Guten Tag liebe Schwestern,

... sind wir eigentlich wirklich Schwestern, oder vielleicht Brüder? Eigentlich ist nur wichtig, dass uns gemeinsame Interessen verbinden!
Ich komme darauf, wie ich vor ein paar Tagen ein ziemlich nachdenkliches Erlebnis hatte:
In der vergangenen Woche war ich mit meinen beiden ältesten Töchtern zum Abendessen verabredet. Die Mädels wollten zum Italiener, den ich recht gut kenne, aber seit fast einem Jahr nicht mehr besucht habe. Wie alle Italiener heiß der Inhaber Mario. Mario also, sprach mich an, dass er ja wisse, dass mit mir etwas nicht in Ordnung sei, er wolle aber darüber nicht sprechen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich die Zusammenhänge für diese Bemerkung herstellen konnte. Ein (inzwischen vermutlich ehemaliger) Freund von mir verkündet gelegentlich, und so auch bei Mario, dass ich mich entschlossen hätte schwul zu werden. Er hat also offensichtlich nichts von dem begriffen, was ich in einer langen Nacht versucht habe zu vermitteln. Nämlich, dass Transvestismus zunächst nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun hat und viele andere sehr persönliche Dinge.
Natürlich kennen wir alle auch Schwule, die gern Frauenkleidung tragen, aber ich kenne mehr (Transvestiten), die eindeutig heterosexuelle Verhaltensweisen haben. Mehr als vorher vermutet, leben in Partnerschaft mit einer Frau und entwickeln auch neue Partnerschaften. An Weihnachten heiratet eine uns allen bekannte Transe eine Bio-Frau.
Andererseits, was ist so schlimm daran schwul zu sein? Warum habe ich mich über diese vermeintliche Unterstellung so geärgert? Es ist wohl mehr der Umstand, dass den Transen im allgemeinen Bewusstsein immer gleich das (abnormale) Schwulsein unterstellt wird und ich zunächst nicht in diese Ecke gestellt werden will. Wieso eigentlich? Sind Schwule weniger normal als ich oder Du oder Du? Sind sie weniger normal als mein lieber Freund?
Übrig bleibt, dass die Gesellschaft insgesamt zu wenig über Transvestismus und offensichtlich auch über Homosexualität weiß, oder wenigstens die angebotenen Informationen nicht zu Kenntnis nimmt. Wir können und sollten etwas dagegen tun! Primär, indem wir einfach weiter so leben wie wir sind. Und darüber hinaus sollten wir uns weiter öffentlich machen. Eine der Gelegenheiten wäre das schon vor Wochen angekündigte Filmprojekt im kommenden Frühjahr. Eine weitere Gelegenheit könnte der CSD im Sommer 2000 sein. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir die Sponsorengelder für einen eigenen TransSisters- Wagen zusammen bekommen. Nach meinen Informationen sind wir in Berlin eine nicht zu unterschätzende Gruppierung, wir sollten uns zeigen.
So viel zu einigen Gedanken, die ich einfach mal loswerden wollte.  
Der Dezember bietet für die Berliner TransSisters einige Ereignisse. Ihr könnt die Details selbstverständlich unter www.TransSisters.de nachlesen. Leider muss man danach noch unter “TV” suchen – diese Seite wird aber demnächst gleich von der Startseite aus zu erreichen sein (Steffi und Alice - meine Lieben tut mir und uns den Gefallen).
Am 3.12. ist zunächst Romy Haag angesagt, Yvonne hat immerhin 11 Karten vorfinanziert und hofft nun, dass auch alle Anmeldungen kommen. Danach geht es sicher ins Berliner Nachtleben. Am 17.12. ist Geburtstags- und Weihnachtsfeier bei Steffi. Am 23.12. heiratet Renè –  einen wesentlichen Teil der TransSisters werde ich wohl auf der abendlichen Feier treffen. Und dann ist auch schon Sylvester.
Ich finde, dass die Termine im Dezember reichlich bemessen sind. Einige von uns treffen sich ja eh an den bekannten Stellen.
Übrigens am kommenden Mittwoch abends findet im LukiLuki eine Benefiz-Veranstaltung zu Gunsten der AIDS-Hilfe statt – wenn ich nicht zu fertig von meinem Tagwerk bin, werde auch ich mich für die vorwiegend schwule Risikogruppe engagieren.

So, das soll es dann auch für diesen Sonntag gewesen sein. Ich hoffe, dass ich nicht zu philosophisch geworden bin und Eure Zeit nicht über Gebühr in Anspruch genommen habe. Wenn doch, dann schreibt mir. Und wenn nicht, dann schreibt mir auch. Ich hab mich über die Reaktionen auf die letzte Wochenmail wirklich riesig gefreut.
Also denn, auf in den letzten Monat des zweiten Jahrtausends!

Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Woche
Eure Sabine