Hallo von Andrea

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"Meine Mutter sagte mir einmal: Mädchen werden in einer Blume geboren und Jungs in einem Kohl. Wenn das wirklich stimmt, dann wurde ich wohl in einem Blumenkohl geboren."

Das Zitat stammt aus einem wunderbaren Film über einen transidenten Menschen, den ich in 2015 gesehen habe. Ich verwende es an dieser Stelle gerne, weil es mit wenigen Worten das Grundgefühlt beschreibt, das mich seit meiner frühesten Kindheit im Innersten begleitete. 

Auch wenn man sich die eigene geschlechtliche Identität genauso wenig aussucht, wie die eigene Hautfarbe: Ich ließ lange Zeit nichts unversucht, um diesem Grundgefühl aus dem Weg zu gehen. Denn so sehr ich mich auch umsah, nirgends fand ich eine Erklärung oder gar Entsprechung für mich; nicht als Kind, nicht als Jugendlicher, und auch sehr viel später als Erwachsener nicht. Man gehört damit einfach nirgends hin und nirgends rein. Das war meine feste Überzeugung; zumindest bis ich nach einigen - wackligen und zittrigen - ersten Gehversuchen 1999 in "Carolas Transentreff" erstmals in meinem Leben auf Menschen traf, die so waren wie ich. Und ich staunte nicht schlecht, dass es so viele waren. Es dauerte dann auch gar nicht lange, dass wir uns zu einer Gruppe zusammenschlossen, die sich unter dem Label "TransSisters" anschickte, gemeinsam die Welt neu zu erobern. Für mich war es die spannendste, interesannteste, intensivste, aufregendste, schönste und wohlfühligste Zeit überhaupt. 

Heute, annähernd 20 Jahre später, ist meine Überzeugung eine andere. "Es gibt kein richtiges Leben im falschen!" bringt es wohl am treffensten auf den Punkt. Die gesammelten Erfahrungen, die nicht mehr zählbaren einmalig schönen Momente, die Begegnungen und Gespräche mit Freund_innen, der Famile, Bekannten, Nachbarn, und natürlich meine große Liebe Marlene; alles zusammen hat mein Leben Schritt für Schritt zu dem gemacht, was es heute ist: wunderbar aufregend lebendig und in jeder Beziehung lebenswert! Mit großem Vergnügen (und auch einiger Irritation) durfte ich erleben, wie sehr ich mir über all die Jahre selbst im Weg gestanden habe. Eine sehr gute Freundin hat das mit "Die meisten Probleme mit der eigenen Transidentität existieren nur zwischen den eigenen beiden Ohren" meiner Meinung nach sehr treffend kommentiert. 

Ich habe das große Glück, meinen Alltag heute offen als transidenter Mensch leben zu können. Ein ganz besonders großes Dankeschön dafür geht an alle, die mich mit ihrer Freundschaft, ihrem Einfühlungsvermögen und ihrer Toleranz dabei begleitet haben. Letztens beim Italiener wurde ich mit den Worten "Ihr Cappuccino, Signora" bedient. Es gab Zeiten, da hätte ich das nicht zu träumen gewagt...

 

Liebe Grüße

Andrea

p.s.: Selbstverständlich weiß ich, dass meine Geschichte nicht auf andere übertragbar ist. Es ist ja auch meine Geschichte. Und ja: Es gab auch Rückschläge und es gibt auch heute noch die eine oder andere Unsicherheit. Sowas bleibt schon alleine deshalb nicht aus, weil es so etwas wie eine Erfolgsgarantie für das Leben nicht geben kann. Aber vielleicht macht ja meine Geschichte anderen ein bisschen Mut, das eigene Leben zu wagen. Es lohnt sich nämlich.

p.p.s.: Ihr könnt mir auch persönlich schreiben. Einfach über den folgenden Link eine Mail mit "Andrea" im Betreff senden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!