... und da ist es wieder mal passiert. Der Strato-Post-Server will heute einfach keine Abeit mehr tun. Ihr werdet also zum ersten mal die Wochenmail verspätet erhalten. Ich bin nicht schuld – schuld sind sowieso immer die Anderen....
Guten Abend liebe Freundinnen und Freunde,
es ist wieder mal spät geworden, doch ich bin so fast mitten im Umzug in meine neue Wohnung und da muss man (frau eigentlich weniger) auch mal am heiligen arbeitsfreien Sonntag arbeiten. Aber ich hab ja gute Freunde und .-Innen, da ist die Arbeit schneller geschafft und Spaß macht es zudem. Und so sind heute zwei eigentliche Transen, ganz als Kerle agierend den lieben langen Tag am Boden rumgekrochen um Laminat zu verlegen. Mit der körperlichen Arbeit ist das bei mir so eine Sache, ich habe eben erst mal eine schöne halbe Stunde in der heißen Wanne verbracht, damit ich morgen den Tag auch wirklich aufrecht überstehe.
Überhaupt habe ich mich in dieser Woche nur gelegentlich, und dann nur ganz privat meinem Bedürfnis der Verwandlung hingegeben. Zum „Herrentag“ wollte ich „Herr“ sein und am Wochenende wollte ich (zumindest in der Öffentlichkeit) nicht Frau sein. Keine Angst, ich bin weit davon entfernt, mein ach so geliebtes Hobby aufzugeben. Doch einige Probleme mit meinem Outfit habe ich schon. Ich denke, dass ich noch etwas mehr für meine Garderobe tun sollte – habe im Moment ein echtes Stilproblem. Auf der einen Seite mag ich mehr bürgerliche schlichte Kleidung und auf der anderen Seite mehren sich die KritikerInnen, die mir zu mehr Pep und Extravaganz raten. Ich gebe zu, ich bin ein wenig verwirrt. Natürlich will ich auch gefallen. Doch vor allem aber, will ich mich so geben, wie ich bin. Ein Konflikt? Ich weiß und hoffe mal nicht.
Die nächsten Wochen der TransSisters werden ziemlich ereignisreich. Wohl konnte für eine gemeinsame Pfingstveranstaltung noch keine Einigkeit erzielt werden, doch dann geht’s los. Am 17. und 18.6. ist das Motzstraßenfest, da sind wir natürlich dabei. In der Woche darauf folgt der CSD, ich (und auch einige andere) geh auf jeden Fall zur Demo und am Abend sicher zu einer der angesagten Partys. Zwei Wochen später ist dann die Love Parade (richtig geschrieben?), das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber meine schon, also hab ich an diesem Tage auch eine Verabredung. Ich bin sicher, dass ich dort nicht allein hingehen muss.
Der hoffentlich heiße Sommer findet dann sein Ende mit unserer Sommerparty – so wie es aussieht, am zweiten Septemberwochenende. Wir suchen allerdings noch immer einen geeigneten Veranstaltungsort, vielleicht hat ja einer von Euch einen Geheimtipp. Ich würde mich über einen entsprechenden Vorschlag freuen.
Doch vorher freue ich heute mich auf Bett. Darin werde ich den Schlaf der gerechten, am Wochenende arbeitenden Menschen schlafen und morgen hoffentlich fitt für das Alltagsgeschäft sein. Und genau das wünsche ich Euch auch.
Also denn, bis zur nächsten Woche
Eure Sabine
Guten Tag liebe Transsisters und Freunde,
wieder eine Woche vorbei, doch nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe und trotzdem bin ich ganz zufrieden. Wie bereits erzählt, stecke ich mitten im Umzug in meine neue Wohnung, will dort noch so einiges herrichten und habe so jeden Tag (leider auch jeden Tag am Wochenende) so richtig gut zu tun.
Nur, mit der körperlichen Arbeit ist das bei mir so eine Sache. Nicht, dass ich etwa zwei linke Hände hätte. Nein. Aber ich bin ein bisschen aus dem Training und wenn der „Kopfarbeiter“ dann mit körperlicher Arbeit anfängt, dann gibt schon mal einen ordentlichen Muskelkater und (was noch viel schlimmer ist) Schwielen, nein eher Blasen, an den Händen. Und so sitze ich hier heute „kreuzlahm“ und werde wohl mein Vorhaben am Abend zur Abba-Fete in die Kalkscheune zu gehen, aufgeben. Ich wäre sicher kein begeisternder Anblick für meine Umwelt. Und was viel wichtiger ist, ich bin auch nicht unbedingt auf aufwendiges Outfit aus – diese Ackerei tötet die Dame in mir. Und so werd ich wohl nur einfach so im Kleidchen auf meinem Sofa sitzen, ein Buch lesen und sicher zeitig zu Bett gehen, damit ich dann morgen wieder fitt fürs handwerkliche bin. Nun ja, in spätestens zwei Wochen ist die ganze Angelegenheit hoffentlich vergessen, dann bin ich wieder auf der Piste. Und die Sache hat auch was Gutes, mein Bäuchlein bekommt ordentlich eins auf die Mütze und wird sich hoffentlich verkrümeln. Der Gedanke daran hält mich echt bei der Stange.
Natürlich bin ich nicht ohne Kontakt zu den TransSisters – das geht ja auch gar nicht, denn so manche hat schon selbst in meiner Wohnung Hand angelegt. Wenn Ihr wüsstet, was Transen (ja doch!! - Transgender) so alles werkeln können! Es ist versprochen, den besonders handwerklichen Helfern unter Euch, wird eine gesonderte Kolumne gewidmet. Und wer da noch rein will, kann ja mal nachfragen, ob ich noch Hilfe beim Umzug brauche. Ich werde beschämt alle Angebote dankend annehmen. Mal ohne Quatsch: Ich bin schon jetzt dankbar für soviel Hilfe und Unterstützung. Es ist eine tolle Sache, Freunde und zugleich Freundinnen zu haben, auf die man in jeder Situation zählen kann. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Nicht, dass ich vor meinem zweiten Leben keine Freunde hatte, doch die Zuwendung der TransSisters berührt mich schon sehr.
Genug gelabert! Heute hab ich eine wichtige und interessante Mail bekommen. Der Wigstöckel 2000 findet am 2. September ab 19 Uhr im BKA-Luftschloss unter den Linden statt. Ich find die Sache so wichtig, dass ich hier mal kurz den Wortlaut wiedergebe:
„Berlin, 03.06.2K
Liebe Freunde von Wigstöckel, liebe Menschen,
sicherlich habt Ihr schon gehört oder gelesen, dass auch dieses Jahr
Wigstöckel fleißig arbeitet und ein Event für alle Transgender und Freunde
veranstaltet.
Wigstöckel 2000 findet am 2. September ab 19 Uhr im BKA-Luftschloss unter den Linden statt. Karten gibt es im Vorverkauf für 20 DM an allen Theaterkassen der Welt.
Auf diesem Event gibt es dieses Jahr neben der Show, Theater und Disco einen
"Walk of Fame" (Gedenkgang für verstorbene Transgender-Ikonen), die beliebte
Open Stage (Everybody is a Star) und ein Informations-Forum, den sogenannten
"Markt der Möglichkeiten". Der Markt der Möglichkeiten bietet allen Transgender-Gruppen, Vereinen, Personen und Vereinigungen aus Berlin und dem Bundesgebiet die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit mit einem Info-Tisch im Eingangsbereich auf dem Event Wigstöckel 2000 zu präsentieren.
Es wäre schön, hierfür auch Euer/Dein Interesse gewinnen zu können. Alle Interessierten werden zu einem Treffen/Gespräch eingeladen. Der Termin für dieses Treffen wird frühzeitig bekanntgegeben.
Bitte meldet Euch per email, Fax, Brief oder Buschtrommel bis spätestens 25.06. zurück, ob Ihr generelles Interesse an einer Teilnahme habt.
Mit netten Grüssen
Für das Vorbereitungsteam Wigstöckel 2000:
Chou-Chou de Briquette, Camelia Light und Mrs. Gaby Tupper
(Arbeitsgruppe Gesamt-Konzept)“
Was soll ich dazu noch sagen? Ich hab auf jeden Fall mal unser Interesse angemeldet und die Vorstellung einen eigenen Infotisch zu haben gefällt mir auch. Ich hoffe mal, dass ich damit Eure Meinung getroffen habe. Eure Mitarbeit wäre also gefragt. Hat jemand Lust, die Sache in die Hand zu nehmen? Ihr könnt ja mal ein Signal geben.
So, und weil wir gerade dabei sind, noch eine Idee. Wie wäre es, wenn wir ein kleines „Programmteam“ bilden würden, das regelmäßig Terminvorschläge macht. Sicher, seit unsere Freundin Mania die Terminseite betreut, ist (besonders in letzter Zeit) so allerhand im Angebot. Doch die Kommunikationsschiene klappt noch immer nicht so richtig. So manche von uns hat schon wegen einer Informationslücke einen interessanten Termin verpasst. Ich weiß zwar noch nicht, wie die Sache logistisch in den Griff zu kriegen ist, denke aber, dass an dieser Stelle echter Handlungsbedarf besteht. Bitte, macht Euch mal Gedanken, vielleicht fällt Euch ja etwas ein.
Mir fällt jetzt nur noch ein, dass es für meinen Rücken wohl besser sein wird, wenn ich mich in die Horizontale begebe. Und mein Whiskyglas werde ich mitnehmen – das ist die angenehmste Medizin, die mir im Moment einfällt.
Bis zur nächsten Woche also
Viele liebe Grüße
Sabine
Sabine@TransSisters.de
Gerade geschrieben.... und nun hab ich doch noch was vor. Aber nur ganz klein. Sitzen auf dem Balkon. Einfach nur quatschen, alles ohne Aufwand und Stress und trotzdem fitt für den nächsten Tag (so hoffe ich). Ja ja die lieben FreundInnen... Schön, dass sie da sind.
Guten Tag leibe Freundinnen und Freunde,
... gestern endlich umgezogen – unendliches Chaos und darin Gott sei Dank liebe Freundinnen, heute schnell die Telephonie notdürftig installiert und nun endlich wieder online. Hätte mich gestern jemand gefragt, wann die nächste Wochenmail erscheint, ich hätte sicher auf den nächsten Monat verwiesen. Doch heute Morgen sah die Welt schon wieder freundlicher aus und ich hab immerhin schon einen Plan, wie ich ein wenig Ordnung und Übersicht in den Laden bringe.
Doch zunächst und hier ein Lobgesang auf meine Freundinnen, die mich in den letzten Tagen unendlich und ohne Limit unterstützt haben. Mit diesen „Powerfrauen“ könnte man gut eine Bau- und Umzugsfirma gründen. Es sind nicht nur alle Gewerke vertreten, die Damen sehen auch ganz gut im Blaumann aus und können die Ärmel so richtig hochkrempeln. Da waren also (in alphabetischer Reihenfolge)
Alice: Transportarbeiten
Andrea: Fußbodenarbeiten (Laminat) und technische Beratung
Detlef: (hat keinen Mädchennamen – eigentlich schade) Beschaffung von Transportmitteln
Silvia: Transportarbeiten und operative Beschaffung von Transportbehältern
Tina: Werkzeugbeschaffung, Transport und technische Beratung
Yvonne: (hat keinen Männernamen – Gott sei Dank!) Pflanzarbeiten (schönster Balkon der Straße), Malerarbeiten, Innenausstattung und Transportarbeiten.
Ich sage Euch, eigentlich hätte ich gar nichts tun brauchen, die waren alle so flott, dass ich Mühe hatte, wenigstens einen guten Eindruck zu hinterlassen. Also, liebe Welt (das ist in der Tat so gemeint, denn der weiteste Empfänger dieser Mail befindet sich in Russland), wenn mal jemand vor hat umzuziehen, kann ich dieses Team nur empfehlen! Und noch einmal Danke, dass Ihr mir so geholfen habt und Danke auch an diejenigen, die ihre Hilfe angeboten haben, bei denen es aber aus terminlichen Gründen nicht geklappt hat.
Die absoluten Steher aus meiner Umzugscrew sind dann gestern noch auf dem traditionellen Motzstraßenfest gewesen. Viel hab ich davon noch nicht gehört, es soll aber (wie immer) ganz witzig gewesen sein. Ich war aus sicher verständlichen Gründen nicht dabei.
Dabei bin ich aber dann in der nächsten Woche, denn da ist dann der Berliner CSD. Allgemeiner Treffpunkt der TransSisters wird das Knemo in der Kneesebeckstraße sein. Wir treffen uns dort gegen 12:00 Uhr bei einem Drink und werden uns dann sicher in den bunten Zug einreihen. Wer also Lust hat, kann ja mitkommen. Ich würde mich freuen, wenn ich möglichst viele TransSisters dort treffen würde.
So liebe TransSisters, Freundinnen und Freunde. Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Ich krame jetzt noch ein wenig in meinen Kisten – vielleicht find ich ja doch noch ein frisches Höschen und ein Paar Socken, die nach Bergfrühling riechen – und dann bin ich noch zum Grillen verabredet. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche und angenehme Woche!
Viele liebe Grüße (und in Dankbarkeit an meine HelferInnen)
Sabine
19. Juni 2000
Hallo liebe Freundinnen und Freunde,
.. da ist mir doch wirklich ein absolut peinlicher Fehler unterlaufen –
hab ich doch eine der UmzugshelferInnen bei meiner Auflistung
vergessen! Hoffentlich nimmt sie mir ab, dass das kein böser Wille war.
Also da war ja auch noch:
Regina: Elektroarbeiten unter schwierigsten, spannungsreichen Bedingungen.
Gerade höre ich in der Küche meine Waschmaschine rumpeln und freue
mich, dass der Computer nicht ausgegangen ist. Als Abbitte, an Dich
liebe Regina, verspreche ich, dass ich fortan immer, wenn ich die
Waschmaschine oder den Geschirrspüler einschalte, einen ganz kleinen
Moment an Dich denken werde.
So, und nun ist das Powerteam wirklich komplett.
Am nächsten Sonntag werde ich dann vom CSD in Berlin berichten – ich
bin schon ganz aufgeregt und hoffe es sind möglichst viele TransSisters
dabei.
Bis also hoffentlich bald und
viele liebe Grüße
Sabine
Guten Abend liebe Freundinnen und Freunde,
nach einer im wahrsten Sinne des Wortes heißen Woche habe ich dann doch trotz schlechten Wetters auch noch ein sinnbildlich heißes Wochenende erlebt. Es ist heute der Tag Eins nach dem CSD und nun auch der Tag an dem auf einem der traditionellen Familienfeste über die abartige Subkultur hergezogen wird. Ich kann es nicht ändern, die beiden Termine liegen nun einmal dicht beieinander und ich mag den Jubilar zu sehr, als dass ich mich mit der ganzen Geburtstagsgesellschaft anlegen würde. Das ist, so glaube ich, auch ein Generationsproblem. Menschen, die im Bewusstsein des Paragraphen 175 (StGb) und zudem in allgemeiner gesellschaftlicher Verklemmtheit groß geworden sind, können wohl nicht voll realisieren, was an einem solchen Tag wirklich abläuft.
Ich jedenfalls, war mit den TransSisters von Anfang an dabei. Nicht alle haben die ganze Wegstrecke geschafft – aber begeistert waren sie allemal. Es scheint sicher, im nächsten Jahr sind wir mit einem eigenen Wagen dabei. Das ganze hat zwei Vorteile: Erstens haben wir eine deutlichere Präsenz und Zweitens brauchen wir nicht den ganzen Weg zu laufen. Obwohl nur gut 8 Kilometer zu bewältigen waren, war ich nach reichlich 7 Stunden trotz vermeintlich bequemer Pumps ziemlich fußlahm und habe dann jede sich bietende Gelegenheit zum sitzen genutzt. Übrigens da bin ich schon bei meinem schönsten Plakat, das eine Mitstreiterin von uns getragen hat. Darauf stand: „Tragt mehr Pumps“! Muss man dem noch etwas hinzufügen? Diese drei Worte sind doch Losung und Programm zugleich!
Der absolut krasse Gegensatz zu meinen Trittchen war ein Typ mit sage und schreibe 37(!!!) Zentimetern Gesamtabsatzhöhe. Wir haben im Nachhinein bei einem Burger in einem der wohl bekannten Schnellrestaurants ein paar Worte geplauscht. Der Bursche hatte Stehvermögen, im wahrsten Sinne des Wortes. Er war mit seinem Freund unterwegs und wurde nach eigenen Angaben mindestens 1000 mal fotografiert. Nun ja, wenn man bereit ist einen solchen Preis dafür zu bezahlen ist das angemessen.
Begeisternd und angenehm für mich, war die bunte Mischung zwischen Schwulen, Lesben und solchen Typen, wie uns auf der einen Seite und einfach nur sympathisierenden und natürlich auch gaffenden Menschen auf der anderen Seite. Insbesondere mit den Gaffern hatte ich kein Problem. Auch wer nur gafft, setzt sich, wenn auch nicht ganz vorurteilsfrei, mit der Problematik auseinander, ist doch bereit eine Information aufzunehmen. Wer sympathisiert, ist informiert, vielleicht auch aktiv engagiert, oder wenigstens offen für andere Auffassungen. Dennoch, erstaunlich wie wenig Transparenz das Leben der Transgender (hier Transsexuelle und Transvestiten) in der Öffentlichkeit hat. Gemeinsam mit Silvia hatte ich ein langes Gespräch mit ein paar jungen Frauen (Mädchen?), die unser Schwulsein ganz akzeptabel und normal fanden. Männer, die Frauenkleider tragen sind automatisch schwul. Ich befürchte, dass sie so richtig nicht begriffen, was so wirklich in unseren Köpfen abgeht. Nun, eine Party von diesem Ausmaß ist sicher nicht dazu angetan, solche Fragen im Detail und nachhaltig zu klären, doch eine Gelegenheit, an solchen Verständlichkeiten zu arbeiten ist der CSD allemal. Schwule und Lesben haben seit geraumer Zeit in dieser Welt eine Lobby und diese ist schwer erkämpft. Wir Transgender, mit unserer sicher nicht alltäglichen Veranlagung (ich komme auf diesen Begriff zurück) stehen mit unserem Drang nach undiskriminierter Verwirklichung und Identität den Schwulen und Lesben inhaltlich näher, als jeder anderen Gruppierung gesellschaftlicher Außenseiter. Und genau deshalb gehören wir auf einen solchen Event. Nur, wir müssen selbst etwas für unser Außenverständnis tun. Schön, dass sich eine deutliche Masse der anwesenden TransSisters für einen eigenen Auftritt beim nächsten CSD entschieden hat - eine gute Gelegenheit zur Selbstdarstellung.
CSD insgesamt: Eine tolle Party, viel Spaß, tolle Leute und neue Nachdenklichkeit. Ein fester Termin in meiner Jahresplanung.
Wie sollte es auch anders sein, der Tag fand seinen Abschluss im Knemo. Ein Wein oder eine Bowle getrunken, getanzt und geschwatzt. Anna, relativ neu bei uns, hat mit mir über ihre Sicht auf unser Leben gesprochen. Das, was ich oben noch als Veranlagung bezeichnet habe, erkennt sie als Begabung. Begabung, so wie man Klavier spielt oder singen kann? Ein ungewohnter Gedanke. Doch unter dem Gesichtspunkt des Bruchs mit versteinerten gesellschaftlichen Normen und des Umgangs mit den eigenen Gefühlen kann ich mich mit dieser Begrifflichkeit schon eher anfreunden. „Jungen dürfen nicht weinen“ – doch muss ich um zu weinen unbedingt Pumps anziehen? Sicher nicht. Hab ich aber die Pumps an (hier als Sinnbild für all die vermeintlich typisch weiblichen Kleidungsstücke, die ich besonders mag), dann vollzieht sich auch bei mir eine Veränderung der inneren Gefühlswelt. Diese Veränderung ist schwer greifbar, doch sie macht mein Leben reicher. Ja, warum soll ich diesen Vorgang nicht als Begabung begreifen? Ich denke, Anna hat Recht.
Und Recht hat auch die unbekannte Transe auf der gestrigen CSD Party. Ich rate Euch daher: Tragt mehr Pumps!
Viele liebe Grüße
Sabine
