Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
... Urlaub ist nun schon den zweiten Tag vorbei und inzwischen bin ich auch wirklich wieder angekommen. Die Dinge des Alltags nehmen so langsam wieder ihren geregelten Ablauf. Ich hatte eine ganze Menge Post im virtuellen Postkasten aber den größten Teil schon abgearbeitet. Interessant die Reaktionen auf die Anfrage von Mathias aus Greifswald. Ich habe die Antworten noch einmal zusammengefasst und direkt an Mathias gesandt und denke, dass er nun einige Möglichkeiten hat. In seinem Namen: Vielen Dank für Eure Reaktionen.
Der Urlaub an der Griechischen Küste war für mich, wider erwarten einen ausgesprochen erholsame Angelegenheit, hatte ich doch befürchtet, mich zu Tode zu langweilen. Doch zum Schluss hat die Zeit gerade gereicht, das nähere Umfeld der Halbinsel Chalkidiki zu erkunden (natürlich überwiegend mit meinen Kindern), ein paar ganz persönliche Gedanken zu Ende zu denken und mich in einige Bücher zu vertiefen, für die ich im Alltagsstress kaum Zeit gefunden hätte. Ich hab es absichtlich vermieden, mich auf nur lose Urlaubsbekanntschaften zu einzulassen, bin lieber ganz allein über einsame Strände gewandert oder habe mich unter (m)einen Olivenbaum in die Geschichte des Pharao Ramses oder die Griechische Mythologie vertieft. Wer sich schon einmal mit den antiken Griechen beschäftigt hat, weiß, dass die Götter nicht zimperlich waren – sie haben gar ihre eigenen Kinder gefressen (Kronos) oder eben mal ganze Landstriche verwüstet. Dagegen liest sich das Alte Testament für mich, wie ein simples Kindermärchen. Viele Geschichte ranken sich um die Griechische Götterwelt, doch Eine erscheint mir ganz besonders bemerkenswert:
Natürlich hatten die gemeinen Menschen auch im antiken Griechenland ein Problem mit den Göttern zu kommunizieren. Diese Verbindung wurde über die Orakel hergestellt. Da die dort von den Göttern ausgesandten Signale nicht so einfach zu interpretieren waren, wurden sie von Mönchen oder sogenannten Sehern gedeutet. Einer der bekanntesten dieser Seher war Teiresias und Teiresias war blind. Seine Blindheit wird in einem Mythos so erklärt: Als er noch jung war, sah er auf einem Berg zwei Schlangen, die sich begatteten. Er störte sie dabei und wurde dafür von den Göttern mit der Verwandlung in eine Frau bestraft. So lebte er (sie) sieben Jahre lang und es begab sich, dass er (sie) wieder zwei Schlangen bei Ihrem Akt behinderte. Die Strafe folgte auf dem Fuße, er wurde wieder verwandelt, dieses Mal in einen Mann (der Bursche wurde einfach nicht schlau aus seinem Tun). Als sich nun die Göttin Hera mit Ihrem Mann Zeus darüber stritt, wer von der Liebe mehr Genuss habe, befragte man Teiresias, der ja als Mann und als Frau gelebt hatte. Dieser antwortete, wenn die Lust zehn Stufen habe, dann erreicht die Frau die neunte und der Mann die erste. Die Göttin Hera erzürnte, weil Teiresias das Geheimnis ihres Geschlechts verraten hatte und blendete ihn. Zeus schenkte ihm dafür die Gabe der Prophezeiung und ein langes Leben.
Ich weiß natürlich nicht um die wirklichen Hintergründe diese Mythos, doch der Inhalt ist interessant und ich stelle mir die Frage, welche Stufe der Lust wohl ein Trans-Mensch erreicht, wenn er sich in die bewusste Verwandlung begibt. Na, was meint Ihr? Das gibt doch viel Spielraum zum träumen! Und jeder von Euch mag selbst entscheiden, ob und wie oft er bereit ist zwei Schlangen bei der Paarung zu stören.......
Die vergangenen entspannten Urlaubswochen waren für mich weitgehend frei vom Bedürfnis, mich weiblich zu kleiden und zu geben. Das mag am Umfeld und den vielen neuen Eindrücken, aber wohl auch den mangelnden Gelegenheiten gelegen haben. Doch angenehm war auch die Rückkehr an den heimischen Kleiderschrank und die damit verbundene genüssliche Auswahl der samstäglichen Abendgarderobe. Dennoch, etwas war anders. Da war der sichere Griff zum für den Abend angemessenen Kostüm und die Routine am Schminkspiegel. Und genau dort habe ich wieder einmal festgestellt, dass ich mich hier nur bemühe, ein Abbild eines inneren Gefühles zu zeichnen, das schwerlich in Stoff und Farbe zu fassen ist. Und doch ist dies die scheinbar einzige Möglichkeit der Ausdrucksweise für eben diese Gefühlswelt. Bleibt zu hoffen, dass sich hier noch viele Varianten und Möglichkeiten der Ausdrucksweise auftun..... Das, nur ein Gedanke am Rande....
Ja, das soll sie nun gewesen sein, die heute einhundertste Wochenmail. Was vor gut zwei Jahren als kleine Termin-Postille an gerade acht oder neun befreundete Transen begonnen hat, erreicht heute weit über einhundert Menschen, vorwiegend in Deutschland aber auch in anderen Ländern bis hin nach Russland. Das Archiv füllt sich immer mehr und gelegentlich wird die eine oder andere Mail in einem Magazin abgedruckt. Ihr konntet über zwei Jahre die Gedanken- und Gefühlswelt der kleinen Transe Sabine verfolgen und habt gelegentlich heftig die Texte kommentiert und diskutiert. Obwohl durchaus statistisch veranlagt, ich habe die sonntäglichen Stunden beim Verfassen und die Zuschriften zu den Wochenmails nicht gezählt. Das liegt mir auch fern. Für mich wurde diese Mail immer mehr ein Medium zur Auseinandersetzung mit mir selbst und mit meiner Umwelt (genau in dieser Reihenfolge). Dass Ihr mich dabei begleitet habt, war mir ein Vergnügen und hat mich geehrt. Genau dafür möchte ich mich bei Euch bedanken, ganz besonders bei meinen Kritikern (sie haben meinen Blick geschärft) und bei denen, die mir aufmunternde Briefe geschrieben haben, wenn ich Euch mit meinen Sorgen und Problemen überhäuft habe. Ich gehe davon aus, dass ich selbst in den letzten zwei Jahren eine ganze Menge Probleme behandelt habe und auch lösen konnte, die für so manche(n) von Euch ähnlich bestanden (bestehen). Sieht man sich die in der Vergangenheit besprochenen Themen an, dann wurden viele für mich wichtige Alltagsthemen in meiner eigenen Entwicklung erörtert. Das reicht von der Begeisterung über den einzigen Berliner Transentreff bis hin zu seiner Ablehnung oder den Wunsch sich unbelastet in der Öffentlichkeit zu zeigen bis hin zu Schilderungen über Theaterbesuche im „Kleinen Schwarzen“ Und doch wurde nur der kleine Ausschnitt „Trans“ und sein engeres Umfeld besprochen. Ich habe aber gelernt, dass wirklich Trans-Sein nicht nur das äußere Bild, sondern vor allem „ganz persönlich sein“ bedeutet und dazu gehören noch viel mehr Themen, als die hier in der Vergangenheit behandelten. Doch wie soll und kann man eine solche thematisch ausgerichtete Textreihe derartig ausdehnen? Und will ich das überhaupt? Ihr habt es sicher in den letzten Monaten gemerkt, so manches mal habe ich mich in der Selbstbeschränkung auf das Hauptthema „Trans“ geübt. Ich will sagen: Ich weiß nicht sicher, was aus dieser Wochenmail wird, denn ich bin selbst an einem Punkt angekommen, der weit komplizierter ist, als der bisher unbändige Drang mich als Trans zu äußern und darzustellen. Ich hatte bisher immer gehofft irgendwo anzukommen, das bin ich inzwischen wohl auch, so manche beneidet mich und genau so viele belächeln mich. Doch am Ziel bin ich noch lange nicht, ich kenne es nicht einmal genau. Vielleicht hat das ja was mit dem oben zitierten Seher Teiresias zu tun. Es wäre doch schön, irgendwann die Stufe zwei, drei oder gar vier zu erreichen und gemeint ist hier nicht die fleischliche Lust allein...
Ich werde natürlich weiter zu unserem Hauptthema berichten und hoffe, Ihr seid mir nicht böse, wenn die gewohnte Regelmäßigkeit nicht immer eingehalten wird.
Auf jeden fall wünsche ich Euch eine angenehme Nacht (vielleicht träumt ja jemand von sich paarenden Schlangen) und eine erfolgreiche Woche.
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
.... das ist als gäbe es dort „ganz oben“ irgendwo einen Schalter, an dem ein Zettel hing, so ungefähr mit dem Text „am 1. September in Mitteleuropa den Sommer abschalten“, dann ist in der Tat jemand daran vorbei gekommen, hat den Schalter umgelegt und nun haben wir überhaupt kein Wetter mehr. Selbst ein ganz normaler Herbst, wäre besser, als das, was hier im Moment passiert. Und so ist der von mir und einigen meiner Freunde lang erwartete „Red Bull Flugtag“ im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen und das schon, bevor der wirklich schnittige Flieger sich in die Lüfte erheben konnte. Die ganze Flügelbespannung durchgeweicht! Die Kiste hat dadurch wenigstens 20 Kilo mehr gewogen und die Aerodynamik war einfach mal im Eimer! Im strömenden Regen haben wir die Einzelteile wieder verladen und hoffen nun auf besseres Flugwetter im nächsten Jahr. Ich war wohl nur das unwichtigste Mitglied der Crew und doch hab ich mich ganz schön geärgert.
Dafür hat sich wenigstens der Samstagabend gelohnt. Nun schon traditionell, findet im ausgehenden Sommer die Berliner Wigstöckel-Party statt, und so auch gestern im BKA-Luftschloss, ganz in der Mitte Berlins. Ich bin mir nicht sicher, was denn an dieser Party an den ursprünglichen Gedanken der legendären New Yorker Veranstaltung erinnert. Doch ich bin ziemlich sicher, dass sich die Masse der Besucher nicht die Bohne dafür interessiert hat, denn geboten wurde von den Organisatoren eine „Transgender-Party“ vom aller-, Allerfeinsten. Die Organisatoren von „Transgender United“ haben aus den Mängeln der Veranstaltung des Vorjahres die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und so mehrere, zeitlich überschaubare Programmblöcke gestaltet. Das Hauptprogramm mit wirklich internationaler Besetzung, von Berlin-Wedding, über New York, Japan, und Brasilien zurück zu Berliner Lokalgrößen hatte für mich, mit wenigen Abstrichen (dazu später), wirklich Varietéreife. Gefallen hat mir, dass Trans nicht das wirkliche Thema der Show war, sondern die Show von Transgendern zelebriert wurde. Endlich einmal eine eindeutige Absage an platt sinnierende Transen mit lauen Witzen und nicht einmal mittelmäßigem Talent. Bitte versteht mich richtig, ich bin schon dafür, dass sich, wer mag, auch mal „open stage“ versucht, doch das sollte vor allem in entsprechendem Rahmen Spaß machen und auch wirklich als Spaß, und weniger als professionelle Kunst verstanden werden.
Es macht jetzt wenig Sinn, jede einzelne Nummer des Abends zu benennen und zu erläutern, gefallen hat mir fast alles. Begeistert haben mich die „Kings of Berlin“, das sind Trans-Frauen, die gern die männliche Rolle spielen, mit ihrer Interpretation einer einschlägigen Boy-Group, allein deshalb, weil diese Seite des TransSeins bisher allgemein viel zu wenig beachtet wurde. Toll die „Geisha Boys“ (mit wirklich traumhaftem Körperbau), der super Tanz der „Black Girls Coalition“ und auch die Trapeznummer eines brasilianischen Trans. Gefallen hat mir auch, dass trotz Partyspaß auch Zeit war für eine kurzen Wortbeitrag von Patricia, einer Frau mit transsexueller Vergangenheit, die sich einfach nur vorgestellt hat und gut war auch der keine Rückblick mit Erinnerung an Berliner Trans-Aktivisten, die inzwischen aus den unterschiedlichsten gründen verstorben sind.
Ein kleines Problem hatte ich schon mit dem Auftritt einer „Theatertruppe“, die sich an einer Macbeth-Adaption versucht haben. Ich habe gerade noch einmal in dem Text geblättert, finde aber wirklich keinen Ansatzpunk für eine auf der Bühne, unter dem Ruf „Liebe ist Kampf“, zu inszenierenden rohen (gut einzusehenden) Vergewaltigung mit reichlich Blut. Sinn oder Unsinn, das ist hier die Frage. Ich will sie nicht beantworten, vielleicht bin ich ja wirklich etwas altmodisch im denken. Die allgemeine Reaktion auf diese Aktion waren zumindest gespalten.
Im Rahmenprogramm des Wigstöckels war wieder der „Markt der Möglichkeiten“ an dem in diesem Jahr immerhin 18 Gruppierungen und Organisationen aus der Quer-Szene teilgenommen haben. Der Stand der TransSisters lag dann doch recht günstig und wurde von so manch Interessierten besucht. Geworben haben wir vor allem für unsere monatlichen Treffs, natürlich für unsere „Sommerparty 2001“, die ja schon am kommenden Samstag stattfindet und ich auch ein wenig für das künftige Trans-Netzwerk in Berlin. Abschließend zum Wigstöckel, ein gelungener Abend und für mich das dringende Vorhaben, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Der Wigstöckel ist für mich und offensichtlich viele Andere die größte Transgenderparty des Jahres. Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt.
Ja und weil wir gerade beim Thema Party sind hier noch einmal ein paar Informationen zur wohl „zweitwichtigsten Party der Saison“, nämlich der Sommerparty der TransSisters. Alles ist vorbereitet, wir üben uns noch in all abendlichen Stoßgebeten mit der Fürbitte um erträgliches Wetter und so manche hat die Einkaufsliste für ihren Büfett- Anteil schon in der Tasche. Auch wir werden an diesem Abend ein buntes Programm bieten, zugesagt hat das Duo „12doubleblue“ und Gäste aus Hannover. Dazu gibt es eine kleine Lesung der Gedichte unserer Freundin Gundula und einige kleine eigene Auftritte aus unserer Gruppe. Ich selbst bin schon fleißig beim Üben der Texte und hoffe, dass mich nicht zum Schluss der Mut verlässt. Ihr seht also, der Abend hält so manche Überraschung bereit. Ratsam ist auf jeden Fall recht zeitig zu erscheinen, denn das sichert ja bekanntermaßen die besten Plätze. Ich freue mich schon, die Eine oder Andere von Euch endlich – oder wieder mal begrüßen zu können.
Das war sie nun, die 101. Wochenmail. Ich will nicht versäumen, mich noch einmal für die lieben Grüße aus Anlass der 100. zu bedanken und verabschiede mich bis zu unserem persönlichen Treffen am Samstag mit einem Zitat aus dem gestrigen Wigstöckel-Programm: „Wem das Wasser bis zum Hals steht, soll den Kopf nicht hängen lassen“. Na das passt doch und zwar in jeder Beziehung!
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
eigentlich sollte ich doch lieber ins Bett gehen, weil noch immer völlig übernächtigt und ein Wenig erkältet zudem, doch es gibt so allerhand zu berichten. Und so will ich mich wenigstens kurz fassen.
Gestern nun war es endlich so weit, die 5. TransSisters-Party ist gestiegen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Diejenigen, die dabei sein konnten und auch schön früher einmal bei uns zu Gast waren, können sicher bestätigen: das war die absolute Spitze – eine runde Sache, von der ersten bis zur letzten Minute.
Doch der Reihe nach. Unsere Partys werden, nun schon im dritten Jahr, mehr oder weniger regelmäßig an unterschiedlichen Orten in der Stadt ausgerichtet. Die Planungs- und Vorbereitungszeiten liegen so bei etwa 3 Monaten, ein so genanntes Partyteam muss sich bilden, der Abstimmungsprozess in der Gruppe braucht so seine Zeit und es sind die üblichen Vorbereitungen zu treffen. Das alles klappt eigentlich inzwischen ganz gut, ist aber dennoch für einzelne von uns recht aufwändig. Um so schöner, dass es der diesmaligen Cheforganisatorin, Andrea (Dankschreiben also an Andrea@TransSisters.de) gelungen ist, alle einzubeziehen. Das kalte Büfett zum Beispiel stammte aus den ganz privaten Küchen von wenigstens 10 unserer Freundinnen, einige haben sich um (fast kostenlose Showeinlagen) bemüht, andere haben selbst kleine Auftritte geplant und auch realisiert und und und.
In einer solchen Situation wurden wir, wie wohl die ganze Welt, von den Ereignissen in den USA überrascht. Bestürzung und Ratlosigkeit machte sich breit. Wie überall in Deutschland, wurden auch in Berlin öffentliche Veranstaltungen abgesagt und mehrfach der Arbeitstag mit Schweigeminuten unterbrochen. Klar, dass auch unter uns heftig und kontrovers diskutiert wurde, ob es denn nun angezeigt sei, in einer solchen Situation eine derartige öffentlich Party stattfinden zu lassen.
Letztlich überzeugt, für die Party zu plädieren hat mich der New Yorker Bürgermeister, der die Bevölkerung der Stadt aufgefordert hat, dem täglichen Leben nachzugehen, wieder zu joggen, mit den Kindern spazieren zu gehen und all das zu tun, was sie sonst auch tun würden. Daran, so fanden wir (zumindest die meisten von uns), sollten wir uns halten. Gut war auch die Idee, in der Anmoderation ein paar geeignete Worte zu sagen und ja, auch einen Moment im Schweigen zu verharren. Sicher, wir gedenken nie der ungezählten Menschen, die als Opfer der Zivilisation täglich, stündlich ihr Leben lassen. Aber vielleicht hat uns diese besondere Situation ja ein wenig sensibilisiert und wir werden es künftig aus Anlass unserer Partys immer tun. Unsere Party hat also stattgefunden und wir haben dennoch nicht vergessen, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, für die unsere Probleme und Sorgen ein Wunschtraum sind. Ich denke, damit war Allen gedient. Denen die durch den Wahnsinn dieser Welt immer noch sterben müssen (weil wir an sie denken – etwas anderes können wir für sie nicht mehr tun) und uns, weil wir weiter leben und das Elend dieser Welt nicht vergessen.
Und so war die Party dann auch nicht das große Feuerwerk, das wäre wirklich unangemessen gewesen, doch es war wohl die gehaltvollste, die wir ja ausgerichtet hatten. Zwei unterschiedliche Duos (erst 12doubleblue aus Berlin, dann Ricarda und Carmen aus Hannover) haben Musik vom Feinsten gemacht, unsere Freundin Gundula hat aus ihrem ersten (Trans-) Gedichtband Besinnliches und auch Witziges gelesen, Silvia hat die Zuschauer mit erstaunlichen Zaubertricks verblüfft und letztlich habe ich mich selbst in einer ganz kleinen Adaption an Songs von Marlene Dietrich (Playback mit Mitsingen) versucht. Dazu war ausreichend Zeit zum Tanzen, Schwatzen und für die Vertilgung des mehr als reichlichen Büffets. Ich habe gegen Ende der Veranstaltung nur lobende Worte gehört und bin sicher, dass wir nun einen wirklichen Maßstab für künftige Veranstaltungen haben.
Selbst meine Nummer wurde (zwar verhalten, aber doch) gelobt. Das reichte von „das war ganz prima“ bis hin zur Bemerkung einer lieben Freundin (die immer gute Ratschläge parat hat) „das war doch schon ganz gut, da kann man was draus machen“. Andere haben sich nicht geäußert, wohl um mich nicht zu verletzen – ein relativ großer Bekanntheitsgrad hat auch seine Vorteile. Doch auf all das kam es mir eigentlich gar nicht an. Ich habe in meinem Inneren eine Liste, auf der so allerhand Sachen stehen, die ich alle mal getan haben möchte. Angeregt durch einen Theaterbesuch, habe ich mich schon vor einiger Zeit ein Wenig mit den Songs und Texten von Marlene befasst und festgestellt, dass gerade die etwas „frühen“ Werke etwas ganz frisches und gar nicht trauriges haben. Ich liebe diese Songs und wollte sie wenigstens einmal auch selbst singen. Ich hatte zudem Freude an der partiellen Verwandlung und einfach Spaß daran, mich so in unserem kleinen Kreis zu präsentieren. Alles in der Hoffnung, auch ein wenig Spaß zu verbreiten. Nun, ich denke, das ist bis zu einem gewissen Grad auch gelungen. Gelernt habe ich, Show ist ein schweres Geschäft und was in der Badewanne ganz toll klingt ist nicht unbedingt für öffentliche Auftritte geeignet. Wohl aber für eine kleine Einlage zwischendurch bei Freunden und diese Chance habe ich mal einfach wahrgenommen. Also keine Angst, das war mein erster und einziger Auftritt dieser Art, die innere Liste hat einen ganz dicken Haken mehr. Ich bin doch wohl mehr ein Mann (eine Frau) des geschriebenen Wortes, wie diese kleine Mail. Dass da was dran sein kann haben mir einige Gespräche am Rande der Party gezeigt. Euer Lob hat mir wirklich gut getan und ermuntert mich, weiter am Ball zu bleiben.
Ja, das war mein kurzer Partybericht. Ich hoffe, dass ich Diejenigen, die sich dieses mal noch nicht entschließen konnten zu uns zu kommen, ermuntert habe, doch beim nächsten mal dabei zu sein.
Ach ja, hier noch eine kleine Entschuldigung. Es liegt in der Art der Sache, dass bei solchen Partys allerhand los ist und ich nicht immer ausreichend Zeit für ausführliche Gespräche habe, obwohl mir daran sehr liegt. Wer da also mehr erwartet hatte, nimmt es mir bitte nicht krumm. Es war kein böser Wille. Ich mache es bestimmt bei einer der nächsten Gelegenheiten wieder gut.
Ich verabschiede mich für heute mit einer kleinen Textzeile aus einem Song von Marlene, den ich wegen ganz akuter Halsprobleme und wohl auch mangelnder Perfektion, so richtig nicht rausschmettern konnte:
“Wenn ich mir was wünschen dürfte
käm’ ich in Verlegenheit
was ich mir denn wünschen sollte
eine schlimme oder gute Zeit
wenn ich mir was wünschen dürfte
möcht ich etwas glücklich sein
denn, wenn ich gar zu glücklich wär’
hät’ ich Heimweh nach dem Traurigsein“
Dem habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen.
Viele liebe Grüße und eine schöne Woche
Sabine B.
Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,
habt Ihr das schon einmal erlebt? Ganz unverhofft ein ganzer Tag frei, ganz ohne Verpflichtung und ohne Planung!
Eigentlich war ich heute mit einem guten Freund verabredet um ihm bei notwendigen Renovierungsarbeiten zur Hand zu gehen. Ehrensache. So habe ich mein Wochenende entsprechend geplant, am Samstag all die Dinge erledigt, die sich gewöhnlich über das ganze Wochenende verteilen und artig jede nächtliche Ausschweifung vermieden, denn es sollte ja schon recht früh losgehen. Aber Kino mit einer Freundin sollte schon sein und ein kleines Abendessen ganz bestimmt. Schade eigentlich, dass mich die unverhoffte Absage erst bei meiner späten Heimkehr erreicht hat, ich wäre die Nacht vielleicht etwas mutiger angegangen. Schön, dass es mich trotzdem früh aus dem Bett getrieben hat, so habe ich Zeit, mich um Dinge zu kümmern, die eigentlich nicht so wichtig sind, kann den Tag einfach laufen lassen.
Ich will mal beim Kino anfangen: Gesehen haben wir „Ritter aus Leidenschaft“, eine spritzige mittelalterliche Geschichte um den Sohn eines Dachdeckers, der als Knappe seines plötzlich verstorbenen Ritters in eine ritterliche Identität schlüpft und der Star aller Tourniere in Europa wird. Einer der Dreh- und Angelpunkte der Geschichte ist die Frage, ob es wohl möglich ist, dass ein armer Tropf aus niederer sozialen Stellung wohl in der Lage ist „seine Sterne neu zu ordnen“ und eben ein anerkannter Ritter zu sein. Er wurde in der Tat zum richtigen Ritter und die Dame adligen Geblüts hat sich ihm hingegeben. Doch die Frage bleibt. Ist es möglich, seinen vorgezeichneten Weg zu verlassen und einen für alle unmöglich erscheinenden Weg zu gehen. Nun ist das sicher eine Frage der Betrachtungsweise und des Herangehens. Auf mich selbst bezogen fällt mir spontan ein, dass ich mit meinem Trans-Sein schon Wege eingeschlagen habe, die wohl keiner bei meiner Geburt geahnt und beabsichtigt hatte. Genau genommen würde ich mich als wohl eher „spätes Mädchen“ sehen, denn es hat bestimmt 30 Jahre gebraucht um die innere Unruhe zu definieren und dann noch mal weitere 15 Jahre, diesem Ruf zu folgen und zumindest ansatzweise zu folgen. Ich bin mir nicht sicher, ob mir meine besondere (Trans-) Eigenschaft schon in die Wiege gelegt wurde, oder erst in meinem konkreten sozialen Umfeld, jedem Menschen immanent innewohnende Eigenschaften ihre Ausprägung erfahren haben. Sicher ist eigentlich nur, dass ich so bin und, wie viele von uns, begonnen habe mein Ich anzunehmen und einfach nur zu leben. Doch habe ich meine Sterne damit neu geordnet?
Break. Weil ich grundsätzlich nicht sein kann, ohne irgend etwas zu tun, hatte ich mich (ob des enormen sonntäglichen Zeitgewinns) gleich nach dem Frühstück entschlossen, ein wenig in einem Haufen von angesammelter Post, alten Unterlagen und Zeitschriften zu wühlen, vielleicht ist ja was interessantes dabei. Ich bin gar nicht weit gekommen, denn ganz oben auf lag ein kleines rosa Heftchen „Gundula G. In Reimen geträumt, Transgender Poesie“. Ihr erinnert Euch, Gundula hat bei der Party in der vergangenen Woche daraus gelesen. Mit dem Büchlein in der Hand, war es um den Vormittag geschehen und ich bereue keine Minute davon, schon gar nicht die 15 Mark, die ich dafür ausgegeben habe. Fazit: Diese gesammelte Poesie gehört in jeden gut sortierten Trans-Haushalt und nicht nur dort hin. Ich habe beschlossen, noch einige Exemplare zu bestellen und sie an gute Freunde zu verschenken und an Leute, die meine Gefühlswelt bisher nie nachvoll ziehen konnten. Gundulas Gedichte sind nicht mein letztes, aber sicher mein bestes Argument in der Auseinandersetzung und Erklärung meines Seins. So viele inhaltsschwere Wochenmails kann ich gar nicht schreiben.
Ich kenne Gundula nun schon seit einigen Jahren, gelegentlich schwatzen wir miteinander, sie begleitet diese Mail mal zustimmend, mal kritisch und auch mal mit einem kleinen Gedicht - so ist es nicht verwunderlich, dass ich einige der Texte schon kannte. Gundula ist, vermutlich wegen ihres eher ländlichen Wohnsitzes, viel allein in ihrem weiteren Wohnumfeld unterwegs und so wird das Gedichtbändchen ohne Zweifel von den wirklich reizenden, nachdenklichen, gelegentlich selbstironischen und witzigen Kaffeehausgeschichten dominiert. Die Anordnung der Texte lässt für mich auch eine ganz persönliche Entwicklung erkennen. Da sind die Zweifel über die Sinnhaftigkeit und Außenwirkung ihres Tuns, der ironische Blick auf ihre körperliche Unvollkommenheit, die Leiden der Heimlichkeit, das Glücksgefühl nach bestandener Prüfung beim Frisör, in der Boutique oder eben im Kaffeehaus. Und da ist der Entschluss, das eigene Leben (wenngleich als ebenfalls „spätes Mädchen“) neu zu leben. Oder vielleicht doch nicht neu? Eher identisch, eben ehrlich vor sich selbst. Viele der dargestellten Situationen und präzise formulierten Gedanken und Gefühle sind mir nicht unbekannt und schöpfen aus dem prallen Trans-Leben. So manche Seiten des kleinen Buches hat jetzt eine eingeknickte Ecke, ich wollte sie hier zitieren, doch das würde den Rahmen dieser Mail bei weitem sprengen, denn ich kann mich nicht entscheiden. So will ich es bei einem kleinen Zitat belassen. Es fasst Gundulas Grundhaltung ganz gut zusammen:
Wer ich bin
ist meine Sache!
Des Lebens Sinn
liegt doch darin,
was ich aus mir
mache.
Übrigens, wenn Ihr über Gundula und Ihre Verse mehr erfahren wollt, dann empfehle ich Euch Ihre HP im Internet unter: www.xxx
Und da ist sie wieder, die Frage, ob es möglich ist, seine Sterne neu zu ordnen. Auch Gundula hat sie nicht explizit beantwortet. Doch ich vermute, das es nicht gar nicht darauf ankommt. Wichtig ist doch (um im Bild zu bleiben), alle seine Sterne zu erkennen und sie im richtigen Licht erstrahlen zu lassen. Da mag der eine oder andere mehr oder weniger hell erscheinen, doch es geht immer um das gesamte Bild. So mancher Stern hat den „Mief“ der Vergangenheit, er wird immer da sein, doch er wird nicht immer leuchten (das ist für meine Liebe D).
Ich wünsche Euch eine angenehme Woche
Viele liebe Grüße
Sabine B.
Guten Tag liebe Freunde und Freundinnen,
„Auf die Schuhe!“ „Auf die Strümpfe!“ „Auf die Strapse!“ Drei kehlige Rufe und „plop“, drei noch fast gefüllte Biergläser knallen aneinander.
Männerrunde, Kneipenstimmung, verklärte Blicke und doch ist etwas anders. Die drei Freizeitkerle wissen wovon sie reden. Sie hätten genau so gut in einer kleinen Cocktailbar an einem Gläschen Wein nippen, oder in einer Diskothek die Hüften schwingen können, nur dann eben im Kleid oder Rock, angemessen Silikon im BH und die herben Züge mit reichlich Make Up kaschiert.
Tolle hohe Schuhe, seidige Stümpfe mit oder ohne Straps, fließende Kleiderstoffe oder knallige Shirts – alles mögliche Synonyme für die ganz persönliche äußere Ausdruckwiese für Transgender (Männer), ganz besonders natürlich eines (klassischen?) Transvestiten. Ja, ja, ich weiß, das sind schon wieder Klischees. Ein Transmensch hat halt nicht viele Möglichkeiten seine Gefühlswelt nach außen zu dokumentieren. Die wichtigste ist wohl, sich diesem Gefühl entsprechend zu kleiden. Und sage keine(r), er hätte dabei keine Präferenzen! Ich hab mich inzwischen mit einer ganzen Menge Leuten unterhalten und weit ab von jeglicher wissenschaftlichen Draufsicht, haben die einzelnen Biografien viele Gemeinsamkeiten, besonders in Bezug auf den zumeist ganz einsamen Einstieg in die Geheimnisse und Reize weiblicher Kleidung. Überlegt doch mal, was war Euer erstes eigenes (bewusst beschafftes) besonderes Kleidungsstück und warum habt Ihr gerade dieses Stück angeschafft? Was war es? Eine Strumpfhose oder seidige Stümpfe, ein Paar Schuhe mit „richtigen“ Absätzen, ein Hemdchen, Höschen oder BH, oder vielleicht ein Rock oder Kleid? Diese Liste lässt sich sicher noch lange fortsetzen. An diesem Tag war, zumindest bei mir, der Damm gebrochen. Ich wusste, genau das ist es, wusste zwar noch nicht genau warum, doch ich wollte mehr davon haben, vielfältiger sein und noch perfekter. Die äußere Hülle nahm immer mehr Gestalt an, doch die wenigen Ausgangspräferenzen gibt es noch heute. Warum also sollte man(n) nicht, in vertrauter Runde, das Glas erheben und sich an diese wahrhaft glückliche Kleinigkeit erinnern?
Ausgangspunkt der Bierrunde war ein Gespräch über den Werdegang und die Stimmung bei den monatlichen Treffen der TransSisters. Das Neunte fand gerade am vergangenen Freitag statt und war (wie gewohnt) gut besucht. Erst kürzlich habe ich zu einem Eintrag im Gästebuch unserer HP angemerkt, dass diese Treffen dem Kennenlernen und er gegenseitigen Verständigung dienen und gerade die vergleichsweise guten Besucherzahlen den Ort und das Konzept rechtfertigen. Die Stimmung ist regelmäßig gut, sehr vertraut und ich habe gelegentlich schon Probleme, mich mit jedem, den ich lange nicht gesehen habe auch wirklich ausreichend zu verständigen. Das geht Manchem so, viele in der Runde kennen sich inzwischen ganz gut.
Alles in Ordnung? Oberflächlich ja. Andrea erzählte mir, dass sie bei einem dieser Treffen von einer Bekannten angesprochen wurde, sich doch mal zu einer recht einsam ausschauenden „Dame“ zu setzen und sie mehr in den Gesprächskreis einzubeziehen. Ich hatte erst heute eine Mail im Postkasten, in der B. schrieb, dass sie es wider Erwarten doch zum Treffen geschafft hatte, die Tische aber so voll waren, dass sie unverrichteter Dinge wieder abgereist sei. Sieht man genau in die Runde, dann fällt schon gelegentlich auf, dass die Eine oder Andere etwas einsam an Ihrem Glas nippt und über den ganzen Abend nicht ins lang erhoffte Gespräch kommt. Andere wieder, sie sind ebenfalls zu ersten Mal in der Runde, blicken Ihre Nachbarin oder Gegenüber an und nehmen automatisch Kontakt auf. Small Talk, zunächst, doch man (frau) hat sich gerade kennen gelernt und kann sich bei nächster Gelegenheit als bekannt begrüßen. Der Kontakt ist hergestellt, vielleicht entwickelt sich die eine oder andere Bekanntschaft oder gar Freundschaft. Ein gedanklicher Ansatz der Monatstreffen ist erfüllt. Gerade für Transgender in den „Kinderschuhen“ (schon wieder Schuhe!) brauchen in der Öffentlichkeit häufig Menschen, die ihnen ähnlich sind. Das macht nicht nur sicherer. Das gemeinsame Erleben und die gegenseitige Verständigung zu gleichen Lebenslagen erzeugt zudem über kurz oder lang ein annäherndes inneres Gleichgewicht und einen gewissen Grad von Normalität. In diesem Umfeld erblickt ein Transgender erst wirklich das Tageslicht (sinnbildlich), auch wenn er (sie) zunächst nur in der Nacht unterwegs ist.
Zurück zu meiner Bierrunde. Dem Gläserklirren ging ein ganz leises Gespräch voraus zum Thema „Was hat dich bewegt endlich vor die Tür zu gehen?“ Nun, was meine Freunde berichteten, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, oder sie schreiben es selbst für Euch auf. Doch so sehr abweichend waren die Beweggründe nicht, vielleicht sind wir ja gerade auch deshalb so gut befreundet.
Ich schrieb es erst, ich bin ein recht „spätes Mädchen“. Schon in jungen Jahren hab ich selbst mit diversen weiblichen Wäschestücken experimentiert und schnell meine Präferenzen erkannt. Ich weiß natürlich nicht, wie das bei Euch war, doch für mich hatten diese Situationen zunächst auch eine gewisse Erotik (Ihr wisst, was ich meine?). Es dauerte eine wunderschöne Ewigkeit, bis sich ein gesamtes Körpergefühl einstellte und damit der Wunsch, mich nicht mehr nur verborgen „weiblich“ auszudrücken – Trans wollte endlich geboren werden. Nun kam für mich die Zeit der Zweifel an mir selbst und meiner psychischen Verfassung und ging einher mit der Suche nach adäquaten Kontakten. Allein habe ich da keine Ordnung rein bekommen. Dazu musste ich mich partiell outen, denn wer sucht, muss schon auch mal sagen, wonach er sucht. Es hat lange gedauert, bis ich auf einen Trans gestoßen bin, der sich einfach nur mit mir unterhalten hat und dem ich mein grotten-hässliches „erstes Kleid“ vorstellen konnte. (Ihr erinnert Euch an meinen Bericht in der Mail vom 18.02.2001 – nachzulesen im Mailarchiv auf der HP der TransSisters) Die TransSisters gab es damals noch nicht und von derartigen Trans-Stammtischen hatte ich auch noch nicht gehört. Wichtig für mich aus heutiger Sicht: ich habe mich über all meine Ängste und Zweifel hinweggesetzt und aktiv nach Kontakten gesucht. Doch richtig „draußen“ war ich noch lange nicht. Es hat wieder eine Zeit gedauert, bis ich einen anderen Trans kennen gelernt habe und daraus entwickelte sich ein recht loser Kontakt. Der (sie) aber, hatte seine ersten Schritte in der Öffentlichkeit gerade getan und erzählte mir bei einem Telefonat begeistert von seinen nächsten Trans-Ausflugsplänen. Das war es! Ich musste einfach dabei sein! Einfach? Einfach gesagt. Einen Sabine-Kleiderschrank gab es noch lange nicht und das erste Kleid war wohl doch nicht so ausgehtauglich. Eigentlich lebte ich noch immer in der Welt meiner Präferenzen. Das reichte wohl für die Einsamkeit der heimischen Stube, doch öffentliche Weiblichkeit hat seine Konventionen. Angemessene Oberbekleidung musste her, Schuhe, eine Handtasche und die vielen kleinen Accessoires. Für eine Woche verfiel ich förmlich in einem Kaufrausch und alles war am Tag X minus Null bereit. Damals noch mit ausreichend und langem Kopfhaar, hab ich den Mut aufgebracht einen weit entfernten Frisörsalon aufzusuchen und dann noch einen Kosmetiksalon mit den notwendigen Schminkarbeiten beauftragt – zwei unvergessliche Ereignisse am Tage meiner „zweiten Geburt“. Ich hab ein Bild davon gefunden und werd es an diese Mail anhängen.
Nun war es endlich so weit: Ich habe meinen Geist und meinen Körper gespürt, wie noch nie in meinem Leben, ich war eine einzige Person. Ich habe diese Person in der Öffentlichkeit gezeigt, mein Selbstbewusstsein war schier grenzenlos. Und ganz am Rande: Ich hatte meine Seidenstrümpfe bislang nie so genossen. Jetzt gerate ich wohl ins Schwärmen......
Zurück zur Ausgangsfrage der Bierrunde. Was hat mich bewegt? Ich war bereit für mein neues Leben, ich wollte öffentlich werden. Und deshalb hab ich mich selbst in Bewegung gesetzt. Ich habe aktiv Kontakte gesucht und auch endlich gefunden. Und ich sage Euch, für mich hat es sich gelohnt...
Vielleicht treffen wir uns ja auf einem der nächsten Monatstreffen der TransSisters. Sagt einfach „Hallo“ und ich werde antworten „Ich bin Sabine B. und wer bist Du?“ Aber „Hallo“ sagen müsst Ihr schon...
Bis zur nächsten Woche
Viele liebe Grüße
Sabine B.
