Wochenmails 2000

Einen guten Morgen

wünsche ich den Damen und Herren und auch denen, die ein Problem mit dieser eindeutigen Definition haben.
...nun ist es doch schon nach Mitternacht, also genau betrachtet bereits Montag. Und ich hatte mir so doll vorgenommen, die fällige Arbeit noch am Sonntag zu erledigen. Aber für die Verspätung habe ich gute Gründe.
Meine kleine Transenwelt hatte an diesem Wochenende so einige Ereignisse und auch Überraschungen parat.
Die Überraschung des Wochenendes ist die eigentliche Ursache für diese verspätete Mail. Im „Schwutz“ am Mehringdamm fand heute Abend eine Talk-Runde mit Christa Lilith Vogel, unserer Christa, statt. Eigentlich wollte ich, angesichts einer bevorstehenden anstrengenden Arbeitswoche, nur eine Stunde oder so bleiben, konnte mich dann aber nicht losreißen und bin bis zum Ende der Veranstaltung, gegen 23:15 geblieben. Nur die kleine „Nachfeier“ habe ich mir zugunsten der noch zu schreibenden Mail erspart.
In lockerer Runde hat Christa über Ihren Werdegang als Transgender berichtet, mit zum Teil sehr privaten Erlebnissen und Einsichten. Bemerkenswert für mich: Ich hatte die ganzen langen drei Stunden das Gefühl, Christa ist eine von uns. Sie ist ein gutes Stück Weg zu Ihrer eigenen Identität gegangen und hat dabei, so ganz nebenbei, eine Bresche für alle Transgender geschlagen. Nun war das Publikum an diesem Abend durchgängig wohlgesonnen, doch das ist kein Nachteil. Vielmehr war es dadurch möglich einige, auch schon in unserem Kreis diskutierte Gedanken zu vertiefen.
Die Meisten von uns hatten schon Kontakt mit militanten Transsexuellen, für die es nur klare endgültige Entscheidungen gibt – Mann oder Frau, „Ente oder Trente“. Irgendetwas dazwischen wird verpönt. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft gerade mal mit Mühe den Tatbestand der Transsexualität zur Kenntnis nimmt.
Christa aber, hat in der ihr eigenen Art die wirkliche Vielfalt der Transgender, in ihrem Leben zwischen den gesellschaftlich zugewiesenen Geschlechterrollen, deutlich gemacht. Ihr geht es nicht darum eine Frau oder ein Mann zu sein oder wie sie es ausdrückt „von einem Korsett ins andere zu schlüpfen“ das immer ein Korsett bleibt und die Seele des Trägers einengt. (Anmerkung: der Begriff des Korsetts wird hier Sinnbildlich verwendet, die sicher vielfältigen Vorzüge des gleichnamigen Wäschestücks, sind mir nicht fremd) Es geht also bei der Transgender-Problematik um Identität und ein Leben in dieser Identität. Das kann sicher auch bedeuten, dass eine operative Geschlechtsumwandlung angezeigt ist. Aber es bedeutet eben auch, dass es zwischen den Geschlechterrollen unendlich viele Möglichkeiten der persönlichen Identität und Lebensweise gibt. Genau dafür stehen nach meiner Einsicht die TransSisters. Und Christa gehört dazu. Das hat sie gesagt und glaubhaft vermittelt. Ein lehrreicher, nachdenklicher, amüsanter und angenehmer Abend.
Startpunkt des Wochenendes war die sogenannte „Schöne Party“, am Samstag in Szene gesetzt vom allgemein bekannten Radiosender „Radio Eins“. Ich will es kurz machen, die Veranstaltung war aus meiner Sicht eine ausgemachte Pleite. Und diesmal hatte ich mich wirklich schick gestylt und sogar aus dem Munde meiner schärfsten Kritiker Anerkennung und richtige Komplimente erhalten. Daran hat es also nicht gelegen. Meine Eindrücke könnt Ihr am allerbesten in der nachstehenden Mail an die Macher des Senders nachvollziehen:
Einen schönen Morgen wünsche ich!
... Gestern, am Samstag, war es dann endlich so weit. Die „schöne Party“ sollte kommen und wir waren alle ganz neugierig, wie schön die Party denn nun wirklich sei. Meine Schwestern, und auch ich, hatten das „schöne Kleid“ aus dem Schrank geholt und sich so richtig schön gemacht. Nach weniger erfolgreichem Kampf um „schöne Parkplätze“, haben wir dann reichlich eine „schöne Stunde“ in einer inzwischen längst vergessen geglaubten Wartegemeinschaft verbracht. Es war nicht schwer, festzustellen, dass Eure gepriesene „schöne Party“ hoffnungslos überbucht und der Veranstalter ebenso hoffnungslos mit dem wartenden Publikum überfordert war.
Die Meisten von uns haben ihre Karten dann mit klammen Fingen und „schöner Wut“ im Bauch verkauft und sind an Orte gezogen, wo wir immer sind. Nur zwei haben in der Schlange ausgeharrt, wurden auch eingelassen, haben aber nach einer Stunde die „schöne Party“ wieder verlassen. Da war dann wieder Platz für zwei Wartende vor der Tür. Ein wenig „schöner Abend“!
Schade eigentlich, denn eine professionelle Party hätte so schön zu Eurem professionellen Radio gepasst!
Wenn Ihr also wissen wollt, wer nicht auf der „schönen Party“ war, dann könnt Ihr Euch unter www.TransSisters.de mal umschauen.
Übrigens, auch wir feiern eine Party, unsere „Frühlingsparty“ am 25.3.00 im „Ambiente“ am Kurfürstendamm 133. Nicht ganz so groß wie die Eure, doch tun wir dort genau das, was wir auch auf der „schönen Party“ wollten: Unsere „schönen Kleider“ tragen, tanzen, quatschen und einen offenen Kontakt zwischen Transgender und den Menschen herstellen, die eben nicht so sind, wie wir. In diesem Zusammenhang möchte ich Euch herzlich zu unserer Party einladen – und bringt Eure Freunde und Freundinnen am besten gleich mit. Das wird bestimmt eine schöne Party!.....“

Ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Was gäbe es denn auch noch zu sagen. Nur so viel, wir haben doch noch gefeiert, unsere Kleider beim tanzen geschwungen und gequatscht. Nur eben die Kontakte zu anderen Menschen waren ein wenig spärlicher. Nun ja, das holen wir dann am nächsten Wochenende nach und ich hoffe, es sind möglichst viele von Euch dabei.

Bis Samstag also
Eure Sabine

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.. nach fast drei Tagen Dauerregen habe ich gerade einen Sonnenstrahl erspäht und träume vom Frühling, der ja nun Gott sei Dank nicht mehr weit ist. Dieses Wetter schlägt mir ganz schön aufs Gemüt. Und, wenn auch nicht ursächlich, aber wohl auch damit zusammenhängend habe ich mich ein wenig aus dem öffentlichen „Transensein“ zurückgezogen. Es ist schon komisch, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen hab ich dann einfach keine Lust das Haus zu verlassen und fühle mich in der Einsamkeit, oder wie an diesem Wochenende gehabt, Zweisamkeit, am wohlsten. Natürlich angetan mit meinem liebsten „Hauskleid“, aber eben ganz privat. Die Ereignisse der letzten Woche waren auch nicht gerade ermunternd.
Zuerst war meine „Verkleidung“ zum Faschingsball, (Ihr erinnert Euch? Der gute Anzug zum sonst „weiblichen“ Outfit) wohl doch nicht der große Renner – man (frau) hat mir den absoluten „Kerl“ bescheinigt – und genau das wollte ich ja nicht darstellen. Und mein gestriger Besuch beim Frisör, zur Erstellung einer multifunktionalen Frisur, war auch nicht gerade ermunternd. Originalzitat: „Deine Haare werden oben dramatisch dünn“. Ich werd mich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ich bald eine „Mütze“ tragen muss. Allerdings hab ich mir nun endlich auch in das rechte Ohr ein Loch schießen lassen und kann sicher bald mit noch mehr schmückenden Elementen aufwarten. Vielleicht lenkt das ja etwas von meinem schütteren Haarschopf ab. Ich zumindest glaube fest daran. Soviel zu den Alltagsproblemen alternder Transen.
Ungeachtet meiner inneren Befindlichkeiten, die Faschingsparty im Cafe Keese war toll. Der Laden war sicher lange nicht so voll wie an diesem Abend. Die kulturelle Umrahmung war aus meiner Sicht gelungen und die meisten Leute haben sich prächtig amüsiert. Und ich mitten drin, mit meiner nicht gerade gelungenen Kostümierung. Einen Augenblick habe ich den Versuch unternommen, mich selbst schön zu trinken (geht das überhaupt?), musste aber den Versuch aus finanziellen Erwägungen recht bald aufgeben. Ich nage bestimmt nicht am Hungertuch, aber ein Bier für 8 Mark, ist jedes Mal fast ein Paar neue Strümpfe, die die Kehle runter rinnen und dann an geeigneter Stelle in mehrfacher Ausfertigung den Körper verlassen. Die offensichtliche Sinnlosigkeit meines Unterfangens und der Gedanke an eine strumpflose Saison haben dann recht bald zum Abbruch dieses Selbstversuches geführt.
Wie auch immer. Am kommenden Samstag bin ich wieder dabei! Wenngleich mit erkanntem dünneren Haar, aber dafür mit meinen neuen Kreolen. Da ist nämlich „Die schöne Party“ in der „Kalkscheune“ (Infos auf unserer Programmseite). Und in der Woche darauf steigt ja unsere Frühlingsparty, für die ich noch allerhand persönliche Dinge zu klären habe. Dazu gehören solche Fragen wie: Sind die Haare wirklich so dünn, kann ich mir neue Strümpfe noch leisten, was stecke ich denn in die Ohren oder sollte ich für das rückenfreie Kleid noch ein paar Stunden Solarium investieren? Alles wirklich entscheidende und schwerwiegende Fragen, denn eins ist uns allen gemein: Wir wollen die schönsten Frauen (oder so) sein! Oder etwa nicht?
Ich wünsche allen Transen dieser Welt die Bewältigung ihrer entscheidenden Probleme und
verbleibe bis zur nächsten Woche

Eure Sabine

Guten Tag liebe TransSisters und Freunde,

Eine Woche ist wieder geschafft, eine ganze Menge Arbeit erledigt, aber, wie immer auch ein gut Teil liegen geblieben. Darunter auch die weitere Überarbeitung und Perfektionierung unserer Homepage. Aber auch dafür haben wir inzwischen eine Lösung gefunden und ein kleines Bearbeitungsteam, bestehend aus Alice, Regina, Mania und mir, gebildet. Die Sache ist umso wichtiger, als dass wir in der vergangenen Woche gut 500 Zugriffe zu verzeichnen hatten und zunehmend positive Reaktionen aus ganz Deutschland eingehen. Gut, dass wir die nötige Arbeit jetzt ein wenig verteilen können.
In diesem Zusammenhang noch einmal eine Bemerkung zu dieser Wochenmail. Diese Mail ist in ihrem Ursprung als meine persönliche Klatsch- und Gedankenrubrik zu den mir bekannten TransSisters entstanden. Die Öffentlichkeit auf unserer HP und damit auch Zugang für alle Interessierten ist eigentlich mehr ein Zufall, den ich inzwischen akzeptiere und natürlich auch genieße. Doch es soll immer eine persönlich gehaltene Mail bleiben, die meine Eindrücke zu meinem Leben, natürlich vorrangig als Transgender, wiederspiegelt. Für die Empfänger, die mich nicht kennen – ich sie ja auch nicht, und das werden immer mehr, sind sicher einige Gedanken und Bezüge nicht voll nachvollziehbar. Bitte habt dafür Verständnis, aber ich vollziehe hier keine journalistische Tätigkeit, sondern hab einfach nur Spaß daran, meinen Gesprächsstoff mit anderen TransSisters oder eben eigene Gedanken auf diese Weise aufzunehmen. So.
Die vergangene Woche und das Wochenende der Transe Sabine (also iche) stand, so ich mich denn am öffentlichen Transenleben beteiligte unter dem Zeichen der Berliner Filmfestspiele – eigentlich nur einem Nebenprodukt dieser Veranstaltung, dem „Teddy Award 2000“, dem parallelen laufenden schwul- lesbischen Filmfestival. Ich gestehe, obwohl mir klar war, dass derartige Filme nur äußerst selten und dann per Zufall in die großen Festivals geraten, ich habe mich bis dato mit dieser Problematik nicht einmal befasst. (Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen in einschlägigen Kinos und Videotheken gesammelt und das waren nicht immer schlechte.) Die ganze Sache begann am vergangenen Montag mit einem Abendessen im LukiLuki dessen Erlös (immerhin 50 Mark pro Teilnehmer) an den Ausrichter dieses Subfestivals, den Teddy e.V. gegangen ist. In der bekannt angenehmen Atmosphäre des krachend vollen LukiLuki wurden wir von den „Sternchen“ der Szene (ich hab immerhin eine „Dame“ von den „Teufelsbergern“ erkannt) bewirtet und hatten einige angenehme Stunden. Nicht geplanter aber dennoch angenehmer Höhepunkt des Abends war Christas Bekenntnis, dass sie just an diesem Tage Geburtstag hätte. Schade ich hätte ihr so gern etwas geschenkt (vielleicht ein Haar- oder Strumpfband?), aber ich hab es nicht gewusst. Trotzdem, hier noch einmal nachträglich und öffentlich meine Glückwünsche.
Am Samstag dann war im Haus der Kulturen die feierliche Preisverleihung für die besten Filme in 3 Kategorien. Wir hatten, Dank Celine, noch ein paar Karten für die nummerierten Sitzplätze ergattert. Eine tolle Veranstaltung und zudem informativ. Da war zum Beispiel der Chef der Berliner Filmfestspiele zu Gast und hat für die nächste Zeit einen Sonderpreis für schwul- lesbische Filme ausgelobt. Und alle haben geklatscht. So richtig verstanden hab ich das nicht. Da kommt der Chef eines bedeutenden Festivals, lobt das angehängte Subfestival über den Klee und verteilt sogar noch Geld. Warum hat der nicht gesagt, dass in ein solches Festival, wie das seine, auch Filme gehören, die sonst nicht jeder sehen will und dass es ihm leid tut, darauf so wenig Einfluss zu haben? Das kommt mir ein bisschen so vor, wie die Haltung so mancher Leute, die uns Transgender wohl akzeptieren, aber so richtig doch nichts mit uns zu tun haben wollen. Für mich ist das alles eine gespaltene Moral und eigentlich nicht ehrlich.
Wie auch immer. Vielleicht ist aber gerade die gesonderte Ausrichtung eines schwul- lesbischen Festivals der richtige Weg, diese Kunst öffentlich zu machen. Ich weiß es nicht. Schön war jedoch zu erleben, wie sich die Preisträger über die vergleichsweise geringen Preisgelder von 5 oder 7 Tausend Mark richtig gefreut haben. So richtig gut geht es denen wohl nicht.
Die anschließende Party war wie erwartet ausgesprochen heiß und locker. Als wir weit nach Mitternacht die Veranstaltung verlassen haben, standen noch immer Menschentrauben vor der Tür, die die Party besuchen wollten.
Apropos Party! Denkt daran, unsere Frühjahrsparty findet am 25.3.00 im Ambiente statt. Sie ist keine ausgesprochene Transgender-Veranstaltung, sondern öffentlich. Eine ganz normale Party für ganz normale Leute. So wie Du und ich.
In diesem Sinne mach ich mich jetzt an die Vorbereitung der nächsten Woche, die ganz normal ablaufen wird. Ein bisschen TransSister und ganz viel Arbeit als (ganzer ?) Mann.

Viele liebe Grüße
Sabine

Guten Tag die Damen und die Herren,

...da hab ich ja noch ein Problem. Ich bin immer noch nicht sicher, was ich denn nun zur heutigen Faschingsparty des „Pour Elle“ anziehen werde. Grundsätzlich schon, doch der Teufel liegt im Detail, insbesondere in den Kleinigkeiten, die mir das Transenleben so angenehm machen. Verstehen kann das sowieso nur, wer die Möglichkeiten dieser äußeren Verwandlung oder gar Angleichung an den inneren Gefühlszustand selbst erlebt. Und so habe ich alle meine „Schätze“ inzwischen in der Wohnung ausgebreitet, etliches anprobiert und bin immer noch unentschlossen. Jedoch diese Qual der Wahl bereitet mir größtes Vergnügen und stimmt mich auf meinen „Auftritt“ ein. Ich brauche dieses Spiel der Möglichkeiten und fühle mich erst dann richtig wohl, wenn mir auch das Kleinste Detail (meistens ist es ja nicht einmal zu sehen) meinem Gefühlszustand entspricht. Und so trete ich dann in die Öffentlichkeit, im Innern stimmig, äußerlich sicher so manches Mal nicht unbedingt passend. Wie auch! Denke ich an meine Töchter, die so manches Jahr gebraucht haben, um ihren eigenen Stil zu finden, dann sei mir doch eingeräumt, dass ich nach erst reichlich einem Jahr Outdoor sicher noch einige Zeit für mich benötigen werde. Wie auch immer, ich liebe dieses Problem und werde es sicher noch lange „pflegen“.
Meine Faschingssaison beschränkt sich in diesem Jahr auf die bereits erwähnte heutige Party und den gestrigen Abend, der so genannten Hausparty, im „Knemo“. Tolle Sache! Der Laden war rappelt voll, irre Typen und die TransSisters (einige) waren mitten drin. Ich hab mich prächtig amüsiert. Und heute ist nun der große „Frauen- und Tunten- Karnevallsball“ des Pour Elle im (weil der eigentliche Laden zu klein) Cafe Keese. Mit dem Begriff „Tunte“ hab ich so mein Definitionsproblem. Lesben hab ich aber schon allerhand kennen gelernt. Die Spanne reicht dabei von der ausgesprochenen „Kampflesbe“ (der militante Teil der Szene) bis hin zu wunderschönen, begehrenswerten Frauen, für die ich gern als lesbische Frau akzeptiert werden würde. Aber: „Ich bin ein Mann!“ Was liegt also näher, als, sich als Lesbe zu verkleiden. Mein „guter Anzug“ sollte sowieso mal wieder ausgetragen werden. Zudem ist der Gedanke an eine Verkleidung in der Verkleidung nicht uninteressant. Ich bin gespannt, wie ich mich fühlen werde. Ich wollte mich schon immer mal als Mann verkleiden!
Themenwechsel. Ich erhalte zunehmend Anfragen zur „Frühlingsparty“ der TransSisters am 25.3.00 im Ambiente, insbesondere Art der Location, Eintrittspreise und Umfang der Veranstaltung. Leider kann ich nicht jede Anfrage ausführlich beantworten, deshalb hier einige Bemerkungen:
Gedanklicher Ansatz dieser Party (wie auch der bereits gelaufenen Neujahrsparty) ist die Schaffung von Öffentlichkeit für die TransSisters und die Transgendergemeinde allgemein und natürlich das Bedürfnis, mit all unseren bekannten und unbekannten Freunden einfach nur zu feiern. Aus diesem Grunde haben wir als Location bewusst eine öffentliche, Nicht- Szenebar, ausgewählt. Wenn wir als „normale“ Menschen akzeptiert werden wollen, dann können wir uns nicht nur im Szene - Milieu bewegen. Das schafft genau die Vorbehalte, die wir eigentlich abbauen wollen. Wir wollen also bewusst die Begegnung mit Menschen suchen, die zunächst offen sind für unsere Lebensweise. Wenn Ihr so wollt, sind wir „die Transen zum Anfassen“. Diese Situation ist zudem nicht ohne Reiz. Das Ambiente ist eine gediegene öffentliche Bar in der City Berlins, als Veranstaltungsort eigentlich mehr ein Zufall und fasst im Maximalfall zirka 120 Gäste. Es bleibt also ein überschaubares Publikum. Bei unserer letzten Veranstaltung (90 gezählte Gäste) waren vielleicht ein drittel Transgender und Ihre Freunde und der Rest einfach Leute, die mit uns feiern und uns kennen lernen wollten. Wenn ich die vielen Mails der letzten Tage betrachte, vermute ich, dass sich die Zusammensetzung zugunsten der Transgender auf vielleicht 50 Prozent erhöhen wird. Das ist gut so, aber auch ein Zeichen, dass wir für die bereits angedachte „Sommerparty“, wegen des stetig wachsenden Interesses, den Standort wechseln müssen.
Diese Party verfolgt KEIN kommerzielles Interesse! Aus diesem Grunde (und natürlich aus steuerlichen Erwägungen) erheben wir keinen Eintrittspreis. Wohl aber bitten wir jeden Gast um einen Kostenbeitrag von 5 DM. Darin enthalten sind ein Glas Begrüßungssekt, eine kleine kulturelle Einlage und ein paar Schnittchen, die im Verlauf des Abends gereicht werden. Natürlich sind de Kosten damit nicht gedeckt. Da wir jedoch von minimalen Kostenbeiträgen ausgehen, haben wir uns um Sponsoren bemüht, die einige der Kosten übernehmen. Etwaige Überschüsse werden vollständig für weitere Events eingesetzt.
Soviel also zu technischen Teil. Es handelt sich hier also nicht um eine Szeneveranstaltung, sondern um eine Party von und mit Transgender aller Schattierungen. Für Stimmung und angenehme Gespräche könnt nur Ihr selbst sorgen. Ich hoffe, dass ich zu dieser Party alle offenen Fragen damit beantwortet habe.
Natürlich wird es bei den TransSisters auch weiter Veranstaltungen geben, die sich auch in ausgesuchten Szenebereichen bewegen. Das ist gut so und entspricht auch der Struktur und den einzelnen Bedürfnissen. So ist für das kommenden Wochenende für einige mal wieder ein Besuch im KitCat angedacht. Nähere Informationen dazu findet Ihr auf unserer Programmseite.
So, nun wird es aber Zeit. Ich muss mir noch die Haare eindrehen und .. –nein, die Nägel hatte ich ja gestern schon lackiert, die können so bleiben wie sie sind.
So bleiben, wie Ihr seid könnt auch Ihr und will auch ich. Zumindest noch eine Woche lang, bis zur nächsten Wochenmail.
Seid also ganz lieb gegrüßt von

Sabine (die sich heute – zum Fasching - als Mann verkleidet)

Guten Tag liebe TransSisters und Freunde,

Eine Woche ist wieder geschafft, eine ganze Menge Arbeit erledigt, aber, wie immer auch ein gut Teil liegen geblieben. Darunter auch die weitere Überarbeitung und Perfektionierung unserer Homepage. Aber auch dafür haben wir inzwischen eine Lösung gefunden und ein kleines Bearbeitungsteam, bestehend aus Alice, Regina, Mania und mir, gebildet. Die Sache ist umso wichtiger, als dass wir in der vergangenen Woche gut 500 Zugriffe zu verzeichnen hatten und zunehmend positive Reaktionen aus ganz Deutschland eingehen. Gut, dass wir die nötige Arbeit jetzt ein wenig verteilen können.
In diesem Zusammenhang noch einmal eine Bemerkung zu dieser Wochenmail. Diese Mail ist in ihrem Ursprung als meine persönliche Klatsch- und Gedankenrubrik zu den mir bekannten TransSisters entstanden. Die Öffentlichkeit auf unserer HP und damit auch Zugang für alle Interessierten ist eigentlich mehr ein Zufall, den ich inzwischen akzeptiere und natürlich auch genieße. Doch es soll immer eine persönlich gehaltene Mail bleiben, die meine Eindrücke zu meinem Leben, natürlich vorrangig als Transgender, wiederspiegelt. Für die Empfänger, die mich nicht kennen – ich sie ja auch nicht, und das werden immer mehr, sind sicher einige Gedanken und Bezüge nicht voll nachvollziehbar. Bitte habt dafür Verständnis, aber ich vollziehe hier keine journalistische Tätigkeit, sondern hab einfach nur Spaß daran, meinen Gesprächsstoff mit anderen TransSisters oder eben eigene Gedanken auf diese Weise aufzunehmen. So.
Die vergangene Woche und das Wochenende der Transe Sabine (also iche) stand, so ich mich denn am öffentlichen Transenleben beteiligte unter dem Zeichen der Berliner Filmfestspiele – eigentlich nur einem Nebenprodukt dieser Veranstaltung, dem „Teddy Award 2000“, dem parallelen laufenden schwul- lesbischen Filmfestival. Ich gestehe, obwohl mir klar war, dass derartige Filme nur äußerst selten und dann per Zufall in die großen Festivals geraten, ich habe mich bis dato mit dieser Problematik nicht einmal befasst. (Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen in einschlägigen Kinos und Videotheken gesammelt und das waren nicht immer schlechte.) Die ganze Sache begann am vergangenen Montag mit einem Abendessen im LukiLuki dessen Erlös (immerhin 50 Mark pro Teilnehmer) an den Ausrichter dieses Subfestivals, den Teddy e.V. gegangen ist. In der bekannt angenehmen Atmosphäre des krachend vollen LukiLuki wurden wir von den „Sternchen“ der Szene (ich hab immerhin eine „Dame“ von den „Teufelsbergern“ erkannt) bewirtet und hatten einige angenehme Stunden. Nicht geplanter aber dennoch angenehmer Höhepunkt des Abends war Christas Bekenntnis, dass sie just an diesem Tage Geburtstag hätte. Schade ich hätte ihr so gern etwas geschenkt (vielleicht ein Haar- oder Strumpfband?), aber ich hab es nicht gewusst. Trotzdem, hier noch einmal nachträglich und öffentlich meine Glückwünsche.
Am Samstag dann war im Haus der Kulturen die feierliche Preisverleihung für die besten Filme in 3 Kategorien. Wir hatten, Dank Celine, noch ein paar Karten für die nummerierten Sitzplätze ergattert. Eine tolle Veranstaltung und zudem informativ. Da war zum Beispiel der Chef der Berliner Filmfestspiele zu Gast und hat für die nächste Zeit einen Sonderpreis für schwul- lesbische Filme ausgelobt. Und alle haben geklatscht. So richtig verstanden hab ich das nicht. Da kommt der Chef eines bedeutenden Festivals, lobt das angehängte Subfestival über den Klee und verteilt sogar noch Geld. Warum hat der nicht gesagt, dass in ein solches Festival, wie das seine, auch Filme gehören, die sonst nicht jeder sehen will und dass es ihm leid tut, darauf so wenig Einfluss zu haben? Das kommt mir ein bisschen so vor, wie die Haltung so mancher Leute, die uns Transgender wohl akzeptieren, aber so richtig doch nichts mit uns zu tun haben wollen. Für mich ist das alles eine gespaltene Moral und eigentlich nicht ehrlich.
Wie auch immer. Vielleicht ist aber gerade die gesonderte Ausrichtung eines schwul- lesbischen Festivals der richtige Weg, diese Kunst öffentlich zu machen. Ich weiß es nicht. Schön war jedoch zu erleben, wie sich die Preisträger über die vergleichsweise geringen Preisgelder von 5 oder 7 Tausend Mark richtig gefreut haben. So richtig gut geht es denen wohl nicht.
Die anschließende Party war wie erwartet ausgesprochen heiß und locker. Als wir weit nach Mitternacht die Veranstaltung verlassen haben, standen noch immer Menschentrauben vor der Tür, die die Party besuchen wollten.
Apropos Party! Denkt daran, unsere Frühjahrsparty findet am 25.3.00 im Ambiente statt. Sie ist keine ausgesprochene Transgender-Veranstaltung, sondern öffentlich. Eine ganz normale Party für ganz normale Leute. So wie Du und ich.
In diesem Sinne mach ich mich jetzt an die Vorbereitung der nächsten Woche, die ganz normal ablaufen wird. Ein bisschen TransSister und ganz viel Arbeit als (ganzer ?) Mann.

Viele liebe Grüße
Sabine