Wochenmail vom 05.03.2000

Guten Tag die Damen und die Herren,

...da hab ich ja noch ein Problem. Ich bin immer noch nicht sicher, was ich denn nun zur heutigen Faschingsparty des „Pour Elle“ anziehen werde. Grundsätzlich schon, doch der Teufel liegt im Detail, insbesondere in den Kleinigkeiten, die mir das Transenleben so angenehm machen. Verstehen kann das sowieso nur, wer die Möglichkeiten dieser äußeren Verwandlung oder gar Angleichung an den inneren Gefühlszustand selbst erlebt. Und so habe ich alle meine „Schätze“ inzwischen in der Wohnung ausgebreitet, etliches anprobiert und bin immer noch unentschlossen. Jedoch diese Qual der Wahl bereitet mir größtes Vergnügen und stimmt mich auf meinen „Auftritt“ ein. Ich brauche dieses Spiel der Möglichkeiten und fühle mich erst dann richtig wohl, wenn mir auch das Kleinste Detail (meistens ist es ja nicht einmal zu sehen) meinem Gefühlszustand entspricht. Und so trete ich dann in die Öffentlichkeit, im Innern stimmig, äußerlich sicher so manches Mal nicht unbedingt passend. Wie auch! Denke ich an meine Töchter, die so manches Jahr gebraucht haben, um ihren eigenen Stil zu finden, dann sei mir doch eingeräumt, dass ich nach erst reichlich einem Jahr Outdoor sicher noch einige Zeit für mich benötigen werde. Wie auch immer, ich liebe dieses Problem und werde es sicher noch lange „pflegen“.
Meine Faschingssaison beschränkt sich in diesem Jahr auf die bereits erwähnte heutige Party und den gestrigen Abend, der so genannten Hausparty, im „Knemo“. Tolle Sache! Der Laden war rappelt voll, irre Typen und die TransSisters (einige) waren mitten drin. Ich hab mich prächtig amüsiert. Und heute ist nun der große „Frauen- und Tunten- Karnevallsball“ des Pour Elle im (weil der eigentliche Laden zu klein) Cafe Keese. Mit dem Begriff „Tunte“ hab ich so mein Definitionsproblem. Lesben hab ich aber schon allerhand kennen gelernt. Die Spanne reicht dabei von der ausgesprochenen „Kampflesbe“ (der militante Teil der Szene) bis hin zu wunderschönen, begehrenswerten Frauen, für die ich gern als lesbische Frau akzeptiert werden würde. Aber: „Ich bin ein Mann!“ Was liegt also näher, als, sich als Lesbe zu verkleiden. Mein „guter Anzug“ sollte sowieso mal wieder ausgetragen werden. Zudem ist der Gedanke an eine Verkleidung in der Verkleidung nicht uninteressant. Ich bin gespannt, wie ich mich fühlen werde. Ich wollte mich schon immer mal als Mann verkleiden!
Themenwechsel. Ich erhalte zunehmend Anfragen zur „Frühlingsparty“ der TransSisters am 25.3.00 im Ambiente, insbesondere Art der Location, Eintrittspreise und Umfang der Veranstaltung. Leider kann ich nicht jede Anfrage ausführlich beantworten, deshalb hier einige Bemerkungen:
Gedanklicher Ansatz dieser Party (wie auch der bereits gelaufenen Neujahrsparty) ist die Schaffung von Öffentlichkeit für die TransSisters und die Transgendergemeinde allgemein und natürlich das Bedürfnis, mit all unseren bekannten und unbekannten Freunden einfach nur zu feiern. Aus diesem Grunde haben wir als Location bewusst eine öffentliche, Nicht- Szenebar, ausgewählt. Wenn wir als „normale“ Menschen akzeptiert werden wollen, dann können wir uns nicht nur im Szene - Milieu bewegen. Das schafft genau die Vorbehalte, die wir eigentlich abbauen wollen. Wir wollen also bewusst die Begegnung mit Menschen suchen, die zunächst offen sind für unsere Lebensweise. Wenn Ihr so wollt, sind wir „die Transen zum Anfassen“. Diese Situation ist zudem nicht ohne Reiz. Das Ambiente ist eine gediegene öffentliche Bar in der City Berlins, als Veranstaltungsort eigentlich mehr ein Zufall und fasst im Maximalfall zirka 120 Gäste. Es bleibt also ein überschaubares Publikum. Bei unserer letzten Veranstaltung (90 gezählte Gäste) waren vielleicht ein drittel Transgender und Ihre Freunde und der Rest einfach Leute, die mit uns feiern und uns kennen lernen wollten. Wenn ich die vielen Mails der letzten Tage betrachte, vermute ich, dass sich die Zusammensetzung zugunsten der Transgender auf vielleicht 50 Prozent erhöhen wird. Das ist gut so, aber auch ein Zeichen, dass wir für die bereits angedachte „Sommerparty“, wegen des stetig wachsenden Interesses, den Standort wechseln müssen.
Diese Party verfolgt KEIN kommerzielles Interesse! Aus diesem Grunde (und natürlich aus steuerlichen Erwägungen) erheben wir keinen Eintrittspreis. Wohl aber bitten wir jeden Gast um einen Kostenbeitrag von 5 DM. Darin enthalten sind ein Glas Begrüßungssekt, eine kleine kulturelle Einlage und ein paar Schnittchen, die im Verlauf des Abends gereicht werden. Natürlich sind de Kosten damit nicht gedeckt. Da wir jedoch von minimalen Kostenbeiträgen ausgehen, haben wir uns um Sponsoren bemüht, die einige der Kosten übernehmen. Etwaige Überschüsse werden vollständig für weitere Events eingesetzt.
Soviel also zu technischen Teil. Es handelt sich hier also nicht um eine Szeneveranstaltung, sondern um eine Party von und mit Transgender aller Schattierungen. Für Stimmung und angenehme Gespräche könnt nur Ihr selbst sorgen. Ich hoffe, dass ich zu dieser Party alle offenen Fragen damit beantwortet habe.
Natürlich wird es bei den TransSisters auch weiter Veranstaltungen geben, die sich auch in ausgesuchten Szenebereichen bewegen. Das ist gut so und entspricht auch der Struktur und den einzelnen Bedürfnissen. So ist für das kommenden Wochenende für einige mal wieder ein Besuch im KitCat angedacht. Nähere Informationen dazu findet Ihr auf unserer Programmseite.
So, nun wird es aber Zeit. Ich muss mir noch die Haare eindrehen und .. –nein, die Nägel hatte ich ja gestern schon lackiert, die können so bleiben wie sie sind.
So bleiben, wie Ihr seid könnt auch Ihr und will auch ich. Zumindest noch eine Woche lang, bis zur nächsten Wochenmail.
Seid also ganz lieb gegrüßt von

Sabine (die sich heute – zum Fasching - als Mann verkleidet)

Wochenmail vom 12.03.2000

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.. nach fast drei Tagen Dauerregen habe ich gerade einen Sonnenstrahl erspäht und träume vom Frühling, der ja nun Gott sei Dank nicht mehr weit ist. Dieses Wetter schlägt mir ganz schön aufs Gemüt. Und, wenn auch nicht ursächlich, aber wohl auch damit zusammenhängend habe ich mich ein wenig aus dem öffentlichen „Transensein“ zurückgezogen. Es ist schon komisch, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen hab ich dann einfach keine Lust das Haus zu verlassen und fühle mich in der Einsamkeit, oder wie an diesem Wochenende gehabt, Zweisamkeit, am wohlsten. Natürlich angetan mit meinem liebsten „Hauskleid“, aber eben ganz privat. Die Ereignisse der letzten Woche waren auch nicht gerade ermunternd.
Zuerst war meine „Verkleidung“ zum Faschingsball, (Ihr erinnert Euch? Der gute Anzug zum sonst „weiblichen“ Outfit) wohl doch nicht der große Renner – man (frau) hat mir den absoluten „Kerl“ bescheinigt – und genau das wollte ich ja nicht darstellen. Und mein gestriger Besuch beim Frisör, zur Erstellung einer multifunktionalen Frisur, war auch nicht gerade ermunternd. Originalzitat: „Deine Haare werden oben dramatisch dünn“. Ich werd mich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ich bald eine „Mütze“ tragen muss. Allerdings hab ich mir nun endlich auch in das rechte Ohr ein Loch schießen lassen und kann sicher bald mit noch mehr schmückenden Elementen aufwarten. Vielleicht lenkt das ja etwas von meinem schütteren Haarschopf ab. Ich zumindest glaube fest daran. Soviel zu den Alltagsproblemen alternder Transen.
Ungeachtet meiner inneren Befindlichkeiten, die Faschingsparty im Cafe Keese war toll. Der Laden war sicher lange nicht so voll wie an diesem Abend. Die kulturelle Umrahmung war aus meiner Sicht gelungen und die meisten Leute haben sich prächtig amüsiert. Und ich mitten drin, mit meiner nicht gerade gelungenen Kostümierung. Einen Augenblick habe ich den Versuch unternommen, mich selbst schön zu trinken (geht das überhaupt?), musste aber den Versuch aus finanziellen Erwägungen recht bald aufgeben. Ich nage bestimmt nicht am Hungertuch, aber ein Bier für 8 Mark, ist jedes Mal fast ein Paar neue Strümpfe, die die Kehle runter rinnen und dann an geeigneter Stelle in mehrfacher Ausfertigung den Körper verlassen. Die offensichtliche Sinnlosigkeit meines Unterfangens und der Gedanke an eine strumpflose Saison haben dann recht bald zum Abbruch dieses Selbstversuches geführt.
Wie auch immer. Am kommenden Samstag bin ich wieder dabei! Wenngleich mit erkanntem dünneren Haar, aber dafür mit meinen neuen Kreolen. Da ist nämlich „Die schöne Party“ in der „Kalkscheune“ (Infos auf unserer Programmseite). Und in der Woche darauf steigt ja unsere Frühlingsparty, für die ich noch allerhand persönliche Dinge zu klären habe. Dazu gehören solche Fragen wie: Sind die Haare wirklich so dünn, kann ich mir neue Strümpfe noch leisten, was stecke ich denn in die Ohren oder sollte ich für das rückenfreie Kleid noch ein paar Stunden Solarium investieren? Alles wirklich entscheidende und schwerwiegende Fragen, denn eins ist uns allen gemein: Wir wollen die schönsten Frauen (oder so) sein! Oder etwa nicht?
Ich wünsche allen Transen dieser Welt die Bewältigung ihrer entscheidenden Probleme und
verbleibe bis zur nächsten Woche

Eure Sabine

Wochenmail vom 20.03.2000

Einen guten Morgen

wünsche ich den Damen und Herren und auch denen, die ein Problem mit dieser eindeutigen Definition haben.
...nun ist es doch schon nach Mitternacht, also genau betrachtet bereits Montag. Und ich hatte mir so doll vorgenommen, die fällige Arbeit noch am Sonntag zu erledigen. Aber für die Verspätung habe ich gute Gründe.
Meine kleine Transenwelt hatte an diesem Wochenende so einige Ereignisse und auch Überraschungen parat.
Die Überraschung des Wochenendes ist die eigentliche Ursache für diese verspätete Mail. Im „Schwutz“ am Mehringdamm fand heute Abend eine Talk-Runde mit Christa Lilith Vogel, unserer Christa, statt. Eigentlich wollte ich, angesichts einer bevorstehenden anstrengenden Arbeitswoche, nur eine Stunde oder so bleiben, konnte mich dann aber nicht losreißen und bin bis zum Ende der Veranstaltung, gegen 23:15 geblieben. Nur die kleine „Nachfeier“ habe ich mir zugunsten der noch zu schreibenden Mail erspart.
In lockerer Runde hat Christa über Ihren Werdegang als Transgender berichtet, mit zum Teil sehr privaten Erlebnissen und Einsichten. Bemerkenswert für mich: Ich hatte die ganzen langen drei Stunden das Gefühl, Christa ist eine von uns. Sie ist ein gutes Stück Weg zu Ihrer eigenen Identität gegangen und hat dabei, so ganz nebenbei, eine Bresche für alle Transgender geschlagen. Nun war das Publikum an diesem Abend durchgängig wohlgesonnen, doch das ist kein Nachteil. Vielmehr war es dadurch möglich einige, auch schon in unserem Kreis diskutierte Gedanken zu vertiefen.
Die Meisten von uns hatten schon Kontakt mit militanten Transsexuellen, für die es nur klare endgültige Entscheidungen gibt – Mann oder Frau, „Ente oder Trente“. Irgendetwas dazwischen wird verpönt. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft gerade mal mit Mühe den Tatbestand der Transsexualität zur Kenntnis nimmt.
Christa aber, hat in der ihr eigenen Art die wirkliche Vielfalt der Transgender, in ihrem Leben zwischen den gesellschaftlich zugewiesenen Geschlechterrollen, deutlich gemacht. Ihr geht es nicht darum eine Frau oder ein Mann zu sein oder wie sie es ausdrückt „von einem Korsett ins andere zu schlüpfen“ das immer ein Korsett bleibt und die Seele des Trägers einengt. (Anmerkung: der Begriff des Korsetts wird hier Sinnbildlich verwendet, die sicher vielfältigen Vorzüge des gleichnamigen Wäschestücks, sind mir nicht fremd) Es geht also bei der Transgender-Problematik um Identität und ein Leben in dieser Identität. Das kann sicher auch bedeuten, dass eine operative Geschlechtsumwandlung angezeigt ist. Aber es bedeutet eben auch, dass es zwischen den Geschlechterrollen unendlich viele Möglichkeiten der persönlichen Identität und Lebensweise gibt. Genau dafür stehen nach meiner Einsicht die TransSisters. Und Christa gehört dazu. Das hat sie gesagt und glaubhaft vermittelt. Ein lehrreicher, nachdenklicher, amüsanter und angenehmer Abend.
Startpunkt des Wochenendes war die sogenannte „Schöne Party“, am Samstag in Szene gesetzt vom allgemein bekannten Radiosender „Radio Eins“. Ich will es kurz machen, die Veranstaltung war aus meiner Sicht eine ausgemachte Pleite. Und diesmal hatte ich mich wirklich schick gestylt und sogar aus dem Munde meiner schärfsten Kritiker Anerkennung und richtige Komplimente erhalten. Daran hat es also nicht gelegen. Meine Eindrücke könnt Ihr am allerbesten in der nachstehenden Mail an die Macher des Senders nachvollziehen:
Einen schönen Morgen wünsche ich!
... Gestern, am Samstag, war es dann endlich so weit. Die „schöne Party“ sollte kommen und wir waren alle ganz neugierig, wie schön die Party denn nun wirklich sei. Meine Schwestern, und auch ich, hatten das „schöne Kleid“ aus dem Schrank geholt und sich so richtig schön gemacht. Nach weniger erfolgreichem Kampf um „schöne Parkplätze“, haben wir dann reichlich eine „schöne Stunde“ in einer inzwischen längst vergessen geglaubten Wartegemeinschaft verbracht. Es war nicht schwer, festzustellen, dass Eure gepriesene „schöne Party“ hoffnungslos überbucht und der Veranstalter ebenso hoffnungslos mit dem wartenden Publikum überfordert war.
Die Meisten von uns haben ihre Karten dann mit klammen Fingen und „schöner Wut“ im Bauch verkauft und sind an Orte gezogen, wo wir immer sind. Nur zwei haben in der Schlange ausgeharrt, wurden auch eingelassen, haben aber nach einer Stunde die „schöne Party“ wieder verlassen. Da war dann wieder Platz für zwei Wartende vor der Tür. Ein wenig „schöner Abend“!
Schade eigentlich, denn eine professionelle Party hätte so schön zu Eurem professionellen Radio gepasst!
Wenn Ihr also wissen wollt, wer nicht auf der „schönen Party“ war, dann könnt Ihr Euch unter www.TransSisters.de mal umschauen.
Übrigens, auch wir feiern eine Party, unsere „Frühlingsparty“ am 25.3.00 im „Ambiente“ am Kurfürstendamm 133. Nicht ganz so groß wie die Eure, doch tun wir dort genau das, was wir auch auf der „schönen Party“ wollten: Unsere „schönen Kleider“ tragen, tanzen, quatschen und einen offenen Kontakt zwischen Transgender und den Menschen herstellen, die eben nicht so sind, wie wir. In diesem Zusammenhang möchte ich Euch herzlich zu unserer Party einladen – und bringt Eure Freunde und Freundinnen am besten gleich mit. Das wird bestimmt eine schöne Party!.....“

Ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Was gäbe es denn auch noch zu sagen. Nur so viel, wir haben doch noch gefeiert, unsere Kleider beim tanzen geschwungen und gequatscht. Nur eben die Kontakte zu anderen Menschen waren ein wenig spärlicher. Nun ja, das holen wir dann am nächsten Wochenende nach und ich hoffe, es sind möglichst viele von Euch dabei.

Bis Samstag also
Eure Sabine

Wochenmail vom 26.03.2000

Ich wünsch allen TransSisters und ihren Freunden eine guten Tag,

und es ist ein guter Tag, denn es ist der Tag nach unserer Frühlingsparty. Unabhängig von der Draufsicht und den Erwartungen jedes einzelnen war unsere Party ein großer, oder eben doch zumindest ein Erfolg. Einige fotografische Impressionen könnt Ihr sicher in den nächsten Tagen auf unserer HP im Zweig „TransSisters“ abrufen.
Die Party war gut besucht, mit 76 zahlenden Gästen geringfügig unterhalb der Besucherzahl der „Neujahrsparty“, darunter deutlich über 30 Transgender – mehr, als beim letzten Mal. Dabei auch „Debütantinnen“, die das sich erste Mal aus der häuslichen Einsamkeit heraus getraut haben. Interessant für mich, dass einige Gäste den Weg über mehrere Hundert Kilometer nicht gescheut haben, nur um dabei zu sein. Neu an dieser Veranstaltung war der wohl gelungene Versuch mit einem kleinen Quiz die Veranstaltung aufzulockern, leider hatte es mit der kulturellen Umrahmung nicht geklappt – doch wir haben ja noch Steigerungsmöglichkeiten.
Bedanken möchte ich mich auf diesem Wege bei unseren Sponsoren, die die Veranstaltung materiell abgesichert haben. Und bedanken möchte ich mich bei den TransSisters, die in liebevoller und zum Teil sehr aufwendiger Weise diese Party überhaut erst möglich gemacht haben. Ganz vorn in dieser hier unvollständigen Liste stehen: Silvia, die zuverlässigste aller Einlasserinnen, Alice und Beatrice, die den Quiz vorbereitet haben und unsere Yvonne, die die wirklich originellen Preise kreiert und zum Teil beschafft hat. So viele zum statistischen und offiziellen Teil.
Es ist wohl der unterschiedliche Anspruch an die Institution „Party“, der die gestrige Veranstaltung dennoch differenziert erscheinen lässt. Wer gekommen war, um Leute  zu treffen und mit ihnen zu quatschen, zu lachen, sich auf diese Weise zu amüsieren und das alles in seinem schönsten Kleid zu tun, der ist an diesem Abend voll auf seine Kosten gekommen. Wer ausschließlich zu den gediegenen Rhythmen der angekündigten „Siebziger“ tanzen und s.g. „high live“ erleben wollte, war wohl doch nicht so befriedigt. Dafür ist das „Ambiente“ nicht geeignet, schon allein durch die behördlich verordnete Begrenzung des Geräuschpegels im Erdgeschoss eines Wohnhauses. Es ist wohl immer ein Spagat, allen Wünschen und Ambitionen Rechnung zu tragen. Wer kennt das nicht aus aktuellen oder vergangenen Diskozeiten: Wo zu toller Musik getanzt wird, kann man nicht quatschen und wo man quatscht, ist die Musik zum Tanzen schlecht positioniert. Und so war dann gegen 3 Uhr morgens ein bisschen die Luft raus aus der Party und ein wichtiger Teil der TransSisters hatte sich nach einem symbolischen „genug gequatscht“ zum Tanz in Knemo begeben. Das war auch ok so, ist doch das Knemo seit einiger Zeit die letzte Station unserer Ausflüge in die Welt.
Ich selbst habe mich an diesem Abend mit einer Menge Leute – mit und ohne Fummel – unterhalten. Übereinstimmend wird immer wieder angemerkt, dass eine solche Konstruktion, wie die TransSisters sicher deutschlandweit einmalig ist. Transgender finden sich in fast allen großen Städten zusammen. Die Einen nennen sich Selbsthilfegruppe, die Anderen sind ein Verein. Und wieder Andere treffen sich lose mal in einem Szenelokal oder einer Wohnung. Es wird immer wieder die Frage gestellt, wie eine so große Gruppe, wie wir, so kontinuierlich aktiv sein kann. Nun, wer die innere Struktur der TransSisters und damit die unterschiedlichen Ambitionen und Neigungen ein wenig kennt, weiß dass es oft gar nicht so einfach ist, größere gemeinsame Aktionen auf die Beine zu stellen. Das gelingt nur wenn man nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner aller Interessen sucht und auch akzeptiert, dass die allgemeine Interessenlage auch einer gewissen Dynamik unterliegt. Und unsere gestrige Party war bei allen differenzierten Interessen, ein solcher gemeinsamer kleinster Nenner. Es ist lange nicht so, dass alle aus unserem Kreis miteinander bekannten Transgender (eigentlich nur der Einfachheit halber als TransSisters bezeichnet), ständig in gleicher Zusammensetzung etwas Gemeinsames anstellt. Wenngleich es natürlich einen sogenannten harten Kern gibt, der sich mehr oder weniger regelmäßig trifft.
Eine andere, sehr persönliche Feststellung aus den gestrigen Gesprächen. Dazu muss ich zunächst noch einmal Christa aus der Talk-Runde vom vergangenen Wochenende zitieren. Auf die Frage hin, ob sie denn nun in Ihrer gelebten Identität glücklich sei, bemerkte sie: „.. Ich hab ein Stück von diesem Glück, einen Zipfel ...“. Warum nur ein Stück und von welchem Glück? Es ist wohl (so zumindest für mich) das Streben nach vollständig gelebter Identität und manchmal denke ich, dass genau der Weg das eigentlich Ziel ist – das Ziel ist nicht, oder schwer zu definieren und der Weg ist das Stück von diesem Glück. So manche Gesprächspartnerin hat am gestrigen Abend andere wegen der vermeintlich weitgehenden Klärung ihrer Verhältnisse bewundert. Ich meine, es ist immer nur ein Stück von diesem Glück, mal ein ganz kleines und mal ein etwas größeres. Doch einen Zipfel davon halten wir alle in der Hand und der macht uns zu besonderen, für unser eigenes Ich sensibilisierte Wesen. Diesen Zipfel sollten wir festhalten und nicht leichtfertig loslassen oder gar opfern. Dann nämlich, stehen wir mit leeren Händen da.
Doch die Party hatte auch wahrhaft feurige Momente. Ich war wohl einer der zahlreichen Kerzen zu nahe gekommen und der wunderschöne Puffärmel (Sagt man das so?) meines wunderschönen Kleides hat doch tatsächlich Feuer gefangen. Nun ist er hin und das Kleid damit vermutlich auch. Mal sehen, wie die Reparaturversuche ausgehen. An einigen Stellen wurden übrigens schon erste Pläne für eine mögliche Sommerparty diskutiert, allerdings ohne dass schon etwas Konkretes festgelegt wurde. Sicher wird dann eine andere Location favorisiert werden, schon allein um Intensionen von noch mehr Teilnehmern und Gästen zu folgen. Denkbar wäre eine ausgemachte Tanzparty mit dann kultureller Umrahmung und vielleicht einer Modenschau für Transen. Wir werden sehen, was sich davon verwirklichen lässt.
So, liebe Leserin und lieber Leser, das soll es dann auch gewesen sein, mit meinen Impressionen und Gedanken zu unserer Frühlingsparty. Wohlgemerkt meinen Gedanken und diesmal etwas nachdenklich. Ich bin nicht der Chronist der TransSisters, sondern nur ein Teil dieses einmaligen Gebildes. Manchmal gesellig und manchmal zurückgezogen. Manchmal überschäumend und manchmal nachdenklich. Doch immer mit einem Stück von diesem Glück und einem Zipfel, den ich ganz doll festhalte.

Seid also bis zur nächsten Woche ganz lieb gegrüßt
Eure Sabine