Wochenmails 1999

Guten Tag liebe Schwestern,

... da hatte ich mir für die letzten 1 1/2 Tage nichts anderes vorgenommen, als mich ausschließlich auf die anstehenden Feierlichkeiten vorzubereiten (eine Frau über vierzig braucht eben ein bisschen länger) und nun ist die meiste Zeit vertrödelt. Doch diese Mail will ich noch schreiben.
Weihnachten ist überstanden, ich habe intensiv an der Ausrottung ganzer Generationen von Gänsen teilgenommen, kann Grünkohl und Thüringer Klöße nicht mehr sehen und zudem habe ich ein Kilo zugenommen. Was bitte, soll an diesem Weihnachten schön gewesen sein?
Schön war der weniger exzessive Teil. Ich hab´s gemacht, wie ich es mir vorgenommen hatte: Ich hab mich um die Menschen bemüht, die mir am wichtigsten sind. Sicher, angesichts meiner etwas verworrenen Familienverhältnisse, mit wechselndem Erfolg, aber ich habe es versucht und gelernt, dass im nächsten Jahr einiges anders werden muss. Schön war an diesem Fest auch, dass ich Gelegenheit hatte mich zu erholen und reichlich eine Woche ohne Arbeit verbringen konnte.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und mich ein Wenig an der Vorbereitung der Neujahrsparty am 15. Januar zu beteiligen. Wie es aussieht, wird die Teilnahme von Transen und deren Freunde und Sympathisanten unsere bisherigen eigenen Rekorde schlagen. Schön, wenn man auf so viel Interesse stößt. Ich kann nur sagen: Weitersagen! Wir haben inzwischen auch eine Einladung produziert. Wer einige Exemplare haben will sollte sich schnell bei mir melden, dann werd ich noch welche drucken und sie Euch zusenden. Die Innenseite der Einladung könnt Ihr, so Steffi ihr Versprechen einlöst, in den nächsten Tagen auch von unserer Internetseite abrufen.
In diesem Zusammenhang hatte ich mit Christa Lilith ein kurzes aber inhaltsschweres Gespräch zu den darin verwendeten Begrifflichkeiten. In der Einladung ist die Rede von "Transvestiten und Transsexuellen" und Christa meinte, wir sollten uns doch bemühen diese Begriffe durch "Transgender", weil der zutreffendere Ausdruck, ersetzen. Sicher, auch ich habe mich in meiner Findungsphase umfangreich belesen und bin auf die Begrifflichkeit "Gender" als das soziale Geschlecht gestoßen, kann aber, um ganz ehrlich zu sein, damit nicht sonderlich viel anfangen.
In meiner manchmal schlichten Denkweise sind wir eben Transvestiten (die, die ihr biologisches Geschlecht behalten) und Transsexuelle (die, die das andere Geschlecht annehmen wollen). Ich hab damit schon lange kein Problem mehr damit. Jede(r) soll leben, wie er (sie) es für richtig und wichtig hält – der Mensch ist interessant und nicht die Worthülse in die er gesteckt wird. Und dennoch, wir sollten unsere eigenen Begrifflichkeiten klären.

Und jetzt, in einigen Stunden, geht das Jahr, das Jahrzehnt, das Jahrhundert, das Jahrtausend zu Ende. Mir fällt absolut kein markiger Spruch dazu ein. Sicher, wir erleben ein ausgesprochen seltenes Ereignis, doch die Welt am 1. Januar wird vermutlich genau die Selbe sein, wie sie am 31. Dezember war. Es bleiben die alten Sorgen und Nöte (das ist schon mal sicher) und die Freuden werden hoffentlich auch noch da sein. Hinzu kommt, dass mir völlig abgeht, in derartigen historischen Zeiträumen zu denken oder gar zu handeln. Wichtig ist für mich der Zeitraum, den ich überblicken kann und der ist in keiner Weise an eine Jahrhundert- oder gar Jahrtausendwende gebunden. Aber in Jahresscheiben sollte man schon denken. Also, machen wir das nächste Jahr (meinetwegen auch Jahrzehnt) zu unserem Jahr! Tun wir etwas für das weitere allgemeine gesellschaftliche Verständnis für Transvestiten und Transsexuelle - oder eben Transgender. Zeigen wir der Öffentlichkeit wer und wie wir sind. Und dazu soll unsere Neujahrsparty und all die anderen kleinen und großen Aktivitäten beitragen. Wir tun damit gleichzeitig auch etwas für uns. So sieht mein (hier nur transenspezifisches) Vorhaben für das neue Jahrtausend aus. Und ich hoffe, Ihr seid alle dabei!

Die kleine Transe Sabine grüßt auf diesem Wege die Welt, besonders die Transvestiten, Transsexuellen - alle Transgender - und ihre Freunde und Sympathisanten. In der Hoffnung, dass die Welt im nächsten Jahrtausend besser wird und der Gewissheit, dass nur wir selbst sie besser machen können!

Frohe Weihnacht die Damen, die Frauen und die Herren,

heute die neuesten Nachrichten, Gedanken und Tratsch aus dem Kreise der TransSisters bereits am Freitag, denn es ist Weihnachten und ich will nicht versäumen meine Weihnachtsgrüße rechtzeitig an Euch abzusenden.

Gestern nun war die vorletzte Verabredung der TransSisters es bleibt nur noch die Sylvesterfete). René und Conny haben geheiratet und wir waren zur abendlichen Party eingeladen. Leider waren wir nur zu sechst, aber einen Tag vor Weihnachten ist das ja auch verständlich. Schließlich gibt es für diesen Tag für manche von uns allerhand vorzubereiten. Die Party war gediegen, eher ruhig und das Büfett von aller bester Güte. Ein angenehmer Abend.
Der fast schon übliche Absacker wurde im "Ambiente" eingenommen und hier wurde auf Anregung von Celine ein wichtiger Entschluss gefasst.
Es wird eine Neujahrsparty der TransSisters am 15.1.2000 ab 20 Uhr im "Ambiente", Kurfürstendamm 133 geben. Eingeladen sind dazu alle TransSisters, Sympathisanten und Menschen, die sich über eben diesen Teil der Berliner Transenszene informieren oder dort eintauchen wollen. Diese Party ist bewusst keine geschlossene Veranstaltung, denn Offenheit und Öffentlichkeit gehört zu den wenigen Grundsätzen unserer Vereinigung. Wir haben scharf kalkuliert und benötigen daher nur einen Unkostenbeitrag von 5 DM für jeden Teilnehmer. Also Ihr Transen und Transen -Sympathisanten dieser Welt, merkt euch diesen Termin und sagt ihn weiter! Ich hoffe es werden noch viele dieser Partys folgen.

Die letzte Wochenmail zum Thema "Was gefällt eigentlich den Frauen an uns Transen?" - zumindest einigen, hatte durchschlagenden Erfolg. Ich habe inzwischen einige Reaktionen, insbesondere von den Bio-Frauen, in der Spanne von heftig bis nachdenklich. Ich hatte gar nicht gedacht, dass dieses Thema so wirkt und bin natürlich selbst an der dann im Januar erscheinenden Zusammenfassung interessiert. Au jeden Fall haben wir beschlossen auf der TransSisters - Seite ( zur Erinnerung: www.TransSisters.de ) ein öffentliches Forum einzurichten und dort die Beiträge zu veröffentlichen. Diejenigen, die sich bereits geäußert haben, sollten mir also eine Mitteilung machen, wenn sie die Veröffentlichung an dieser Stelle nicht wollen, oder eine Anonymisierung wichtig ist.
Es bleibt natürlich die Aufforderung an Alle, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Meine letzten Termine sind erledigt, alle Geschenke verpackt und mein Teil für das Weihnachtsessen weitestgehend vorbereitet. Mein Weihnachten gehört meinen Kindern und der Frau, die ich mag. Und es gehört mir, weil ich mir vorgenommen habe ein paar Tage nicht an die Arbeit zu denken. Ich lass den Anrufbeantworter einfach eingeschaltet und kümmere mich um die Menschen, die mir wichtig sind und um mich selbst.
Abgesehen von den traditionellen Inhalten ist Weihnachten für mich die Zeit, in der ich ein wenig Resümee über das vergangene Jahr ziehe und mich selbst prüfe - feststelle, welche Vorhaben ich verwirklichen konnte, mit welchem Erfolg, und welche nicht. Geschafft hab ich eine ganze Menge.
Nach vielen Jahren hab ich mich endlich vor mir selbst zu meiner Leidenschaft bekannt und mich vor den Menschen, die mir wichtig sind als Transvestit geoutet. Ich hab bei den TransSisters viel neue interessante Menschen kennen gelernt und neue, wirkliche Freunde gewonnen. Obwohl ich nach meiner ewig währenden Ehe glaubte, zu keiner Beziehung mehr fähig zu sein, hab ich mich neu verliebt. Ich könnte diese Liste noch fortsetzen, will Euch aber nicht mit meiner inneren Einkehr belästigen.
Andre Dinge habe ich nicht geschafft. Ich hab einfach beschlossen, dass die sowieso nicht so wichtig waren und die Realisierung in das nächste Jahrtausend verschoben.
Rein technisch geht es mir besser, als vor einem Jahr. Doch geht es mir wirklich besser? Da ist noch immer die innere Unruhe und das ewige Streben nach ... ja wonach eigentlich? Dieses Gefühl kennt Ihr sicherlich. Ist es wie die olympische Idee: "höher, schneller, weiter", das Streben nach einer nicht zu definierenden Vollkommenheit, oder einfach nur das Bedürfnis nach einem Leben, frei von inneren Konflikten?
Wenn letzteres zutrifft, dann glaube ich kaum, dass man diese innere Ruhe je finden kann. Wir leben alle in ständiger Wechselwirkung mit unserer real exilstierenden Umwelt. Selbst, wenn man sich mit dem materiellen Teil dieser Welt engagieren kann, dann bleibt immer noch die Widersprüchlichkeit zwischen den allgemeinen und ganz persönlichen Draufsichten auf diese Welt - und die wiederum sind eng miteinander verwoben.
Ein Beispiel: Als Transen leben wir offensichtlich im Widerspruch zu den allgemeinen moralisch - ethischen Grundsätzen. Doch die erwähnte innere Unruhe wird nicht etwa aus dieser Konstruktion (die Auffassung der Anderen kann uns ja eigentlich egal sein), sondern vielmehr in der Zwiespältigkeit unserer eigenen Auffassung und Gefühle gespeist.
Sie löst sich für mich auf, wenn ich hier allein mit lackierten Nägeln und mit meinen derzeitigen Lieblingsstücken bekleidet sitze und sinniere, oder mit den TransSisters unterwegs bin. Weil, in dieser Mikrogesellschaft stimmen die allgemeinen mit meinen eigenen Auffassungen überein und der innere Widerspruch braucht in dieser Zeit nicht ausgetragen werden. Für mich bleibt übrig, dass es die eigenen inneren Konflikte sind, die mich unruhig machen und dass sie sich vermutlich nie völlig auflösen werden. Ich werd also lernen, damit umzugehen. Das wird wohl mein wichtigstes Vorhaben für das nächste Jahrtausend - da hab ich genug Zeit.
So. Und nun werd ich mich umziehen und als Mann verkleidet wieder in den Makrokosmos eintauchen.

Bleibt also nur noch übrig, Euch allen ein frohes, beschauliches und gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen. Bedenkt in diesen Tagen, die Menschen, die Euch am wichtigsten sind und seid nur für sie da. Die Konflikte mit Euch und der Welt laufen nicht weg - das haben Konflikte leider so an sich.

Frohes Fest!
Sabine

Guten Tag liebe Schwestern,

eine Woche ist vorbei, und das Jahr hat nicht einmal mehr 3 Wochen. Ich hoffe schon, dass ich den größten Teil von Euch bis dahin noch einmal sehen und sprechen kann. Eine Gelegenheit ist ja am 17.12. gegen 20 Uhr zu Steffis Geburtstag und gleichzeitig unserer Weihnachtsfeier (nähere Infos fordert bitte direkt bei mir ab). Denkt bitte daran ein kleines neutral verpacktes Geschenk (Wert zirka 10 DM) für den Julklap mitzubringen. Schon eine Woche später - am 23.12. heiratet René, auch dazu sind wir dann am Abend herzlich eingeladen. Wer die Adresse noch nicht weiß und sich an einem gemeinschaftlichen Geschenk beteiligen will, sollte sich ebenfalls schnell bei mir melden. Ja und dann ist das Jahr auch schon fast vorbei und findet für einige von uns sein Ende im KNEMO.
Obwohl ziemlich erkältet, war ich gestern dann doch noch unterwegs. Erste Station war Carolas Treff. Bei ausgesprochen mäßigem Besuch haben wir die Bridge Markland - Show gesehen. Mir hat die Mischung aus Travestie, Schauspiel und experimentellem Gesang gut gefallen. Sicher war es nicht die ganz große, aber eben doch eine für diesen Rahmen angenehme Kunst. Gut, dass es solche Leute, wie Bridge gibt. Schade nur, dass Carolas Treff immer mehr verödet. Sind wir doch mal ehrlich: So richtig wohl fühlt man (frau) sich beim Ausgehen nur, wenn die Location auch gut besucht ist. Für die meisten Transen kommt noch hinzu, dass sie nicht unbedingt nur unter sich sein wollen - also eher in das sogenannte normale Leben eintauchen wollen. Und genau da liegt das Problem. Carola hatte für die meisten TransSisters in der ersten Hälfte dieses Jahres eine wichtige soziale Funktion. So auch für mich. Hier bin ich zum ersten Mal als Frau aufgetreten und habe viele wichtige Kontakte zu anderen geknüpft. Ich konnte (fast) öffentlich meinen eigenen Stil ausprobieren und entwickeln. Und dann hab ich, wie einige andere auch, festgestellt, dass diese Öffentlichkeit - fast ausschließlich unter Transen und versteckt in einer nicht gerade vorteilhaft eingerichteten Kellerbar, auf die Dauer nicht befriedigt. Als Transvestit erwarte ich einfach mehr vom Leben und möchte auch an den Orten sein, die ich ohne diese wunderbare Eigenschaft auch besuchen würde. Sicher, das ist mehr ein Wunsch, aber ich arbeite daran. Bleibt die Frage, ob hier der einzige Grund liegt, warum Carolas Treff häufig eher mager besucht ist. Nun, Carola ist sicher Geschäftsfrau genug um die Zeichen der Zeit zu erkennen. Empfehlenswert ist der Treff allemal als Treff und Gelegenheit gute und weniger gute Kleinkunst aus dem Reich der Travestie zu erleben oder auch neue Leute kennen zu lernen. So wie gestern einen Hersteller von Schnürkorsagen (Redigan-Imex - ich werd mir die Firma im Januar mal ansehen und dann darüber berichten). Wenn man danach noch etwas vor hat, vielleicht irgendeine Spielart des Berliner Nachtlebens, dann ist auch ein bei Carola begonnener Abend, ein gelungener Abend.
So, ich geh jetzt wieder in Bett und versuche zu schlafen und will mich auskurieren, damit ich morgen wieder etwas fürs Bruttosozialprodukt tun kann (irgendwie war die Zeit als abhängig Beschäftigter doch recht angenehm).
Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche und mir eine gesunde Woche.

Eure Sabine

PS: Unsere E-Mail-Gemeinde wächst fast täglich. Also: wenn es gefällt weitersagen, wenn nicht einfach meckern oder abmelden.

Guten Tag liebe Schwestern,

eigentlich gehört hier noch der Zusatz "Schwesterlinnen" dazu. Schwesterlinnen, weil sich ja nicht nur Transen, sondern auch ganz normale (ups Transen sind nicht normal?), also besser biologische Frauen zunehmend in unseren Kreisen tummeln.
Ich komme darauf, weil ich in dieser Richtung am Rande von Steffi´s Geburtstag (und zugleich Weihnachtsfeier der TransSisters) mit Tina über die Rolle der Bio-Frauen und ihre Haltung zu den Transen diskutiert habe.
Aber zunächst erst mal Steffi´s Geburtstag. Obwohl ich nicht bis zum Schluss dabei sein konnte, haben wir eine gewohnt perfekte und interessante Party erlebt. Inoffizielle Zählungen schwankten zwischen 28 und 30 Gästen - gemischtes Publikum in der Palette vom "Stino" im guten Anzug mit Schlips, bis hin zur schillernden Erscheinung von Tony Gebler. Schön, wenn man so viele Freunde hat. Ich selbst hatte viel Spaß und interessante Gespräche. In diesem Zusammenhang auch vielen Dank an die für mich leider namenlose Freundin von Steffi, die gerade in der Anfangsphase alle Gäste treu umsorgte. Leider ist im Laufe des Abends auch einiges zu Bruch gegangen, ich hoffe Steffi kann die Schäden verkraften.
Doch zurück zu Tina und ihrer Frage: "Was finden richtige Frauen an solchen Typen, wie uns interessant?" Obwohl mich diese Frage selbst beschäftigt, war ich zunächst sprachlos. Die wichtigste Erklärung ist wohl, dass sie bereit sind, uns (egal ob Transvestit oder Transsexuell) so zu akzeptieren, wie wir sind - also immer noch den Menschen sehen, der nett oder eben blöd sein kann. Ich befürchte aber, dass diese Erklärung allein zu einfach ist. Ich denke schon, dass für die Akzeptanz unserer Besonderheit eine bestimmte Affinität (bedeutet Neigung) zum nicht ganz Gewöhnlichen gehört. Es ist ja so, dass wir den Frauen mit unserer Verkleidung oder Verwandlung allgemein anerkannte weibliche Attribute streitig machen. Was, wenn nicht die besondere Affinität Männer in Frauenkleidung irgendwo zu mögen, veranlasst Bio-Frauen in festen Beziehungen zu Transen zu leben? Aus Gesprächen und auch persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die Meisten dieser Frauen weit weg von lesbischen Veranlagungen sind. Lieben sie das Exzentrische am Mann?
Ich weiß, dass ich mich hier auf ein sehr dünnes Eis begebe, denn ich bin ein Mann. Ein Mann, der gern Frauenkleidung trägt und damit zugleich (das gebe ich offen zu) einen Fetisch bedient. Ich bin ein Mann, der eine Beziehung zu einer Frau hat, die mich als Mann in Frauenkleidern mag.
Alles in Butter? Lange nicht! Denn die größten Probleme damit habe ich selbst. Weil ich einfach nicht glauben kann (oder will?), dass Frauen Männer in Frauenkleidung mögen können. Ist dieses Phänomen wirklich nicht begreifbar?
Also liebe Bio-Frauen - insbesondere die der TransSisters, aber auch alle, die diese Zeilen lesen. Ihr seid gefordert! Schreibt mir Eure Auffassung zu diesem Thema. Ich und sicher auch viele der zweifelnden Transen wollen wissen, wie Frau zu diesem Thema wirklich denkt und vor allem fühlt. Ich bin gern bereit, eure Ansichten (bei Bedarf natürlich anonym) zu veröffentlichen.

In diesem Zusammenhang: Ich hatte vor einigen Tagen einen Anruf von einer Journalistin, die für das Deutschlandradio einen Beitrag über Partnerschaft und Transvestismus vorbereitet. Ich weiß nicht wieso, aber meine Telefonnummer hat sich bei der Journaille offensichtlich rumgesprochen. Wie auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass das Deutschlandradio in der Lage ist eine seriöse Berichterstattung zu machen. Leider stehe ich (nach meiner gescheiterten Ehe) für eine derartige Berichterstattung nicht zur Verfügung. Sollte aber jemand - vorzugsweise Paare mit Kindern - bereit zu einem ausführlichen Interview sein, dann bin ich gern zu einer Kontakt - Vermittlung bereit.
Knapp eine Woche vor Weihnachten setzt der allgemeine Jahresendstress ein, auch ich bin davon nicht verschont. Trotzdem, wichtiger Termin am 23.12. ist die Hochzeit von René. Sollte jemand noch nicht wissen, wann und wo wir uns als TransSisters zur Party einfinden, dann möge er (sie) sich bei mir melden. Wir wollen übrigens ein gemeinsames Geschenk besorgen, wer sich daran beteiligen will, solle rechtzeitig ein Signal geben.

Das soll es dann für heute mal wieder gewesen sein. Ich wünsche allen TransSisters und natürlich auch allen, die diese Zeilen per Zufall oder gezielt auf unserer Homepage lesen, eine angenehme stressfreie Woche.

Viele liebe Grüße
Sabine
PS: Die nächste Wochenmail wird übrigens bereits am 24.12.99 erscheinen.

Guten Abend liebe Schwestern,

an diesem Wochenende waren wir wieder einmal zu einer gemeinsamen Veranstaltung in der Stadt unterwegs.
Das Thema hieß zunächst am Freitag “Eine Frau und mehr” in Form von Romy Haag.
Im eher mäßig gefüllten Saal der HDK waren wir immerhin mit 15 Plätzen präsent – alles Transen, zum Teil mit Ihren biologischen Partnerinnen. Gesehen haben wir eine Romy Haag, die auf mich eher müde und ein wenig einsam wirkte. Sie ist nicht mehr die Femme fatal, aber auch nicht die grande Dame (hoffentlich ist das richtig geschrieben, mein Französisch ist ziemlich lausig). Für mich war sie einfach nur Romy Haag, eine singende Transe unter vielen mit eher unentschiedener stimmlicher Ausprägung. Doch sie hatte wirklich gute Musiker und zum Teil recht nachdenkliche Texte.
Eine Zeile will mir nicht aus dem Kopf gehen: “ ... die Wunden sind verheilt, nur die Narben tun noch weh. Es dauert ein Leben, die Kindheit zu versteh’n...” Das sind für mich sehr einsame Worte, die mich auf den feinen, aber erheblichen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit bringen. Allein kann man sein, wenn man die Tür hinter sich schließt. Wirklich einsam ist man, wenn sich niemand dafür interessiert ob man noch drin ist. Gerade diese Einsamkeit ist mir bei einigen mir bekannten Transen schon öfters aufgefallen. Entweder staksen sie unsicher durch ihre Halbwelt, oder sie ziehen tingelnd und aufgedreht durch die vermeintlich angesagten Lokalitäten. Andere wieder versenken sich in die Prostitution und erhoffen sich an dieser Stelle ein Quäntchen Zuneigung und Anerkennung – vielleicht auch, wie wir alle, einfach nur Akzeptanz. Glücklich sind die, die wirklich gute Partnerschaften und über unsere Welt hinausgehende gesellschaftliche Kontakte pflegen. Einsam, wer den Schmerz der Narben vergangener Verletzungen pflegt und zelebriert. Und hier schließen sich die Gedanken. Ich will Romy und auch anderen Schwestern nichts unterstellen, doch ich wurde diese Gedanken einfach nicht los.
Wo bin ich jetzt hingeraten? Ich bin ein wenig unsicher, ob dies die richtige Form und der richtige Platz ist, solche Gedanken zu entwickeln. Aber was soll`s, Ihr könnt ja meckern. Andererseits hätte ich zu noch einigen anderen Themen ein paar Gedankenansätze und kann mir schon vorstellen, mich mit denjenigen, die mögen, auf diesem Wege dazu zu verständigen.
Die Freitag-Nacht, wie auch am Samstag fand dann sein spätes (frühes) Ende im einer kleinen Bar “Ambiente” am Kurfürstendamm 133/134. Allgemeine Meinung: Ausgesprochen empfehlenswert! Transen sind hier, wie auch alle anderen Gäste herzlich willkommen! Man (frau) kann hier ohne Anstrengung reden oder auch tanzen. Die Getränke sind gepflegt. Und berücksichtigt man den anderenorts zu zahlenden und hier eingesparten Eintrittspreis, dann stimmt das Preis-Leistungsverhältnis.
Für das kommenden Wochenende habe ich noch nichts Konkretes geplant, ich lass es einfach mal kommen. Meistens ergibt sich ja doch etwas. Vielleicht bleibe ich mal allein, schlafe einfach mal richtig aus, ziehe dann mein Hauskleid an und kümmere mich um meinen inzwischen völlig maroden Haushalt oder vielleicht um die längst fällige Steuererklärung. Vielleicht treffen wir uns aber auch zur späten Stunde im KNEMO oder im Ambiente. Vielleicht im neuen Kleid oder vielleicht als Mann verkleidet.
Ich grüße alle TransSisters, die Glücklichen und die Einsamen, und wünsche Euch eine erfolgreiche Woche.

Eure Sabine