Wochenmails 2000

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.. wie wunderbar! Eine Woche fast ohne Arbeit - einfach mal ein gutes Buch gelesen, viel geschlafen, einen kleine Ausflug unternommen und bemüht, die Herzliebste zu verwöhnen. Und dazu hab ich endlich den Mietvertrag für die neue Wohnung unterschrieben. Zum Abschluss dann gestern die tolle Party der „Siegessäule“ und heute ein wenig kostbarstes Porzellan „zerteppert“. Eine Woche nach meinem Geschmack? Insgesamt schon.
Allein der Ausflug in der Mitte der Woche, wir waren der TransSisters vier, ins Brandenburgische Land, an einen der vielen wundervollen Seen, hat den Tag und die Woche gelohnt. Sieht man mal von den unendlichen Mengen Unrat und Müll ab, die den Maxsee umsäumen, ist ein Picknick in freier Natur eine tolle Sache, die auch ohne Fummel seinen Reiz hat. Wesentlich dazu beigetragen hat unsere Freundin Silvia mit Ihren wirklich liebevollen Lunchpaketen und einer wahren Vielfalt an „Sahnejogurts“ (und nur sie weiß, wie man diese tollen Becherleckereien abwechslungsreich präsentiert). Da war dann auch genügend Zeit zum Schwatzen und Klatschen, zum Nachdenken und Schweigen.
Gestern dann war die große „Siegessäulen Party“ im Speicher und Glashaus. Obwohl schier unendlich im Ausmaß, war der Laden ab spätestens Mitternacht rappelvoll und zudem eine Bombenstimmung unter den bestimmt 2000 Anwesenden. Nunja, man sollte sich natürlich darüber im klaren sein, worauf man sich bei einer solchen Party einlässt. Gefragt sind in jedem Fall bequeme Schuhe (Sitzgelegenheiten gibt es für maximal 1 Prozent der Anwesenden) und ein Tasche zum umhängen hält die Hände frei, die Eine für das Getränk im Plastikbecher und die Andere für die Zigarette oder zur Abwehr gelegentlich drängelnder Zeitgenossen. Das mit den Schuhen hatte ich zum Glück über weite Strecken im Griff, allerdings war auch ich nach einigen Stunden ziemlich fußlahm. In jedem Fall hatte ich die falsche Handtasche dabei, meine kleine Lacktasche namens „Isabel“ war zwar wirklich schick, aber eben nicht über die Schulter zu werfen. Musik war reichlich und laut vorhanden, getanzt wurde an allen Orten und trotz der Fülle kam keine Platzangst auf. Wie auch immer, schön zu sehen, wie groß die Lesergemeinde der „Siegessäule“ ist und diese Gemeinde versteht es, gut und ausgiebig zu feiern. Und schön, dass wir dabei waren.
Ihr habt es sicher schon gemerkt, heute gibt es mal nur blabla. Eigentlich wollte ich mich zu einigen inhaltsschweren Gedanken auslassen, doch als ich dann losschreiben wollte, waren die Gedanken doch noch nicht klar genug. Aber was heute nicht ist, kann ja in der nächsten Woche werden. Und da hört Ihr dann auf jeden Fall wieder von mir.

Ich wünsche Euch allen eine angenehme und erfolgreiche Woche!
Seid also ganz lieb gegrüßt
Eure Sabine

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

die sommerlichen Tage haben sich erst einmal verabschiedet, wie auch sonst, ich hab ja in der nächsten Woche ein paar Tage frei, was brauch ich da den Sonnenschein. Eigentlich wollte ich in dieser Woche meinen Umzug in eine neue schönere Wohnung vorbereiten, doch nichts ist veränderlicher als ein Plan. Und so hab ich halt Zeit für all die Dinge, die mir noch nicht eingefallen sind.
Sabine war in der vergangenen Woche wieder mit den TransSisters unterwegs und hat eine ganze Menge neuer Eindrücke sammeln können. Am Freitag war dann Gerits angekündigte Geburtstagsparty. Man, hat Gerit viele Freunde und -Innen! Und dazu noch alles nette Leute. Der Saal im „Bilderbuch“ war gut gefüllt das Büfett, gut und reichlich und ich zudem wieder maßlos damit beschäftigt. Man soll wirklich nicht hungrig zu derartigen Veranstaltungen gehen!
Doch das Sahnehäubchen an diesem Abend hatte keine Kalorien, war aber eines der angenehmsten, das ich in letzter Zeit überhaupt erlebt habe. „Caspar und Bianka“, zwei bekennende Transgenderdamen, boten, bewaffnet mit einem Flügel und einem Kontrabass, einen Auszug aus Ihrem Programm. Wir erlebten nachdenkliche und witzige Texte, endlich mal wieder ausgeprägte Stimmen und immer mit einem Augenzwinkern bei der eigenen Nabelschau.
Das lernt uns: schwul- lesbische und Transgenderthemen können auch so verarbeitet werden, dass man nicht gleich das Gefühl gewinnt, Bestandteil irgendeiner therapeutischen Maßnahme beizuwohnen. Ich war begeistert und hab mich gefragt, warum ich die beiden noch nicht im Fernsehen gesehen habe. Wie auch immer, wer also mal für eine Veranstaltung Bedarf hat, der sollte sich an Gerit wenden, sie kann sicher einen Kontakt zu den beiden Damen(?) vermitteln.
Gestern dann, sind wir in die Spielbank im Berliner Forumhotel eingefallen, mit der festen Absicht, nicht mehr als das beabsichtigte Limit zu verspielen und dem heimlichen Wunsch die Bank zu sprengen. Das mit dem Limit hatte ich ja noch im Griff. Obwohl ich meinen Einsatz kurzfristig verdoppelt hatte, war zum Schluss doch alles verspielt. Andere waren da etwas glücklicher dran, doch wir alle müssen unseren Lebensunterhalt weiter mit Arbeit verdienen. Wichtig war für mich das Erlebnis.
War schon mal jemand von Euch in einer Spielbank? Und wenn ja, dann auch im Fummel? Ich nicht. Und so hab ich für diesen Anlass mein schönstes Abendkleid und die feinsten Strümpfe angezogen. Mein Make Up war perfekt. Und dennoch hatte ich ein wenig Sorge, wie wir denn in diesem erlauchten Kreis aufgenommen würden.
Allein unser Auftritt in der Hotelhalle verursachte einen Auflauf und offene Münder bei einer Gruppe der allseits beliebten asiatischen Touristen. Die waren so fasziniert, dass sie sogar das fotografieren vergessen haben. Und dann ging’s ab in das 37. Stockwerk.
Die nächste Hürde war die erforderliche Registrierung eines jeden Spielers (hier Spielerin) mittels Personalausweis. Ich hätte auch den Ausweis meiner Mutter, oder die alte Konsum – Mitgliedsmarke vorzeigen können. Die Damen am Einlass haben sich über die offensichtlichen Abweichungen zwischen Erscheinungsbild und amtlicher Registrierung genau so prächtig amüsiert, wie wir. Aber der Einlass war kein Problem. Auch Transgender sind zahlende Kunden und ein Gläschen Sekt als Willkommensgruß wert.
In der Bank selbst waren wir, mal abgesehen von unserer vergleichsweise magreren finanziellen Ausstattung, gern gesehene Spielerinnen und mit Sicherheit besser gekleidet, als so manch andere Frau. Die hatten allerdings so richtig Kohle und hantierten mit den großen Chips, die mit den vielen Nullen. Für mich krönender Abschluss, ein wirklich schicker Garderobenmann, der mir galant in den Mantel half und dabei noch freundlich lächelte. Vielleicht hätte ich ihm eine Mark Trinkgeld geben sollen? Der Abend hatte wirklich Stil.
Genug geschwärmt. Vielen Dank für Eure wirklich zahlreichen Zuschriften zum Thema „TransAktuell“. Wir haben inzwischen auch in einige (allerdings schon betagte) Exemplare dieser Zeitung geschaut. Unsere Freundin Connie hat den Stand der Diskussion am treffendsten zusammengefasst und soll hier einfach mal zitiert werden:
„...TA ist primär ein Porno-Blättchen mit TV/TS-Kontaktanzeigen , erscheint monatlich in Köln und hat den "Anspruch" bundesweit alle Transen über die "Szene" zu informieren, alles gespickt mit entsprechenden Fotos (die natürlich als Wi-Vorlage dienen sollen). TA hat auch schon seriös über andere Partys berichtet, z.B. Tuntenball oder die TV-Bälle von Geraldine in Ffm. Ich schließe nicht aus, dass sie einigermaßen seriös" über uns berichten, nur sollten wir uns darüber im klaren sein, in welchem Rahmen wir dann zu sehen sind... Jede von uns hat natürlich die Möglichkeit, wenn sie es denn gut findet, sich in diesem Magazin zu präsentieren, in welcher Aufmachung auch immer. Soweit die bedenkliche Seite aus meiner Sicht. Vorteilhaft daran ist natürlich, uns und unsere Aktivitäten noch bekannter zu machen und dadurch vielleicht die eine oder andere Schwester noch kennen zu lernen. ... Wie auch immer: Unseren "Ruf" verbessern würde diese Aktion sicherlich nicht, ob es ihn aber verschlechtern würde und ob es uns etwas genützt hat wird sich erst hinterher erweisen....“
Nun kann man (frau) bei der Bewertung der Zeitung sicher unterschiedlicher Ansicht sein. Aber genau diese unterschiedlichen Bewertungen sind im Moment das eigentliche Problem. Es gibt zu diesem Thema keinen homogenen Willen unter den aktiven TransSisters, wenngleich die scheinbare Mehrheit im Umfeld der TA nicht in Erscheinung treten will. Und genau das ist auch meine Meinung. Wie manch andere von uns bin auch ich nicht frei von Fantasien und Ambitionen. Doch das ist nicht das vordergründige Anliegen der TransSisters. Jede soll ihren Neigungen – welcher Art sie auch immer sind – nachgehen. Die TransSisters jedoch vereinigen Transgender aller Schattierungen und das auf einer Ebene, die für alle akzeptabel ist, die den gemeinsamen Schnittpunkt aller individuellen Interessen bildet. Und so soll es aus meiner Sicht auch bleiben. Ich denke, dass ein solcher Artikel im TA uns nicht wirklich weiter hilft. Trotzdem, wer sich dort präsentieren will hat ja die Möglichkeit, mit dem Herausgeber (Wilfried hat mich angeschrieben) in Verbindung zu treten.
Wenn Ihr mich also nicht massiv davon abhaltet, werde ich das Projekt für die Vereinigung der TransSisters in den nächsten Tagen absagen. Übrigens arbeite ich seit einiger Zeit daran, mit Unterstützung eines befreundeten Journalisten, einen Beitrag über uns in einer der großen Berliner Tageszeitungen zu platzieren. Das ist zwar eine recht mühselige Angelegenheit, aber irgendwann wird es schon klappen.
So, liebe Mädels und Jungs. Das soll es für heute gewesen sein. Der Kerl in mir will so schnell wie möglich in den Fernsehsessel, denn Schumi fährt gerade in die Startaufstellung – die Formel 1 ist so ziemlich das einzige Fernsehvergnügen, das ich mir regelmäßig gönne. Und außerdem hab ich schon genug geschwatzt.
Ich wünsche Euch allen eine schöne und erfolgreiche Woche und hoffe weiter auf Euer wohlwollen.

Viele liebe Grüße
Sabine

Guten Abend TransSisters, Freundinnen und Sympathisanten,

heute hat es gedauert, bis ich zu meiner wöchentlichen Mail gekommen bin – ich war in den letzten Tagen in meiner eigenen Büroarbeit nicht gerade fleißig und durfte nun all das nachholen, was ich schon längst hätte tun müssen. Ihr kennt das sicher, man weiß schon länger, dass Termine versprochen sind, aber erfüllt werden sie erst in letzter Minute. Und so ist es mir heute gegangen. Zudem musste sich Sabine an diesem Wochenende ausleben und der Kerl in mir wollte dann auch noch das aktuelle Formel 1- Rennen genießen. So ganz nebenbei hab ich dann noch ein paar Stunden an einem prähistorischen Modell der Computertechnik geschraubt. Meine eigene Kiste gibt auch bald seinen Geist auf. Aber dafür hab ich nun überhaupt keine Zeit. Viel schlimmer, mein Nagellackentferner ist alle, ich werd wohl morgen, beim Job, öfters die Hände in den Taschen haben. Gott sei Dank hatte ich an diesem Wochenende einen farblosen Nagellack gewählt, die Chance der Kompromittierung ist gering.
Hinzu kommt, dass gerade Spargelsaison ist. Ich werd von meiner Umwelt ständig damit verwöhnt und hab allein schon ein ganzes Feld davon aufgegessen. Das allein ginge ja noch, doch die nahrhaften Zutaten bringen mich noch um. Damit sind alle meine ehrgeizigen Ziele, meine Taille betreffend, zum Teufel gegangen. Wäre ich doch nur allein Mann, dann wär mir das vielleicht egal. Oder wäre ich doch nur allein Frau... Doch dann hätte ich auch eine saftige Neurose. Ich bin Beides, habe also doppelt Probleme. Ist das nicht schlimm?
Nee! Ich fühle mich eben nur in dieser Doppelrolle wohl und das kann ruhig so bleiben. Soviel zu den Problemen, die sich aus einer chaotischen Terminplanung und (für mich) dem Alltag ergeben.
Bei den TransSisters wird’s im Frühling so richtig lebhaft. Nicht nur, dass die Röcke wieder kürzer werden, es steht auch sehr viel auf dem Programm der nächsten Wochen. Schaut also bitte mal rein, in die Programmseite auf unserer HP. Auch dort wurden wieder einige Zimmer renoviert. Ganz neu der Zweig „Tipps / FAQ“, der demnächst in „Info“ umbenannt wird. Eure Meinungen und Kommentare bitte an Regina . Und auch die Bilder im Zweig TransSisters wurden überarbeitet und sind übersichtlicher gestaltet. Euere Lob sendet bitte an Sabine, also an mich. Ich werde mich bemühen, die Bildergalerie ständig aktuell zu halten. Übrigens, hier noch einmal das Angebot an alle. Jeder Transgender hat (unabhängig von seinem Wohnort und der Teilnahme an unseren Aktivitäten) die Möglichkeit der Selbstdarstellung auf unserer HP und kann zudem eine eigene E-Mail Adresse erhalten. Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr Vielfalt demonstrieren könnten. Einzige Bedingung sind die auf unserer Startseite formulierten Grundsätze.
Die aktuellen Termine und Verabredungen sind jetzt einfacher und schneller ersichtlich. Verantwortlich dafür ist Mania. Den aktuellen Terminen kann ich noch ein weiteres freudiges Ereignis hinzufügen: Unsere Freundinnen Christa und Gerit holen Ihre Geburtstagsparty nach und die TransSisters sind dazu herzlich eingeladen. Wer also will und kann, der sollte am 19.5.2000 gegen 20:00 Uhr mal im Cafe „Bilderbuch“ in der Berliner Akazienstraße 28 sehen, was da so läuft. Wenn Ihr dann noch 5 DM als kleinen Kostenbeitrag parat habt, dann seid Ihr sicher herzlich willkommene Gäste. Ich finde das angesichts der versprochenen Sensationen angemessen und werde sicher zu den ersten Gästen zählen.

In diesem Zusammenhang: Christa (voller Name: .. Lilith Vogel), bevorzugte Anlageberaterin im schwul- lesbischen Bereich, hat am 11.5.2000 in ihrem Büro in der Charlottenstr. 79/80 ab 19:30 einen sg. „Tag der offenen Tür“. Schwul oder lesbisch zu sein, ist allerdings keine Bedingung. Wer sich also für solche Themen interessiert, sollte ruhig mal vorbeischauen. Ich geh mal hin, vielleicht lern ich ja was, oder lerne ein paar interessante Leute kennen. Ich geh auch morgen nach Spandau und besichtige eine mögliche Location für die von uns angedachte Sommerparty der TransSisters im September diesen Jahres.
Und so bleibt alles, und vor allem ich, in Bewegung. Meine Terminverwirrungen bekomme ich schon irgendwie in die Reihe und was mir Spaß macht, tu ich sowieso. Und so soll es auch bleiben.

Ich wünsche Euch allen eine angenehme, verwirrungsfreie Woche und viele leibe Grüße
Eure Sabine

Guten Abend liebe Freundinnen und Freunde,

schon wieder Sonntag. Die Zeit vergeht so schnell, als würde ein riesiger großer Zeitfresser nicht nur Minuten und Stunden, sondern ganze Tage und Wochen mit einem mal verschlingen. Dinge, die gerade erst passiert sind, sind schon längst verschwunden und Ereignisse, die passieren sollen, befinden sich bereits in diesem riesigen Maul. Nur, die Verdauung der Ereignisse dauert etwas länger. Und so bleiben immer die etwas schwerer verdaulichen Fragmente für die weitere Bearbeitung haften, wichtig oder nicht, das spielt dabei keine Rolle. Soviel zu meinem manchmal recht maroden Erinnerungsvermögen. Verarbeitet wird immer nur, was wirklich übrig bleibt und dabei ist auch allerhand (scheinbar?) unwichtiges Zeug.
Ganz frisch, meine Eindrücke aus unserem gestrigen Besuch im KitCat, im alten Kino Metropol (am Nollendorfplatz?). Endlich konnte ich mal wieder meinen Lackfummel austragen, wenngleich ein wenig pressig und mit dem Vorhaben, nun wirklich mit einer Diät anzufangen.
Das KitCat hat aus meiner bescheidenen Sicht mit seiner neuen Stätte unbedingt dazu gewonnen und ist ein echter Geheimtipp für Leute, die gute Techno-Klänge, perfekte Lasershows und ein etwas frivoles Umfeld mögen. Ich bin ja auch nicht gerade der Jüngste und dachte zunächst, wie ich wohl bei meinem Enkel ankommen würde, wenn er wüsste, was ich mir da antue. Aber ein Erlebnis war das allemal. Allerbeste Ton- und Lasertechnik, ausgesprochen erträgliche klimatische Verhältnisse und zivile Preise machen den Aufenthalt im KitCat zu einem echten Erlebnis. Und dazu konnten mein Rock etwas kürzer und die Strumpfbänder etwas länger sein. Was will ich mehr?
Nun ja, ein bisschen mehr darf es schon sein. Zum Beispiel ein paar nette und interessante Gespräche in angemessener Lautstärke. Die hatte ich auch. Und zwar beim abschließenden „Absacker“ im Knemo (wo denn sonst?) und ein paar Tage zuvor beim Frühjahrsempfang von Christa. Eine Menge Leute haben sich dort rumgetrieben, einige davon habe ich gekannt, andere hab ich kennen gelernt und wieder andere kenn ich noch immer nicht. Sogar die Frau Bundesjustizministerin war mal kurz da, aber da hab ich mich noch geputzt und hatte so die Gelegenheit auf ein Schwätzchen zum Thema „Transgender und die Welt“ verpasst. Nun ja, Christa hat ja gute Kontakte, vielleicht ergibt sich ja noch einmal eine Gelegenheit.
Und dann war da noch eine Sache, die mich zunächst „übergerascht“ und dann ein wenig verwirrt hat: Bei uns hat sich der Herausgeber der Zeitschrift „TransAktuell“ gemeldet und für die Juliausgabe einen ausführlichen Artikel über die TransSisters angeboten. Toll hab ich gedacht, endlich ein Forum in dem wir uns präsentieren können. Wir könnten unseren Bekanntheitsgrad erhöhen (die Vorteile liegen auf der Hand – endlich mehr Arbeit für die TransSisters) und zugleich unsere geplante Sommerparty ankündigen. Einige Freundinnen haben aber zu Vorsicht geraten. Wir wissen ja alle, dass nicht alle Medien bei Berichten über Transgender frei sind, von den Sensationsgelüsten ihrer Leser und den damit verbundenen eigenen wirtschaftlichen Interessen. Ich bin im Moment ein wenig ratlos. Sicher, ich entscheide nicht allein darüber, ob ein solcher Artikel erscheint, das ist Sache aller aktiver Berliner TransSisters. Doch ich hab weder positive noch negative Erfahrungen und Argumente. Ich kenn die Zeitung nicht einmal. Andererseits will ich auch nicht ungerecht sein. Nicht gegenüber der „TransAktuell“ und nicht gegenüber der TransSisters - Gemeinde. Sagt mal, kennt jemand diese Zeitung? Ist das eine seriöse Sache und können wir sicher sein, dass unsere Interessen und Grundsätze wirklich rüber kommen? Wir brauchen echt Eure Hilfe! Auf der einen Seite soll die Chance der Öffentlichkeit nicht verpasst werden und auf der anderen Seite haben wir auf unser „untadliges“ Image zu achten. Also, wer was weiß, der sollte sich ganz schnell mal melden, damit wir auch wirklich die richtige Entscheidung treffen. Wirklich wichtig sind die TransSisters und irgendwie gehört Ihr ja alle dazu.
Ach so, heute war ja Muttertag und Kaffeetrinken mit Mutti. Hübsch dabei, dass sie beim Betrachten von Familienfotos auf einem Bild (wirklich nur als Gag gemacht) ein männliches Familienmitglied als Transvestiten identifiziert hat. Wir haben alle herzlich gelacht. ... Wenn die wüsste! Weiß sie aber nicht, denn ich liebe meine Mutti. Ganz besonders am Muttertag.

Also, bis denn in diesem Netz
Seid ganz leib gegrüßt von Eurer
Sabine

Guten Tag TransSisters, Freundinnen und Sympathisanten,

ein Wochenende, wie im Sommer, nur eben, dass noch April ist. Ich fand es gut, dass es gerade mal richtig geregnet hat. Vor ein paar Wochen ist mir das schlechte Wetter noch aufs Gemüt gegangen. Es kommt eben immer auf den Standpunkt des Betrachters an.
Aber das Wetter soll mich nun wirklich nicht davon abbringen endlich mal wieder als Sabine in der Öffentlichkeit zu erscheinen, denn heute Abend ist mal wieder eine Hausparty im Knemo unter dem Motto „Tanz in den Mai“ und morgen zudem ein Feiertag, der immer mehr zum „Kampftag“ der Chaoten und Extremisten mutiert. Da kann ich im Bett bleiben. Ich geh da nicht hin.
Und jetzt gehen die eigentlichen Sorgen erst richtig los. Ich hab mal wieder nichts anzuziehen. Na liebe Schwestern, kennt ihr das? Mein Kleiderschrank ist zwar zu zwei Dritteln mit Frauenkleidern gefüllt, doch der eine Fummel passt nicht mehr (es gibt doch tatsächlich Sachen, die von selbst immer enger werden!) und der andere steht mir heute nicht. Ein Dritter ist so stock hässlich, dass ich mich frage, wie ich so etwas überhaupt kaufen und auch schon mal tragen konnte, der Vierte ist eigentlich mehr für den Winter geeignet, der Fünfte und der Sechste... Mehr hab ich eigentlich gar nicht. Ich hab nichts anzuziehen – was mir gefällt, passt mir nicht und was mir passt gefällt mir nicht! Liebe (richtige) Frauen, die ihr schon unter meiner Ungeduld bei der Auswahl eurer Kleider gelitten habt – ich leiste hiermit öffentlich Abbitte, ich kann euch ja so verstehen!
Obwohl ich mich sicher nicht zu den Trans-Frauen zähle, die immer wieder einen neuen und aufregenden Fummel brauchen, muss ich doch feststellen, dass in dieser Situation meine Kleidungsbedürfnisse deutlich von meinem männlichen Auftreten unterscheiden. Der Mann in mir hat es wirklich viel einfacher. Jeans und Hemd und dazu die dunklen Einheitsschuhe – Ende der Durchsage. Die Frau in mir schreit heute nach einem wirklich schönen Kleid oder einem Kostüm und möchte dann von den anderen wegen des guten Geschmacks und der stilvollen Kleidung bewundert werden. Hab ich aber nicht! Einzig das gewisse Etwas darunter ist für mich klar. Aber wen interessiert das schon und außerdem ist mein Geschmack an dieser Stelle von (zugegebener maßen recht einseitigen) männlichen Vorstellungen geprägt. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich so lange vor den Kleiderschrank zu stellen, bis mir ein gerade noch passendes Teil gefällt und ich dann endlich losgehen kann.
Doch genug davon, ihr wisst ja selbst, wie schwierig solche Entscheidungen sind.
In die Planung unserer Aktivitäten ist wieder ein bisschen Bewegung geraten. Wie bereits an diesem Wochenende, werden künftig die aktuellen Verabredungen spätestens am Freitag jeder Woche auf unserer Programmseite veröffentlicht. Hier trefft ihr sicher nicht alle TransSisters an, aber doch wenigstens einen Teil von uns. Das wird sicher denjenigen helfen, die uns mal kennen lernen wollen. Und auch für die nächsten Monate sind schon die wichtigsten Aktivitäten geplant. Hier eine kurze Vorschau:
06.05.00  „Fritz and his Cats“ in der „Wunderbar“ am Südstern (gute Musik Blues, Soul und Funk)
13.05.00  CitCat-Club im Metropol (ihr wisst schon – da ist dann mal wieder der Lackfummel dran)
20.05.00  Spielbank Berlin im Forum Hotel (hier wir das Taschengeld verzockt)
17.06.00  Dampferfahrt (Mondscheinfahrt mit Feuerwerk zu den Köpenicker Festtagen)
Die genauen Informationen könnt Ihr sicher in den nächsten Tagen unter der oben genannten Adresse abrufen. Und bitte, schaut jeden Freitag mal rein, damit ihr die aktuellen Ereignisse und Verabredungen kennt.
Noch ein paar Worte in eigener Sache: Vielen Dank für die zahlreichen freundlichen und ermunternden Mails, die mich gerade um die Osterzeit erreicht haben. Nein, ich habe nicht die Absicht die (Originalzitat) „Institution“ der Wochenmail am Sonntag sterben zu lassen und möchte weiter aus meinem Transenleben berichten und mich gelegentlich „inhaltsschwer“ über meine ganz persönlichen Ansichten und Draufsichten verbreiten. Nur, auch ich bin natürlich nicht frei von Stimmungen und manchmal sicher recht zweifelhaften Ansichten. Und ich bin nicht das Sprachrohr oder gar öffentliches Organ der TransSisters – Gemeinde. Ich bin halt nur die Sabine, die gern mal ihre Gedanken aufschreibt und gemerkt hat, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren. Bitte daher keine falschen Schlussfolgerungen! Das Leben der meisten TransSisters ist häufig viel lockerer und unkomplizierter, als es durch meine Mails rüber kommt. Und natürlich könnt ihr jeder Zeit durch eine kurze Nachricht aus dem Verteiler gestrichen werden. Ich hab damit wirklich kein Problem.
Wenngleich, ein Problem habe ich noch immer mit meinem heutigen Outfit. Und darum muss ich mich jetzt wirklich kümmern.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche
Eure Sabine