damit also weiterfuehrend, einfach nur Stempel drauf "uebelst" -- ein bisserl gar einfach, oder nicht ?
Tja, das also noch als Nachklapp zur Visionshaftigkeit eines Gedankens ...
Liebe Gruesse:
Charis Berger
