Wochenmails 2000

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.... Ihr habt es sicher schon gemerkt, es gibt ein paar kleine technische Änderungen beim Versand der Wochenmail. Und das hat seine Gründe. Seit genau einem Jahr versende ich nun wöchentlich meine Mail an einen immer größer werdenden Empfängerkreis - aktuell sind es 53 EmpfängerInnen. Schön, dass es bisher noch keine Abmeldung gab (die einfach verschwundenen Mailadressen mal nicht gerechnet) und schön, dass es ständig neue Anmeldungen gibt. Doch der administrative Aufwand wächst natürlich - hatte ich doch unlängst einige von Euch nicht im Verteiler, obwohl ich fest davon überzeugt war. Nun bin ich im Netz per Zufall auf die Seite www.ecircle.de gestoßen und habe hier die für mich (uns) ideale Lösung gefunden. Ich habe einen ecircle als Mailiste eingerichtet, an den sich jede(r) der mag automatisiert an oder abmelden kann. Ich habe alle meine festen Teilnehmer zunächst als Mitglieder eingetragen, Ihr müsstet inzwischen eine entsprechende Mitteilung erhalten haben. Eure Mail-Adressen sind in einem geschützten Bereich abgespeichert und von keinem Außenstehenden einsehbar. Die ganze Sache hat zudem einen Vorteil: Jede(r) kann auf meine Mail reagieren und antworten oder einen eigenen Beitrag formulieren. Diese Nachricht wird wieder an alle Teilnehmer der Mailingliste verteilt. Ich erhoffe mir davon einen breiteren Gedankenaustausch und zudem für jede(n) die Möglichkeit Kritiken an alle Teilnehmer zu senden. Natürlich könnt Ihr auch weiter an mich direkt schreiben unter der gewohnten Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Ihr braucht Euch das nicht alles merken, entsprechende Links habe ich auf unserer HP bereits gesetzt.
Soviel zum technischen Teil, ich hoffe mal, dass alles so funktioniert wie ich mir das vorstelle und sich auch in den umfassenden Tests bestätigt hat.
Ein Jahr Wochenmail ist eine ganz schöne Strecke und ich wundere mich selbst über meine Ausdauer und Eure Geduld. Mal abgesehen von den aktuellen Aktionen und Ereignissen von und mit den TransSisters, hat ein nicht unwesentlicher Teil von Euch auch meine ganz persönlichen Höhen und Tiefen mit durchlebt. In diesem Zusammenhang: Danke an diejenigen, die mir in den Tiefen Mut gemacht und mich auf neue Gedanken gebracht haben. Und ein besonderer Dank geht auch an jene von Euch, die sich an den Diskussionen so rege und offen beteiligt haben. Nur so entsteht ein wirkliches Abbild der Transgender und ihrer Angehörigen in seiner Vielfalt, Pracht und Hässlichkeit. Mich haben diese elektronischen Diskussionen allemal weiter gebracht und ich weiß das auch von anderen. Letztlich möchte ich mich noch für die vielen lobenden und, Gott sei Dank, wenigen kritischen Worte zu meinen Texten bedanken. Wie sagte doch Carola so schön? "Der Applaus ist der Lohn des Künstlers" und ich möchte dem hinzufügen: "Der Buhruf ist ein Lohnabzug für schlechte Arbeit und Anlass über diese Arbeit nachzudenken". Ich brauche beides. Wobei, mit Lob kann ich natürlich viel besser umgehen, Kritiken muss ich immer erst mal verdauen.
Genug davon. Doch dieser kleine Geburtstag sollte solche Gedanken schon mal zulassen.
Aber ein anderer, viel wichtigerer, Geburtstag steht bereits vor der Tür. Es ist wohl im September vergangenen Jahres gewesen, in dem sich eine damals noch recht kleine Gruppe von Berliner Transgendern den Namen "TransSisters" gegeben hat. Die in Arbeit befindliche Sommerparty wird wohl auch zugleich die erste Geburtstagsparty werden und ich bin sicher, dass es nicht die Letzte wird. Ich hoffe mal, dass sich die letzten Verwirrungen in den nächsten Tagen auflösen und der Partytermin und -Ort dann endlich klar ist. Übrigens, wir sind nicht die einzigen TransSisters auf dieser Welt. Der etwas unglückliche erste Kontakt zu den Schweizer Schwestern ( zur Erinnerung www.geocities.com/gwhf_ch )ist Euch ja sicher noch in geläufig. Brandneu in unserer Linkliste ist eine Seite in England mit dem bezeichnenden Titel: http://trans.sister.org/ . Schaut Euch doch mal dort um. Beide Seiten sind wirklich gut gemacht und recht informativ.
Sicher fragt Ihr jetzt, ob es denn nichts weiter zu berichten gibt. Ja und nein. Ja, weil natürlich ständig etwas bei den TransSisters passiert, die aktuellen Termine findet Ihr ja auf unserer HP. Und nein, weil ich endlich mal zwei zusammenhängende Wochen Urlaub habe und wohl auch Urlaub von den TransSisters nehmen werde. Pläne habe ich für mindestens vier Wochen, werde mich wohl auf die wichtigsten ganz persönlichen konzentrieren müssen. Urlaub heiß ja nicht nur weggehen, Abstand gewinnen und Erholung. Urlaub heißt auch zurückkehren in den Alltag, nur dann eben mit neuer Kraft und neuen Ideen. Und genau darauf freue ich mich schon jetzt.

Ich bleibe Euch auch im zweiten Jahr der Wochenmail treu und hoffe das gleiche von Euch!
Viele liebe Grüße
Sabine

Hallo liebe Schwestern und Freunde,

ich hatte schon befürchtet, dass der Sonntag vergeht, ohne dass ich eine Möglichkeit habe, diese Mail abzusetzen. Ich mühe mich gerade den zweiten Tag mit der Komplettinstallation meines neuen Rechners und habe inzwischen mindestens 100 mal das Startlogo von Windows betrachtet. Ein Wunder, dass ich meine nicht gerade wohlwollenden Gedanken gegenüber einem gewissen Softwarehersteller nicht in die Tat umsetze. Völlig entnervt und technisch auf ein Minimum eingeschränkt heute eine eher kurze Nachricht - ich hoffe, dass ich den FTP Zugang zu unserer HP bald in die Reihe bekomme und dann wieder voll funktionsfähig bin.
Ein wirklich "lebhaftes" Wochenende, und ereignisreich zudem.
Gestern waren der TransSisters 18 (in der Anzahl) mal wieder in Carolas Treff und haben wohl den Abend umsatzmäßig gerettet. Mal ohne Häme. Dass eine der für mich wichtigsten Pionierlinnen der Transenszene Berlins so wenig Zulauf hat, daher inzwischen die Öffnungszeiten für ihren Treff auf eine Veranstaltung im Monat reduzieren musste, tut mir irgendwo weh. Denn genau dort habe ich die für mich wichtige persönliche Erfahrungen gesammelt und meine heute besten Freunde und Freundinnen kennen gelernt. Interessant: ich hatte ein kurzes Gespräch mit einem Reporter (sagt man das noch?) von der Berliner BZ, der beabsichtigt in der Wochenendausgabe in drei Wochen über die Transgenderproblematik zu berichten. Nun ist die BZ nicht gerade meine Zeitung, doch sie wird von sehr vielen Leuten gelesen und wenn sie über die TransSisters lesen, dann ist das gut. Finde ich jedenfalls und habe alle seine Fragen so gut das in der Kürze der Zeit möglich war, beantwortet. Wir wollen hoffen, dass sich die uns wichtigen Inhalte auch im Artikel wieder finden.
Sonst gab es bei Carola (wie leider schon zu oft) viel zu laute Musik, viel zu wenig Gäste und ein viel zu hohen Eintrittspreis für viel zu wenig Gegenleistung (nämlich nichts) Schade. Doch wie schon einmal erwähnt, es ist Carolas Geschäft, wer weiß, ob es jemand besser könnte. Ich befürchte nur, dass die TransSisters wohl eher zurückhaltend mit weiteren Besuchen sind.
Weil wir gerade bei dem Pressethema sind: Das kleine Heftchen "TransGenderLive" - viele bunte Schmetterlinge, hat sich entschlossen über die TransSisters zu berichten. Ich stehe mit dem Herausgeber, Charis Berger, seit einiger Zeit in Verbindung und habe dieser Tage auch mal ein Probeexemplar erhalten. Mein lieber Mann (Frau!)! Wer weiß, was es für eine Mühe macht regelmäßig Texte zu schreiben, kann in etwa nachvollziehen, welch eine Arbeit dahinter steckt. Nicht, dass ich mich hier jede Woche zur Arbeit zwingen muss, aber alles braucht seine Zeit und muss dann noch in Worte umgesetzt werden - und ich schreibe regelmäßig nur diese eine Mail. Charis liefert dagegen auf über 60 Seiten sachliche und zum Teil gut recherchierte Hintergrundinformationen zu allen Themen unseres Lebens. Das gefällt mir, wenngleich in Sachen Gestaltung und Themenvielfalt sicher das Maximum noch nicht erreicht ist. Aber meine Ideen und Gedanken werde ich ihr noch persönlich mitteilen. Eine Empfehlung ist diese Zeitung und auch die HP unter www.transgenderlife.de allemal (und ich habe dadurch keine persönlichen Vorteile). Schaut doch mal rein, es ist für jede und jeden etwas dabei.
Soviel zur Pressearbeit. Ist doch schon was, oder?
In Sachen Sommerparty ist endlich eine Bewegung zu sehen. Eine mögliche Lokalität wurde gefunden und erste Gespräche geführt. Doch, wenn nur "Weiber" zusammen sind (und die "Quasiweiber" sind sicher nicht die Einfachsten) gibt es dann immer noch mal Probleme im Verständnis der geschäftlichen Kompetenz und Methoden der Verhandlungsführung. Nun ja, life is life. Wer diese Bemerkung nicht versteht braucht sich nicht zu grämen, doch verkneifen konnte ich’s mir wirklich nicht. Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, damit Ihr Euren Besuch bei uns noch recht zeitig planen könnt.
Wenn Ihr denkt, heute gibt es nichts Nachdenkliches zu berichten, dann irrt Ihr. Nur, dass ich darüber nicht sprechen möchte. Jeder Mensch hat so seine inneren Grenzen, auch seinen Freunden gegenüber und auch seiner Partnerin (oder Partner). Und wer kann schon ganz feine und differenzierte Gefühle in Worte fassen, die dann auch noch von der ganzen Welt (jetzt kommt mein Größenwahn!) gelesen werden können.
Doch ich bleib Euch treu und bin bereit für diese Treue an einem Tag 100 mal das Windows - Startlogo zu sehen. Und sehen werden wir uns alle hoffentlich auch einmal.

Seid also ganz lieb gegrüßt bis zur nächsten Woche
Eure Sabine

Guten Abend liebe Freundinnen und Freunde,

da hab ich in der vergangenen Woche ja was angerichtet! Eigentlich hab ich nur „laut“ nachgedacht und eben diese Gedanken aufgeschrieben (siehe Wochenmail vom 9.7. – auch im Archiv nachzulesen) und gleich eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die Chefin der Schweizer GWHF hat zunächst tüchtig sauer auf meine Überlegungen reagiert, diese Reaktion wurde wunschgemäß (und wie bei uns auch Tradition) veröffentlicht und so manche(r) aus der TransSisters-Gemeinde, aber auch von den Schweizer Mädels hat sich dazu geäußert. Den größten Teil der Reaktionen könnt Ihr im Forum auf unserer HP nachlesen. Was da so im Einzelnen geschrieben steht unterliegt nicht meiner Bewertung, doch einen Eindruck zur Stimmungslage, insbesondere in Bezug auf den Umgang der Transgender untereinander und ihr Verständnis vom gemeinsamen Leben und Erleben gewinnt man (frau) schon.
Wortklauberei hin und Wortklauberei her. Interessant ist für mich, dass die GWHF ein funktionierendes Modell für einen Zusammenschluss von Transgendern darstellt. Ich denke, dass es viele Möglichkeiten gibt gemeinsame Interessen auszuleben.
Wirklich wichtig ist mir aber der Kreis in dem ich mein (bescheidenes) Transendasein gestalten und ausleben kann. Und das sind eben die TransSisters als eine sich ständig entwickelnde und verändernde Gemeinschaft von Transgender, die offen sind für jede(n) die/der seine Bedürfnisse in dieser Richtung frei ausleben will, sich für unser Leben interessiert und eben gern mit uns zusammen ist.
Wenn ich die vielen Zuschriften zum Thema richtig gedeutet habe, dann ist die Toleranz für die Bedürfnisse und den Handlungsansatz der Anderen der wohl höchste Grundsatz unseres Zusammenseins. Wenn sich diese Toleranz dann mit dem Verständnis  der eigenen Erfahrungen paart, dann entsteht ein Umfeld für ehrliche Freundschaften oder zumindest Achtung – unabhängig von einengenden gesellschaftlichen Normen.
Doch bedenken wir, so ganz ohne Regeln funktioniert auch unser Zusammensein nicht. Ganz oben an steht die Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten der Mehrheit der Beteiligten als Gegenstück zur Inanspruchnahme der allgemeinen Toleranz. Auf unserer HP werden zum Beispiel alle Beiträge mit eindeutig sexuellen Angeboten konsequent gelöscht. Nicht, weil wir ein prüder Verein sind, sondern weil wir uns schon deutlich von den vielfältigen Angeboten im Internet abheben und ein Plattform für alle Transgender bilden wollen. Dennoch, ein nicht unwesentlicher Teil von uns besucht mehr oder weniger regelmäßig und gemeinschaftlich einschlägige Veranstaltungen in der SM – und Fetisch Szene. Hier geht es in der Tat um Sex, in welcher Form und Ausprägung auch immer. Doch es ist nur ein Teil unseres Lebens und nicht der Gegenstand unserer Vereinigung. Gelegentlich kommt es vor, dass jemand die Gefühle einzelner oder auch der Mehrheit verletzt. Ja, das führt schon mal zu Auseinandersetzungen und ist dann entweder behoben oder führt zu einer partiellen Ausgrenzung. So manche von uns hatte insbesondere in Ihren „Anfangszeiten“ nicht unerhebliche Probleme mit ihrem Outfit. Ich selbst erinnere mich ganz gut daran, aber auch an den respektvollen Umgang mit meinen Befindlichkeiten. Unter Freunden ist eben vieles regelbar. Sicher fällt euch selbst noch die eine oder andere „Regel“ ein.
Diese Regeln hat keiner aufgeschrieben und es gibt sie doch. Es muss sie auch geben, denn sobald Menschen zusammenleben wollen unterwerfen sie sich auch den ungeschriebenen Regeln ihrer Gruppierung. Hinzu kommt der Prozess der Gruppendynamik (eine Wissenschaft für sich). Die wiederum funktioniert quasi ohne bewusstes Zutun des Einzelnen und besitzt doch ein Höchstmass an Freiwilligkeit.
Und genau das ist es! Freiwillig treffen wir uns hier in Berlin und freiwillig treffen sich und handeln unsere Schwestern in der Schweizer GWHF. In jedem Fall haben sich Transgender und ihre Freunde gesucht und gefunden. Gut, dass es dieses Zusammengehörigkeitsgefühl gibt und gut, dass sich alle Beteiligten dabei wohl fühlen. Angesichts der allgemein mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz für unsere Neigungen ist jede Vereinigung von Transgendern (auch unsere) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In diesem Sinne sind wir Verbündete, aber das hat ja auch nie jemand angezweifelt (oder?).
Nun hab ich mich doch „verquatscht“. Eigentlich wollte ich nur ganz kurz auf diese Problematik eingehen. Aber so manche von Euch weiß ja, wie das so geht. Tinte fließt zwar langsamer als Gedanken, aber meine Gedanken fließen am besten mit Tinte und ich wollte in dieser Sache endlich Klarheit haben – wenigstens für mich.
Obwohl recht aufregend und ereignisreich, verzichte ich in dieser Woche auf ausführliche Schilderungen und Wertungen zu unseren Ausflügen ins Nachtleben. Ich war heute erst morgens im Bett, hatte (dummerweise) bereits am Vormittag für den ganzen Tag eine wichtige (freiwillige) Verabredung und bin nun rechtschaffend müde.
Ich bin sicher, dass ich in der nächsten Woche wieder über aktuelle Ereignisse berichten kann und wünsche Euch allen eine angenehme und vor allem erfolgreiche Woche.

Viele liebe Grüße
Sabine

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

die wichtigsten „hausfraulichen“ Arbeiten sind getan (ich habe gewaschen, gebügelt und gesaugt – Staubwischen ist noch nicht nötig!), später ist noch ein Videoabend in trauter Gemeinde angesagt, doch die Wochenmail will ich noch schreiben.
Nachzutragen aus der vergangenen Woche ist noch, dass die "queerwaterworld" TransLesBiSchwule Party im BKA-Luftschoß wirklich sehens- und erlebenswert war. Endlich mal eine Veranstaltung auf der sich jede und jeder wohl fühlen konnte! Die beiden Zelte sind optimal eingerichtet, die Technik (Ton und Licht) ist vom Feinsten und die Liebhaber der eher soften Techno-Musik sind wirklich auf ihre Kosten gekommen. Das Ambiente hat gestimmt, die Leute dort waren super drauf und etwas zu sehen gab es auch – nämlich ein kleines Programm unter dem Titel „Tunten in Seenot“.
Was haben Tunten (für mich überdrehte Schwule, die die Weiblichkeit eher karikieren als wirklich leben wollen) mit Transgendern zu tun? Nun, sehr wenig und sehr viel zugleich. Wenig, weil unsere Motivation sicher weitab von jeglicher Karikatur der Weiblichkeit liegt und viel, weil sie ihre eigene Identität leben. Ich hab mich prächtig amüsiert. Und, ich mag auch die Tunten, genau so wie ich jeden mag, der wie ich bemüht ist, sein eigenes Ich zu ergründen und zu leben. Unter dem Strich: ein schönes Erlebnis und jederzeit empfehlenswert. Einige Bilder könnt ihr unter dem Zweig TransSisters auf unserer HP betrachten.
In der vergangenen Woche hab ich eine ganze Menge Post (E-Mail) erhalten. Immer mehr Transgender aus gesamt Deutschland und dem Umland von Berlin fragen an, ob und wie wir, die TransSisters, bei ihrem Outing und ihrer weiteren „Perfektion“ behilflich sein können. Und solche Post geht auch bei den anderen Mädels ein, die sich auf unserer Seite vorstellen. Mir ist schon klar, dass die Suche nach eigener Identität und der Mut, diese Identität zu leben, ein gewisses Umfeld benötigen. Ich selbst war vor etwas über einem Jahr sehr froh, auf Menschen gestoßen zu sein, die mir mut gemacht und mich einfach nur akzeptiert haben. Ich weiß wirklich nicht, was mit mir heute wäre, wenn ich nicht auf die heutigen TransSisters gestoßen wäre. Wir haben in den vergangenen Wochen die Sache mit der direkten und persönlichen Unterstützung für all die Interessenten lange und immer wieder diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht die gesamte Palette der oftmals erforderlichen Beratungs- und Unterstützungsarbeit leisten können.
Wir sind eine Gruppierung von Transgendern in Berlin, die ihr Leben gemeinsam gestalten und sich in soweit auch praktische Unterstützung leisten. Wir sind keine Selbsthilfegruppe oder Beratungsstelle für Transsexualität oder Transvestismus im klassischen Sinne, derer gibt es in fast allen großen Städten. Ich, aus meiner Sicht kann den Berliner Sonntags-Club dafür nur wärmstens empfehlen. Es gab eine Zeit für mich, da war eine sach- und fachkundige Beratung für mich überlebenswichtig und die dort gesammelten Erkenntnisse letztlich Grundlage für die Entscheidungen über mein weiteres Leben.
Ich stelle mir das Leistungsangebot für Transgender eher zweistufig vor. Auf der einen Seite steht die Beratung und Findung durch die bekannten Vereine und Selbsthilfegruppen und auf der zweiten Stufe gibt es Gruppierungen, wie die TransSisters, die einfach nur leben und sich dabei unterstützen. Sicher, die Grenzen sind fließend. Ich kann das an einigen unserer Schwestern beobachten und weiß aus eigener Erfahrung, dass auch ich gute Freundinnen und Freund brauche um mich in dieser Welt zu verwirklichen. Hinzu kommt, dass die TransSisters wirklich nur eine lose Gruppierung ohne jeglichen organisatorischen Rahmen sind (alle sind berufstätig) und für weitergehende Beratungen einfach der dafür erforderlichen zeitlichen Rahmen nicht vorhanden ist. Dennoch, jede und jeder, der zu uns kommt, wird mit offenen Armen aufgenommen und jede(r ), die eine direkte oder moralische Unterstützung braucht hat die bisher immer erhalten. Die TransSisters können nicht nur tanzen, sie können auch reden, zuhören und (das ist das wichtigste) sie können verstehen. Ich kann also jedem, der seine Ambitionen als Transgender ausleben will, nur empfehlen mal bei uns vorbei zu schauen. Toleranz, Verständnis und Spaß sind garantiert.
Und dann gibt es, wie soll es auch anders sein, auch nachdenkliche Post. Eine wirklich liebe Freundin schreibt dieser Tage, dass ihr Outing immer mehr Kreise zieht und sie sich so langsam Gedanken machen muss, wie wohl ihr (wirklich konservativer) Arbeitgeber auf entsprechende Nachrichten, was der Topp-Angestellte in seiner Freizeit alles treibt, wohl reagieren würde. Nun ist sie auf die Idee gekommen, sich prophylaktisch von anerkannter Stelle Transsexualität bescheinigen zu lassen, denn das ist eine anerkannte Krankheit und nicht einfach nur eine perverse Ausschweifung. So könnten vermutliche Kündigungsabsichten vereitelt, oder zumindest erschwert werden.
Clever! Aber, was ist denn das für eine Welt? Ich könnte rasend werden! Da flüchtet sich der für mich reinste Mensch in einen rechtlichen Winkelzug, nur weil er gern Frauenkleider trägt. Er (sie) tut keinem Menschen etwas zu leide, lebt einfach sein Leben und kann es doch nicht leben. In mir sind Trauer und Zorn und doch ein wenig Zuversicht, dass die Sache dann doch noch gut ausgeht. Ich selbst merke ja immer wieder, dass ich bei meinen Ausflügen in die Öffentlichkeit mehr mit Sympathie und Freude betrachtet, als dass ich angefeindet werde. Warum das auch immer so ist, es tut mir gut und macht mir Mut. Ich denke in diesem Zusammenhang an einen Ausflug auf den Potsdamer Platz am Anfang der vergangenen Woche. Sylvia hat die Situation treffend zusammen gefasst: „Wenn ich sonst hier lang gehe sehe ich Köpfe von hinten und von der Seite, heute sehe ich nur Gesichter“. Aufmerksamkeit, na gut und „schräger Vogel“ auch, aber auch einfach akzeptiert in unserer Lebensweise. Mir hat dieser Ausflug gut getan.
Gestern war mal wieder eine private Party angesagt – Alice und Beatrice hatten zum Grillabend geladen und alle haben etwas mitgebracht. Ich denke, der kleine Berliner Vorort wird noch lange darüber nachdenken, was das wohl für eine schräge Truppe war, die sich da (wegen der extrem unsommerlichen Witterung) zum Teil im Pelz am Grill gescharrt hat. Aber Spaß gemacht hat es allemal. In trauter und altbekannter Runde gab es viel zu Erzählen und natürlich auch viel zu Essen und zu Trinken. Ein gelungener Abend, an dem auch wieder neue Projekte geschmiedet wurden – ich werde sicher bald darüber berichten. Natürlich gibt es auch ein paar Bilder davon, ich hoffe, dass ich die Zeit finde, sie in den nächsten Tagen zu veröffentlichen.
So, jetzt ist aber genug, ich will noch einige Vorbereitungen für die nächste Woche treffen.
Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche Woche.

Viele leibe Grüße
Sabine

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

... deutlich mehr als 10 Tausend Zugriffe hatte unsere Seite www.TransSisters.de in den letzten 5 Monaten! Das heißt unser Angebot wird täglich zwischen 60 und 70 mal abgerufen. Ich hatte mit einem solchen Erfolg nicht gerechnet und wohl auch kaum jemand von den insgesamt 4 Machern, die sich fast täglich um die Aktualität und Funktionalität der einzelnen Rubriken bemühen. Hier also endlich mal einen öffentlichen Dank auch an Alice, Mania und Regina.
Schade nur, dass die gezählten Zugriffe so schlecht qualifizierbar sind. Ich denke aber, dass diese Resonanz eine Ursache zum einen in dem relativ großen Informationsbedürfnis der im Verborgenen agierenden Transgender (oder solcher, die sich dafür halten) liegt. Auf der anderen Seite bin ich sicher, dass unsere Seite eben „das andere Angebot“ zu diesem Thema darstellt und deshalb (hoffentlich) auch von den einzelnen Usern öfters besucht wird. Auf jeden Fall freue ich mich über diesen Erfolg – unsere Arbeit hat sich gelohnt und es ist ja nicht nur Arbeit, sondern hat auch einen beachtlichen Spaßfaktor.
In diesem Zusammenhang noch eine Anmerkung zu meiner Wochenmail. Ich wurde in letzter Zeit häufig gefragt, ob es wohl möglich ist, die zurückliegenden Mails in geeigneter Form zu veröffentlichen. Das ist es! Im Archiv auf der HP der TransSisters sind die Texte nun auch öffentlich archiviert. Ich befürchte allerdings, dass (insbesondere im Zeitraum August bis Oktober 99) einige Mails im Nirwana meines Rechners verschollen sind. Solltet Ihr also eine dieser im Archiv fehlenden Mails zufällig aufgehoben haben, dann schickt mir doch bitte eine Kopie. Bei der Aufbereitung der Texte hab ich mal wieder darin gelesen. Das ist ja manchmal eine ganz schön persönliche Sache, die da in den Äther hinausgegangen ist. Andererseits haben mir die regelmäßigen Zuschriften gezeigt, dass ich mit meinen Sichten und Auffassungen nicht allein bin. Zudem gab es in der ganzen Zeit nicht eine Abbestellung der Mail, lediglich zwei Mailadressen waren nicht mehr erreichbar und eine EmpfängerIn hab ich wohl mit Absicht gelöscht. Dann kann es auch so bleiben. Mir macht es Spaß, mich auf diese Weise mit der Welt und mir auseinander zu setzen.
Letztlich in Sachen Internet: Ich will mich bemühen, noch heute ein paar Bilder vom CSD ins Netz zu setzen und schaut doch mal in das Forum, Alice hat dort einen Beitrag zur Vorbereitung des CSD 2001 geschrieben. Für möglichst viele Rückmeldungen wären wir dankbar.
Nach dem Highlight der letzten Woche und den damit verbundenen (wohlgemerkt freiwilligen) Strapazen, hatte ich an diesem Wochenende nicht so richtig bock auf ausschweifende Aktivitäten. Hinzu kam, dass ja auch in meiner neuen Wohnung noch so einige Schrauben gedreht werden wollten – ich will endlich hier richtig ankommen. Und so gab´s in dieser Woche ein ganz „normales“ Transenleben nach dem Muster Sabine. Am Tage arbeiten und am Nachmittag / Abend Freunde treffen oder die nötigen Dinge für den Job bzw. den Haushalt tun. Und das alles, je nach Stimmung, als Sabine oder Bernd.
Doch Ereignislos war die Woche mitnichten. Am Dienstag hab ich mehr zufällig eine PR-Veranstaltung eines bekannten Elektronikkonzerns (beginnt mit S und endet mit S) besucht. In diesem Rahmen gab´s auch einen Vortrag zum Thema „Lust durch Leistung“, gehalten von Herrn Prof. Dr. Cube, ein selbst bezeichneter Naturwissenschaftler und wohl ehemals Pädagoge. Das Thema war klar, die Lust an Leistung, und Leistung die Lust bereitet – ein altes Problem der Motivation und der Menschenführung. Doch die Herangehensweise war eher ungewöhnlich. Wer sich mit diesem Thema schon einmal auseinandergesetzt hat, weiß, dass sich schon ganze Generationen von Forschern – vorwiegend aus dem Bereich der Psychologie, daran versucht hat. Herr Cube hatte aber einen (wie er vorgab) naturwissenschaftlichen Ansatz gewählt und die ganze Problematik an der Existenz und Funktion der menschlichen Triebe festgemacht. Triebe? Das kenn ich, die hab ich auch! Und die Sabine in mir hat dann doch zum vom Veranstalter bereitgestellten Stift und Notizblock gegriffen.
Also, auch der Mensch verfügt über grundlegende Triebe. Da sind unter anderem der Nahrungstrieb (nicht einfach nur Hunger), der Aggressionstrieb (nicht einfach nur Wut im Bauch) und natürlich der Sexualtrieb (natürlich auch nicht einfach). Es gibt noch mehr, die hab ich aber vergessen oder verdrängt. Interessant aber: Mit ansteigender Triebstärke wächst die Handlungsbereitschaft zur Befriedigung eben dieser Triebe. Und die Befriedigung der Triebe bereitet letztlich Lust. Jetzt das vorläufige Ende dieser Gedankenkette: Die Lust, die der Mensch haben möchte, holt er sich auf der Basis immer höherer Reize.
Da sind wir wieder. Ein Leben nach dem olympischen Motto „Schneller Höher Weiter“? Wenn man Herrn Cube folgt, schon. Ich lasse mal die ganzen Möglichkeiten der Einflussnahme durch das Bewusstsein hier bewusst raus. Ist es einer besonderen Triebhaftigkeit, die mich veranlasst, Frauenkleidung zu tragen und so Lust zu erzeugen? Ich finde das ein wenig einfach. Andererseits, historisch gesehen, hat die Sache bei mir (und ich weiß bei vielen anderen auch) genau so funktioniert. Mal abgesehen von diversen kindlichen Versuchen und Aktionen, Lust hab ich schon bewusst empfunden. Da waren erst vergleichsweise geringe Reize (Slip, Strumpfhose, Strümpfe – Ihr kennt das alle) und mit der Zeit wurden die Reize größer und umfassender – die komplette Darstellung als Frau mit all den Attributen, die für mich dabei wichtig sind...
Halt, zurück zum Herrn Professor: Der Prozess der Lustbefriedigung wird als so genannter „flow“ bezeichnet. Warum müht sich der Bergsteiger immer wieder aufs Neue (so der Professor) oder vergleichsweise, warum bleibt Sabine mit ihrem Fummel nicht in ihrem Kämmerchen (so Sabine)? Ganz einfach. Unsicherheit, die ich vermeintlich nicht bewältigen kann ist Angst und Unsicherheit, die bewältigt wird ist flow, bereitet Lust und diese wieder ist zugleich ein Ergebnis der Triebbefriedigung. Logisch!
Und es ist in der Tat für mich eine Herausforderung im Fummel an ganz gewöhnliche Orte zu gehen und dann festzustellen, dass die Situation zu bewältigen ist. Der Volksmund sagt auch „Kick“ dazu. Auch das ist ein Grund, warum ich (und der größte Teil von uns) mich nicht nur im Szenebereich aufhalte. Natürlichkeit, Selbstverständlichkeit und der erwähnte Kick sind die Mischung, die ich brauche. Ja, und davon kann ich nicht genug haben.
Vielen Dank Herr Professor Cube! Das hatten sie mit Ihrem Vortrag zur Mitarbeiterführung und –Entwicklung sicher nicht beabsichtigt. Eher unfreiwillig weiß ich jetzt ein bisschen mehr, wie das alles bei mir funktioniert. Ja, die Lust ist mir wichtig – im Beruf und auch ganz privat. Ich werde meine Triebe im Auge behalten und für ständigen „flow“ sorgen, denn genau das ist bewusstes Leben.

Ich wünsche Euch eine triebreiche, befriedigte und immer im fluß befindliche Woche und würde mich freuen, wenn wir einen Teil davon gemeinsam verbringen könnten – gemeinsam fließt es besser und schneller.
Bis hoffentlich bald und
Viele liebe Grüße
Sabine