Wochenmails 2001

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.... das ist als gäbe es dort „ganz oben“ irgendwo einen Schalter, an dem ein Zettel hing, so ungefähr mit dem Text „am 1. September in Mitteleuropa den Sommer abschalten“, dann ist in der Tat jemand daran vorbei gekommen, hat den Schalter umgelegt und nun haben wir überhaupt kein Wetter mehr. Selbst ein ganz normaler Herbst, wäre besser, als das, was hier im Moment passiert. Und so ist der von mir und einigen meiner Freunde lang erwartete „Red Bull Flugtag“ im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen und das schon, bevor der wirklich schnittige Flieger sich in die Lüfte erheben konnte. Die ganze Flügelbespannung durchgeweicht! Die Kiste hat dadurch wenigstens 20 Kilo mehr gewogen und die Aerodynamik war einfach mal im Eimer! Im strömenden Regen haben wir die Einzelteile wieder verladen und hoffen nun auf besseres Flugwetter im nächsten Jahr. Ich war wohl nur das unwichtigste Mitglied der Crew und doch hab ich mich ganz schön geärgert.
Dafür hat sich wenigstens der Samstagabend gelohnt. Nun schon traditionell, findet im ausgehenden Sommer die Berliner Wigstöckel-Party statt, und so auch gestern im BKA-Luftschloss, ganz in der Mitte Berlins. Ich bin mir nicht sicher, was denn an dieser Party an den ursprünglichen Gedanken der legendären New Yorker Veranstaltung erinnert. Doch ich bin ziemlich sicher, dass sich die Masse der Besucher nicht die Bohne dafür interessiert hat, denn geboten wurde von den Organisatoren eine „Transgender-Party“ vom aller-, Allerfeinsten. Die Organisatoren von „Transgender United“ haben aus den Mängeln der Veranstaltung des Vorjahres die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und so mehrere, zeitlich überschaubare Programmblöcke gestaltet. Das Hauptprogramm mit wirklich internationaler Besetzung, von Berlin-Wedding, über New York, Japan, und Brasilien zurück zu Berliner Lokalgrößen hatte für mich, mit wenigen Abstrichen (dazu später), wirklich Varietéreife. Gefallen hat mir, dass Trans nicht das wirkliche Thema der Show war, sondern die Show von Transgendern zelebriert wurde. Endlich einmal eine eindeutige Absage an platt sinnierende Transen mit lauen Witzen und nicht einmal mittelmäßigem Talent. Bitte versteht mich richtig, ich bin schon dafür, dass sich, wer mag, auch mal „open stage“ versucht, doch das sollte vor allem in entsprechendem Rahmen Spaß machen und auch wirklich als Spaß, und weniger als professionelle Kunst verstanden werden.
Es macht jetzt wenig Sinn, jede einzelne Nummer des Abends zu benennen und zu erläutern, gefallen hat mir fast alles. Begeistert haben mich die „Kings of Berlin“, das sind Trans-Frauen, die gern die männliche Rolle spielen, mit ihrer Interpretation einer einschlägigen Boy-Group, allein deshalb, weil diese Seite des TransSeins bisher allgemein viel zu wenig beachtet wurde. Toll die „Geisha Boys“ (mit wirklich traumhaftem Körperbau), der super Tanz der „Black Girls Coalition“ und auch die Trapeznummer eines brasilianischen Trans. Gefallen hat mir auch, dass trotz Partyspaß auch Zeit war für eine kurzen Wortbeitrag von Patricia, einer Frau mit transsexueller Vergangenheit, die sich einfach nur vorgestellt hat und gut war auch der keine Rückblick mit Erinnerung an Berliner Trans-Aktivisten, die inzwischen aus den unterschiedlichsten gründen verstorben sind.
Ein kleines Problem hatte ich schon mit dem Auftritt einer „Theatertruppe“, die sich an einer Macbeth-Adaption versucht haben. Ich habe gerade noch einmal in dem Text geblättert, finde aber wirklich keinen Ansatzpunk für eine auf der Bühne, unter dem Ruf „Liebe ist Kampf“, zu inszenierenden rohen (gut einzusehenden) Vergewaltigung mit reichlich Blut. Sinn oder Unsinn, das ist hier die Frage. Ich will sie nicht beantworten, vielleicht bin ich ja wirklich etwas altmodisch im denken. Die allgemeine Reaktion auf diese Aktion waren zumindest gespalten.
Im Rahmenprogramm des Wigstöckels war wieder der „Markt der Möglichkeiten“ an dem in diesem Jahr immerhin 18 Gruppierungen und Organisationen aus der Quer-Szene teilgenommen haben. Der Stand der TransSisters lag dann doch recht günstig und wurde von so manch Interessierten besucht. Geworben haben wir vor allem für unsere monatlichen Treffs, natürlich für unsere „Sommerparty 2001“, die ja schon am kommenden Samstag stattfindet und ich auch ein wenig für das künftige Trans-Netzwerk in Berlin. Abschließend zum Wigstöckel, ein gelungener Abend und für mich das dringende Vorhaben, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Der Wigstöckel ist für mich und offensichtlich viele Andere die größte Transgenderparty des Jahres. Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt.
Ja und weil wir gerade beim Thema Party sind hier noch einmal ein paar Informationen zur wohl „zweitwichtigsten Party der Saison“, nämlich der Sommerparty der TransSisters. Alles ist vorbereitet, wir üben uns noch in all abendlichen Stoßgebeten mit der Fürbitte um erträgliches Wetter und so manche hat die Einkaufsliste für ihren Büfett- Anteil schon in der Tasche. Auch wir werden an diesem Abend ein buntes Programm bieten, zugesagt hat das Duo „12doubleblue“ und Gäste aus Hannover. Dazu gibt es eine kleine Lesung der Gedichte unserer Freundin Gundula und einige kleine eigene Auftritte aus unserer Gruppe. Ich selbst bin schon fleißig beim Üben der Texte und hoffe, dass mich nicht zum Schluss der Mut verlässt. Ihr seht also, der Abend hält so manche Überraschung bereit. Ratsam ist auf jeden Fall recht zeitig zu erscheinen, denn das sichert ja bekanntermaßen die besten Plätze. Ich freue mich schon, die Eine oder Andere von Euch endlich – oder wieder mal begrüßen zu können.
Das war sie nun, die 101. Wochenmail. Ich will nicht versäumen, mich noch einmal für die lieben Grüße aus Anlass der 100. zu bedanken und verabschiede mich bis zu unserem persönlichen Treffen am Samstag mit einem Zitat aus dem gestrigen Wigstöckel-Programm: „Wem das Wasser bis zum Hals steht, soll den Kopf nicht hängen lassen“. Na das passt doch und zwar in jeder Beziehung!

Viele liebe Grüße
Sabine B.

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

... Urlaub ist nun schon den zweiten Tag vorbei und inzwischen bin ich auch wirklich wieder angekommen. Die Dinge des Alltags nehmen so langsam wieder ihren geregelten Ablauf. Ich hatte eine ganze Menge Post im virtuellen Postkasten aber den größten Teil schon abgearbeitet. Interessant die Reaktionen auf die Anfrage von Mathias aus Greifswald. Ich habe die Antworten noch einmal zusammengefasst und direkt an Mathias gesandt und denke, dass er nun einige Möglichkeiten hat. In seinem Namen: Vielen Dank für Eure Reaktionen.
Der Urlaub an der Griechischen Küste war für mich, wider erwarten einen ausgesprochen erholsame Angelegenheit, hatte ich doch befürchtet, mich zu Tode zu langweilen. Doch zum Schluss hat die Zeit gerade gereicht, das nähere Umfeld der Halbinsel Chalkidiki zu erkunden (natürlich überwiegend mit meinen Kindern), ein paar ganz persönliche Gedanken zu Ende zu denken und mich in einige Bücher zu vertiefen, für die ich im Alltagsstress kaum Zeit gefunden hätte. Ich hab es absichtlich vermieden, mich auf nur lose Urlaubsbekanntschaften zu einzulassen, bin lieber ganz allein über einsame Strände gewandert oder habe mich unter (m)einen Olivenbaum in die Geschichte des Pharao Ramses oder die Griechische Mythologie vertieft. Wer sich schon einmal mit den antiken Griechen beschäftigt hat, weiß, dass die Götter nicht zimperlich waren – sie haben gar ihre eigenen Kinder gefressen (Kronos) oder eben mal ganze Landstriche verwüstet. Dagegen liest sich das Alte Testament für mich, wie ein simples Kindermärchen. Viele Geschichte ranken sich um die Griechische Götterwelt, doch Eine erscheint mir ganz besonders bemerkenswert:
Natürlich hatten die gemeinen Menschen auch im antiken Griechenland ein Problem mit den Göttern zu kommunizieren. Diese Verbindung wurde über die Orakel hergestellt. Da die dort von den Göttern ausgesandten Signale nicht so einfach zu interpretieren waren, wurden sie von Mönchen oder sogenannten Sehern gedeutet. Einer der bekanntesten dieser Seher war Teiresias und Teiresias war blind. Seine Blindheit wird in einem Mythos so erklärt: Als er noch jung war, sah er auf einem Berg zwei Schlangen, die sich begatteten. Er störte sie dabei und wurde dafür von den Göttern mit der Verwandlung in eine Frau bestraft. So lebte er (sie) sieben Jahre lang und es begab sich, dass er (sie) wieder zwei Schlangen bei Ihrem Akt behinderte. Die Strafe folgte auf dem Fuße, er wurde wieder verwandelt, dieses Mal in einen Mann (der Bursche wurde einfach nicht schlau aus seinem Tun). Als sich nun die Göttin Hera mit Ihrem Mann Zeus darüber stritt, wer von der Liebe mehr Genuss habe, befragte man Teiresias, der ja als Mann und als Frau gelebt hatte. Dieser antwortete, wenn die Lust zehn Stufen habe, dann erreicht die Frau die neunte und der Mann die erste. Die Göttin Hera erzürnte, weil Teiresias das Geheimnis ihres Geschlechts verraten hatte und blendete ihn. Zeus schenkte ihm dafür die Gabe der Prophezeiung und ein langes Leben.
Ich weiß natürlich nicht um die wirklichen Hintergründe diese Mythos, doch der Inhalt ist interessant und ich stelle mir die Frage, welche Stufe der Lust wohl ein Trans-Mensch erreicht, wenn er sich in die bewusste Verwandlung begibt. Na, was meint Ihr? Das gibt doch viel Spielraum zum träumen! Und jeder von Euch mag selbst entscheiden, ob und wie oft er bereit ist zwei Schlangen bei der Paarung zu stören.......
Die vergangenen entspannten Urlaubswochen waren für mich weitgehend frei vom Bedürfnis, mich weiblich zu kleiden und zu geben. Das mag am Umfeld und den vielen neuen Eindrücken, aber wohl auch den mangelnden Gelegenheiten gelegen haben. Doch angenehm war auch die Rückkehr an den heimischen Kleiderschrank und die damit verbundene genüssliche Auswahl der samstäglichen Abendgarderobe. Dennoch, etwas war anders. Da war der sichere Griff zum für den Abend angemessenen Kostüm und die Routine am Schminkspiegel. Und genau dort habe ich wieder einmal festgestellt, dass ich mich hier nur bemühe, ein Abbild eines inneren Gefühles zu zeichnen, das schwerlich in Stoff und Farbe zu fassen ist. Und doch ist dies die scheinbar einzige Möglichkeit der Ausdrucksweise für eben diese Gefühlswelt. Bleibt zu hoffen, dass sich hier noch viele Varianten und Möglichkeiten der Ausdrucksweise auftun..... Das, nur ein Gedanke am Rande....
Ja, das soll sie nun gewesen sein, die heute einhundertste Wochenmail. Was vor gut zwei Jahren als kleine Termin-Postille an gerade acht oder neun befreundete Transen begonnen hat, erreicht heute weit über einhundert Menschen, vorwiegend in Deutschland aber auch in anderen Ländern bis hin nach Russland. Das Archiv füllt sich immer mehr und gelegentlich wird die eine oder andere Mail in einem Magazin abgedruckt. Ihr konntet über zwei Jahre die Gedanken- und Gefühlswelt der kleinen Transe Sabine verfolgen und habt gelegentlich heftig die Texte kommentiert und diskutiert. Obwohl durchaus statistisch veranlagt, ich habe die sonntäglichen Stunden beim Verfassen und die Zuschriften zu den Wochenmails nicht gezählt. Das liegt mir auch fern. Für mich wurde diese Mail immer mehr ein Medium zur Auseinandersetzung mit mir selbst und mit meiner Umwelt (genau in dieser Reihenfolge). Dass Ihr mich dabei begleitet habt, war mir ein Vergnügen und hat mich geehrt. Genau dafür möchte ich mich bei Euch bedanken, ganz besonders bei meinen Kritikern (sie haben meinen Blick geschärft) und bei denen, die mir aufmunternde Briefe geschrieben haben, wenn ich Euch mit meinen Sorgen und Problemen überhäuft habe. Ich gehe davon aus, dass ich selbst in den letzten zwei Jahren eine ganze Menge Probleme behandelt habe und auch lösen konnte, die für so manche(n) von Euch ähnlich bestanden (bestehen). Sieht man sich die in der Vergangenheit besprochenen Themen an, dann wurden viele für mich wichtige Alltagsthemen in meiner eigenen Entwicklung erörtert. Das reicht von der Begeisterung über den einzigen Berliner Transentreff bis hin zu seiner Ablehnung oder den Wunsch sich unbelastet in der Öffentlichkeit zu zeigen bis hin zu Schilderungen über Theaterbesuche im „Kleinen Schwarzen“ Und doch wurde nur der kleine Ausschnitt „Trans“ und sein engeres Umfeld besprochen. Ich habe aber gelernt, dass wirklich Trans-Sein nicht nur das äußere Bild, sondern vor allem „ganz persönlich sein“ bedeutet und dazu gehören noch viel mehr Themen, als die hier in der Vergangenheit behandelten. Doch wie soll und kann man eine solche thematisch ausgerichtete Textreihe derartig ausdehnen? Und will ich das überhaupt? Ihr habt es sicher in den letzten Monaten gemerkt, so manches mal habe ich mich in der Selbstbeschränkung auf das Hauptthema „Trans“ geübt. Ich will sagen: Ich weiß nicht sicher, was aus dieser Wochenmail wird, denn ich bin selbst an einem Punkt angekommen, der weit komplizierter ist, als der bisher unbändige Drang mich als Trans zu äußern und darzustellen. Ich hatte bisher immer gehofft irgendwo anzukommen, das bin ich inzwischen wohl auch, so manche beneidet mich und genau so viele belächeln mich. Doch am Ziel bin ich noch lange nicht, ich kenne es nicht einmal genau. Vielleicht hat das ja was mit dem oben zitierten Seher Teiresias zu tun. Es wäre doch schön, irgendwann die Stufe zwei, drei oder gar vier zu erreichen und gemeint ist hier nicht die fleischliche Lust allein...
Ich werde natürlich weiter zu unserem Hauptthema berichten und hoffe, Ihr seid mir nicht böse, wenn die gewohnte Regelmäßigkeit nicht immer eingehalten wird.
Auf jeden fall wünsche ich Euch eine angenehme Nacht (vielleicht träumt ja jemand von sich paarenden Schlangen) und eine erfolgreiche Woche.

Viele liebe Grüße
Sabine B.

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.... ja, ja, so geht das. Am Sonntag hatte ich zwar Zeit für die Wochenmail eingeplant, aber meine dafür dringend notwendige Brille 30 Kilometer weit liegen lassen und war so zu einem einsamen Fernsehabend verurteilt. Dann, kurz vor Mitternacht, war die Brille wieder da, ich aber zu müde und der Montag war über Gebühr voll mit einer freiwilligen Auftragsarbeit, die heute unbedingt fertig sein musste.
Doch nun ist endgültig Urlaub (keine Geschäfte bis zum Monatsende ! – hab ich mir jedenfalls vorgenommen), die übervolle Mailbox endlich leer geräumt, nur die überfällige Wochenmail ist noch zu schreiben – hatte ich doch am Sonntag so allerhand zu erzählen.
Es ist schon komisch, so manches mal laufen die Informationen wie thematisch sortiert bei mir ein. Da schreibt Hertha einen langen Text an unsere Mailgemeinde und schildert ihr eigenes Erleben in ihrem Trans-Sein. (Für die Internetleser dieser Mail: der Text ist unten noch einmal wiedergegeben) Gerade der Werdegang dürfte ja für viele von Euch nicht unbekannt sein. Schon eher ungewöhnlich ist aus meiner Sicht die Art und Weise, wie ihre (seine) Ehefrau nach vermutlich doch etlichen Ehejahren mit der Problematik umgegangen ist. Ich muss das hier einfach noch einmal zitieren: "....solange du nichts mit einer anderen Frau oder Mann hast stört mich das nicht, ich liebe dich so wie du bist".
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, ich dachte meine Frau würde mich verstoßen. Nun hat unsere Ehe wieder einen neuen Aufschwung gefunden und alles ist viel, viel schöner wie vorher. Jetzt hab ich schon fast meine Glückseeligkeit gefunden denn nun kann ich ganz offen unten drunter als Frau sein, oben drüber geht leider noch nicht, weil zwei meiner Kinder noch zu klein sind meine große Tochter 15 weiß auch schon bescheit und findet es so gar Cool.....“ Na, was soll man dazu noch sagen. Das ist doch eine Ermunterung die Person, die einem am nahesten ist (Partner oder Partnerin), in seine Welt einzubeziehen! Und dennoch, wir alle wissen, dass die Sache nicht für jede(n) von uns so einfach ist.
Ich kenne eine solche Situation aus eigenem Erleben und die regelmäßigen (und vor allem langgedienten) Leser dieser Mail wissen, dass genau das bei mir so richtig „in die Hose“ gegangen ist. Nun, ich habe den Schmerz verwunden und will hier auch gar nicht darüber reden. Doch das Thema, wie sag ich’s meiner (meinem) Liebsten und vor allem, wie geht sie damit um ist in unseren Kreisen wohl noch immer interessant. Ich kenne einige Paare, bei denen die geborene Sie augenscheinlich ähnlich denkt und auch handelt. Und dennoch gibt es gelegentlich Differenzierungen im gemeinsamen Umgang. Die eine Partnerin sieht das Geschehen mit Abstand und lässt sich auch mal auf vorsichtige Kontakte zu anderen TansGendern ein. Es ist ein Abtasten und hoffentlich irgendwann die Feststellung, dass wir alle im Grunde harmlos und schon gar nicht verrückt oder gar pervers sind. Die Andere hat Kompromisse geschlossen. Sie will dieses Trans-Sein aber grundsätzlich aus ihrem privaten Umfeld heraus halten (ihr gutes Recht) und Ausnahmen werden ausdrücklich genehmigt. Das ist gelegentlich kompliziert im Umgang, aber immer noch besser, als offene Ablehnung. Wieder Andere haben die Exotik unseres Seins entdeckt und schmücken sich gelegentlich mit der einen oder anderen, mehr oder weniger, schillernden Erscheinung. Ja und dann kenne ich noch Partnerinnen, die haben einfach nur ein waches Interesse an der gesamten Persönlichkeit ihres Trans-Partners.
Die Frage bleibt immer, wie gehen beide (!!!) Partner miteinander um, wie ehrlich äußern sie in ihre Gefühle und sind sie überhaupt in der Lage dazu. Gemessen an mir, weiß ich, dass ich schon noch an mir zu arbeiten habe und Gefühle (meinetwegen auch nur Bedürfnisse) nicht nur zulassen sondern auch offen und unbefangen formulieren muss. Befangenheit heißt das große Stichwort. Gemeint ist die eigene und die des Partners / der Partnerin. Befangenheit wiederum entsteht auch aus Unsicherheit bei der Anwendung innerer und äußerer Normen. Denn da sind wir uns sicher einig, so manche gesellschaftliche Norm, besonders die der Geschlechterrollen, wird von uns ganz heftig gebrochen. Eine mir nahestehende Freundin hat das ganz klar formuliert: (Sinngemäß) „Die Ablehnung ist doch ganz verständlich. Da besetzt plötzlich ein Mann Plätze, die die Frau in der Gesellschaft und wohl auch in ihrem Denken, ausschließlich für „weibliche“ Plätze gehalten hat..... Sie benötigt eine Strategie zur Wahrung ihrer besonderen Identität.“ So hatte ich das bisher noch nicht gesehen aber zunächst erst einmal akzeptiert. Wir haben dann den Samstag gemeinsam verbracht und uns am Abend spontan entschlossen mit einigen FreundInnen ein kleine Theateraufführung in den Berliner „Sophiensaelen“ zu besuchen. Für mich war, wegen Mangel an Gelegenheit in den vergangenen Wochen, klar, dass an diesem Abend die Sabine in mir ihr Recht fordern würde. Das war in unserer Planung für mich selbstverständlich. Besagte Freundin hatte damit auch kein Problem, fand es aber chic und legitim den Rollentausch zu komplettieren und so wechselten mein gutes Geschäfts-Sakko, eine passende Hose und ein weißes Hemd für diesen Abend seinen Besitzer. Obwohl ich bei meinen Partnerinnen eher „klassisch weibliches“ Outfit bevorzuge, fand ich diese Verwandlung faszinierend und überhaupt nicht unweiblich. Sie sah einfach süß aus in meiner klassischen Herrenkleidung. Ach, wenn wir doch alle Kleidungsstücke tauschen könnten!
Erfahren habe ich wieder einmal, dieser Rollentausch hat unsäglich viele Facetten und bietet massenhaft Möglichkeit für Spaß und auch Gefühl. Und das ist schon mal eine Wochenmail am Dienstag wert. Oder?
Morgen werde ich meinen Koffer vorkramen und so langsam die Urlaubsutensilien zusammen sammeln. Wenn auch die Sabine nicht mitkommen kann, das Sakko werde ich wohl einpacken. In einer hoffentlich lauen Nacht, trage ich es am griechischem Strand und werde mit meinem (16 jährigen) Sohn über die unterschiedlichsten Menschen philosophieren. Wir werden über Frauen und Männer reden – und über mich.
Ich verabschiede mich in den Urlaub, bin nicht sicher, ob ich in den nächsten drei Wochen die Muße zur Wochenmail habe und wünsche Euch einen angenehmen Sommer!

Viele liebe Grüße
Sabine B.

Hier die Zuschrift von Hertha:
Liebe Sabine !
Seit einiger Zeit lese ich deine Mails und ich bin recht beeindruckt wie offen du viele unserer Themen ansprichst. Heute nehme ich mal meinen ganzen mut zusammen um dir zu schreiben mein Name ist Herbert alias Herta.
Meine Geschichte fängt wie bestimmt bei viele andere Schwestern in der frühen Kindheit an. Als Mädchen beim Fasching als Jugendlicher, Wäscheklau bei der Mutter "natürlich wurde ich auch erwischt". Dann die vielen Zweifel an meiner Psyche die ich dann versucht habe im Alkohol zu ertränken hat aber auch nicht geklappt. Habe dann geheiratet mit der irrtümlichen Annahme dann währe alles vorbei und ich könnte normal leben was das auch immer heißen mag. Während meiner noch heute glücklich Ehe habe ich drei Kinder gezeugt. Vor vier Jahren dann lernte ich meinen Freund kennen, ein Jahr später autete er sich als schwul, natürlich war es mir da ein leichtes mich eben so ihm zu öffnen das ich ein Transident bin. Transident des halb weil ich weis gar nicht so genau wie ich mich eingruppieren soll da ich öffentlich als Mann lebe und im geheimen als Frau. Beim CSD in diesem Jahr bin ich das erste Mal in meinem Leben als Frau hin gegangen mit diesem besagtem Freund und sein
Liebster war auch dabei. Ich hatte mich dort das erste mal in meinem Leben so richtig frei gefühlt, war zwar ein wenig verklemmt aber das hat sich dann schnell gegeben. Inzwischen bin ich sogar schon so weit das ich meiner Frau alles erzählt habe, "was eigentlich einer meiner größten Ängste war" und sie ist damit ganz locker umgegangen. Ihre Worte dazu "solange du nichts mit einer anderen Frau oder Mann hast stört mich das nicht, ich liebe dich so wie du bist".
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, ich dachte meine Freu würde mich verstoßen. Nun hat unsere Ehe wieder einen neuen Aufschwung gefunden und alles ist viel, viel schöner wie vorher. Jetzt hab ich schon fast meine Glückseeligkeit gefunden denn nun kann ich ganz offen unten drunter als Frau sein, oben drüber geht leider noch nicht, weil zwei meiner Kinder noch zu klein sind meine große Tochter 15 weis auch schon bescheit und findet es so gar Cool. Eigentlich kann man sagen das ich durch meinem Freund erst so richtig da mit umgehen kann Er war mit mir einkaufen gegangen Kleid, Schuhe, Perücke, Unterwäsche hatte ich ja schon zur genüge und nun eins meiner schönsten Einkäufe, zwei Monate vorm CSD war mein Freund mit mir nach Berlin in die Marburger Strasse im Transformations- Laden gefahren und ich kaufte für mich Silikonbrüste, Frau war das teuer, aber ich kam Gott sei dank noch in den Genuß der Ratenzahlung, d. h. ich mußte neun Euroschecks da lassen mit jeweils 99,- DEM. Nun würde es ja leider nicht mehr gehen denn die Euroschecks haben ja nur noch bis ende des Jahres Gültigkeit. Da hab ich doch echt Glück gehabt und ich muß sagen erst mit Gefühlsechter Brust fühlt man sich wirklich erst als Frau. Habe auch vorm CSD versucht euren Kontaktpunkt in Berlin zu finden, habe mit meinem Freund lange gesucht aber wir haben euch nicht gefunden, leider. Irgend wann werde ich es wieder versuchen und ich werde auch versuchen das erste mal bei euch im Fummel zu erscheinen je doch wird noch etwas Zeit dafür ins Land ziehen, für meine 45 Jahre bin ich doch noch etwas zu Korpulent, habe zwar schon 20 kg abgenommen aber ich muß noch mal mindestens das selbe schaffen um meine Traumfigur zu erreichen und da ich ja auch wie eine Frau aussehen möchte werde ich dieses Ziel auch mit Sicherheit erreichen wofür ich natürlich nicht 20 Jahre brauche denn die ersten 20 kg habe ich auch innerhalb von 5 Monaten geschafft. So liebe Sabine ich hab dir einfach mal einen kurzen Überblick über mich geben wollen damit du weist wohin deine E-Mails gehen und ich lese deine Mails mit großem Interesse.
Für dise Möglichkeit der Kommunikation möchte ich mich hier noch bei dir bedanken denn damit ist so manch einer Schwester von uns geholfen und so manch eine findet dann auch den Mut sich mal mit zu teilen und offener mit dem Trans sein um zu gehen. Tschüs aus dem schönen Neuruppin im Nordwesten Brandenburgs sagt eine Aufmärksame Leserin deiner Mails.
 
P.s. Wenn Du möchtest darfst du diese Mail auch veröffentlichen habe nichts dagegen vielleicht hilft sie ja das sich auch andere Schwestern öffnen. meine E-Mail Adresse wollte ich der auch noch mitteilen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

Urlaub, Urlaub, Urlaub. Griechenland, das Land der wohl wahren Götter zeigt sich, wie soll es anders sein, von seiner schönsten Seite. Das Wetter hält sich für mich in zivilisierten Grenzen, die Sonne scheint zwar unbarmherzig, doch das Meer bietet eine angenehme Abkühlung und die Nächte sind sogar etwas frisch. Ich hatte schon etwas Angst vor diesem Urlaub, glaubte ich, dass die Untätigkeit mich ganz schnell zum nächsten Flieger oder gar in den Wahnsinn, wenigstens doch in den Alkohol treiben würde. Nichts von dem ist eingetreten, ich habe mich heute mal in den nächsten Ort verzogen und schreibe ganz aus Lust an der Freude diese kleine Mail. Nichts Inhaltsschweres und noch viel weniger das Thema Trans - einfach nur so.....
Gelandet bin ich hier (auf besonderen Wunsch des mit mir reisenden Sohnes und der hier arbeitenden Tochter) in einer Anlage "alles inklusive", eigentlich nicht unbedingt meine Art Urlaub zu machen. Doch ich habe mich in das Unvermeidliche gefügt, muss mich ja nicht den ganzen Tag am Pool braten lassen und finde partiell sogar Vergnügen daran die Menschen um mich rum zu beobachten.
Die Anlage ist fest in deutschsprachigem Griff, der größte Teil der Urlauber sind einfach nur nette Menschen, die sich erholen wollen und ein kleiner, aber dafür auffälliger Teil bewegt sich erwartungsgemäß so richtig daneben.
Mit meiner Vaterrolle habe ich kaum Probleme, der noch heftig pupertierende Jüngling hat seine eigenen Pläne und die Tochter sehe ich gelegentlich zu einer Tasse Kaffe und einem kleinen Schwätzchen. Andere Väter haben es da schon schwerer. Ihr kenn sicher die berühmt - berüchtigten Strandbilder, wo erwachsene seriöse Väter auf allen Vieren um die Sandburg kriechen und die vergänglichen Bauwerke der Jüngsten bewundern oder sich gar selbst daran zu schaffen machen. So manche(r) wird denken, dass es da wohl endlich an der Zeit ist, dass sich die Väter um Ihre Kinder mal intensiv kümmern. Ich weiß nicht, ob das so richtig ist. Ich glaube eher, dass sie auch hier nur einem Bild gehorchen, eine Rolle ausfüllen - sie wollen ihrer Familie um jeden Preis gefallen. Die zu den minderjährigen Baumeistern gehörenden Mütter beobachten das Geschehen nicht ohne Vergnügen und rekeln sich in der Sonne, einige geben dazu noch gehaltvolle Anweisungen. Das ist wohl immer das Bild der ersten Tage. Spätestens, wenn der eine oder andere Vater beginnt sein Kind im Sand einzugraben, wohl in der Hoffnung, dass es eine ganze Zeit braucht, um sich wieder zu befreien verdüstern sich die mütterlichen Züge und irgendwann ist die "alte Ordnung" wieder hergestellt. Pech gehabt! Nun, er hat es wenigstens versucht. Im nächsten Jahr ist das Kind ja wieder ein Jahr älter und Papa vielleicht auch etwas ausdauernder.
Gelegentlich geht es hier in Griechenland auch richtig deutsch zu. Ich hätte nie geglaubt, dass irgendjemand auf die Idee kommen könnte, das Schalke- oder gar das Bayern- Trikot in den Koffer zu packen, es dann auch noch aus Anlass eines fernen Spiels in Deutschland den ganzen Tag zu tragen und mehr oder weniger lautstark die damit verbundene Gesinnung zur Schau zu stellen..... Da bin ich doch vergleichsweise harmlos und habe das letzte Formel-Eins-Rennen mal einfach verschlafen.
ich selbst verziehe mich an eher abgelegene Strände, habe mir einige Bücher eingepackt und bin gelegentlich im Land unterwegs, so wie heute, finde dann auch mal ein Internet-Cafe schaue nach der neuesten Post und schreibe mal eben eine kleine Urlaubsmail - nichts Bedeutendes, eben nur ein paar Eindrücke und so.....
Ich melde mich dann recht bald wieder und dann mit der Jubiläums- der einhundertsten Wochenmail

Viele liebe Grüße
Sabine B.

Guten Tag liebe Freundinnen und Freunde,

.... na ja, diskutiert wurde schon, was ich da in der vergangenen Woche zum Thema „Europäischer Dachverband“ geschrieben und entwickelt habe. Ich denke Charis war ein wenig enttäuscht, denn sie ist ohne Zweifel eine der wesentlichen Ideenträger in dieser Sache und hat offensichtlich einen konstruktiveren Beitrag erwartet. Andere haben mir in Gesprächen voll zugestimmt, eine mir sehr nahe stehende Freundin wiederum hat den Stil meiner Herangehensweise ein wenig kritischer unter die Lupe genommen. Wie auch immer, es war nicht meine Absicht, eine Idee oder gar eine Vision mit der (von Charis besagten) Motorsäge zu demontieren. Doch ich finde schon, dass eine Idee, soll sie denn mal lebendig werden, auch einen Plan braucht. Und der Plan zum Entstehen einer Europäischen Trans- Community muss aus meiner Sicht funktionierende territoriale und nationale Strukturen beinhalten. Ich will das für die Interessierten unter Euch hier ein wenig vertiefen, denn genau dieses Thema war ungewollt und rein zufällig am vergangenen Montag Gegenstand eines Gespräches am Rande der Vorbereitung der Berliner Wigstoeckel – Party, die am 8.9. stattfinden wird.
In Berlin gibt es wohl zwischen 15 und 20 mehr oder weniger organisierte Gruppen, die das Thema „Trans“ (und ich will es mal bei dieser undefinierten Bezeichnung lassen) in irgend einer Weise tangieren und dazu sicher einige Tausend Trans-Menschen unterschiedlichster Ausrichtung und Intension. Die Szene ist, vor allem wegen der verschiedenen ganz persönlichen Ansätze, insgesamt alles andere als homogen. Ich erlebe das bei den monatlichen offenen Treffen der TransSisters immer wieder. Neben den bekannten Gesichtern kommen immer wieder Leute zu uns, die einfach nur mal schauen wollen, sich orientieren und dann für immer aus unserem Gesichtskreis verschwinden. Die Ursachen dafür sind sicher unterschiedlich und weil nicht hinterfragt eher spekulativ. Obwohl ich nicht gerade der große Szenegänger bin und mich eher nur am Rande damit beschäftige fällt mir beim Besuch einschlägiger Partys schon gelegentlich auf, dass es immer mehr „Freundeskreise“ gibt, die man hier oder dort zusammen beobachten kann. Das ist zumeist ganz unspektakulär und basiert vermutlich auf ganz normale Freundschaften, die sich maßgeblich über ein gemeinsames Hobby oder auch eine Leidenschaft vermitteln.
Was haben wir also? Da ist die Masse der Namenlosen, Suchenden, die irgendwann bei einer Gruppe oder Selbsthilfeeinrichtung aufschlagen, wieder verschwinden oder dort bleiben. Da gibt es weiter einfach nur Freundschaften, die das gemeinsame Leben und Erleben wenigstens möglich machen. Diese Freundschaften bleiben so, wie sie sind (so manche zerfällt sicher auch) oder weiten sich wegen der Öffentlichkeit naturgemäß aus. Spätestens hier will ich von (ja was denn nun?) gesellschaftlichen (?) Strukturen reden. Beabsichtigt oder nicht, solche Gruppen haben automatisch Regeln. Keiner schreibt sie auf, kaum jemand redet darüber doch wer sie auf Dauer nicht einhält ist früher oder später raus. Die Regeln bestimmen sich durch die Schnittfläche der gemeinsamen Interessen und je größer die Gruppe, desto kleiner die Schnittfläche. Nicht allein die Größe dieser Schnittfläche ist entscheidend für die Existenz und das Werden einer jeden Gruppierung. Sie sollte vielmehr im Idealfall für jedes Mitglied der Gruppe die überwiegenden auf den Zweck der Gruppe bezogenen eigenen Interessen beinhalten. Ich denke solche Gesetzmäßigkeiten gelten mit bestimmten Modifikationen für alle Gruppen, sei es nun ein Fußball-Fan-Club, ein Anglerverein oder ein Profiteam für die Entwicklung einer dauerhaften und preiswerten Haarentfernung. Doch genau in diesen, sicher notwendigen Regeln, liegt ein ernstes Konfliktpotenzial. Zunächst innerhalb der Gruppe, denn die individuellen Bedürfnisse und Prioritäten (aus meiner Sicht ganz besonders bei Trans-Menschen) unterliegen einem stetigen Wandel. Alte Regeln werden nicht eingehalten oder gar geändert. Spätestens, wenn dann Irgendjemand anfängt über Regeln zu reden und gar versucht, sie festzuschreiben, bricht ein offener Konflikt aus. Kann sich die Masse der Gruppenmitglieder einigen und sich jeder in der Schnittfläche wieder finden ist gut so. Wenn nicht auch, denn die Gruppe hatte individuell sicher eine nützlichen Zweck und ist dann eben zu Ende. Ein weiteres Konfliktpotenzial liegt sicher zwischen inhaltlich unterschiedlich ausgerichteten Gruppierungen. Nun, dazu brauche ich mich hier sicher nicht so sehr auszulassen, jeder kann sich (auch in Erinnerung an den unsinnigen Streit einiger TransSisters mit den Schwestern des GWHF) sicher vorstellen, was da so abgeht.
Ja, und letztlich (wir sind wieder bei „Was haben wir also?“) sind da noch die häufig historisch gewachsenen Vereine und Selbsthilfegruppen. Dynamik und Konflikte bleiben auch hier nicht aus. Die Kenner der Berliner (Sonntags-Club) und Münchener (Viva) Verhältnisse, wissen, wie kompliziert die besagten Schnittmengendiskussionen sind. Hinzu kommen Animositäten zwischen den unterschiedlichsten Vereinigungen – auch hier will ich nur an die kürzlich recht unselige Diskussion „Selbsthilfegruppen und TransSisters-artige Vereinigungen“ erinnern.
Seit einigen Jahren bin ich recht intensiv im sogenannten „gemeinnützigen Bereich“ tätig, war in solchen Einrichtungen fest angestellt und erziele heute einen Teil meines Einkommens mit der Beratung in diesem Bereich. Nun sollte man (frau) meinen, das ist die Ebene der Profis und der wirklichen Einflussmöglichkeiten auf gesellschaftliche Entwicklungen. Doch weit gefehlt! Vereine und ähnliche Strukturen leben vor allem von der ehrenamtlichen Arbeit ihrer Mitglieder und Förderer und hängen in der Finanzierung neben dem notwendigen Spendenaufkommen nicht selten am Tropf wohlgesonnener Behörden. Hinzu kommt, dass so mancher Verein auch Arbeitgeber ist, mit ganz normalen betriebliche Strukturen und (ganz wichtig) den einer Hierarchie innewohnenden Problemen. Jede dieser Vereinigungen ist (aus welchem Grund auch immer) auf seine Weise profiliert und selbstständiger Bewerber auf dem „Markt der Möglichkeiten“ – in Hinblick auf die angesprochene Klientel und natürlich der Finanzierung der beabsichtigten Vorhaben. Dieser Wettbewerb, so manches mal offner Konkurrenzkampf, vermengt mit den ganz persönlichen Interessen der Leute, die in diesem Kampf an der Front stehen, erweckt bei mir gelegentlich den Eindruck, dass taktisches Kalkül wichtiger ist als die Ziele für die eingetreten werden sollte. Hier liegt ein wichtiger Grund dafür, dass einst vollmündig (manchmal such selbstsüchtig) gegründete Dachverbände einfach nur so dahin dümpeln und ihr Gründungsziel nicht erreichen (können). Auch hier geht es letztlich um die Schnittmenge von Interessen.
Na endlich! Wir (gemeint sind die LeserInnen, die es bis hierhin geschafft haben) sind am Ausgangspunkt angekommen. Ein wirksamer Überbau bedarf einer strukturierten Basis sowie intimer Kenntnis der Strukturen und der Interessenlage dieser Basis. Hier in Berlin zeichnen sich solche Strukturen langsam ab. Die Frage ist nur, welche wirklich gemeinsame Interessenlage zu einem zunächst losen Zusammenschluss führen kann. In besagter Montagsrunde, an der immerhin schon 6 Gruppen beteiligt waren, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass zunächst ein gegenseitiges Informationsbedürfnis der Gruppen untereinander und später vielleicht auch in der Publikation aller möglichen Trans-Aktivitäten besteht. Dafür nützlich ist der sogenannte „Markt der Möglichkeiten“ als Nebenveranstaltung der Wigstoeckel-Party. Im Zusammenhang mit der Transgender-Tagung des Sonntags-Clubs im Oktober soll die Idee eines Berliner Transgender-Netzwerks vertieft werden. Wir nutzen also vorhandene Möglichkeiten für die Schaffung übergreifender Strukturen, werden sicher bald eine kleines Blatt mit einschlägigen Adressen und Terminen produzieren und (ihr ahnt es sicher) natürlich auch das Netz der Netze nutzen. Erste Ideen und Verabredungen werden demnächst unter www.Trans-Berlin.net (dauert noch ein paar Tage) veröffentlicht. Das ist sicher zunächst nicht sonderlich spektakulär, doch künftig soll jede Gruppe die Gelegenheit haben, sich zentral für den Berliner Raum zu präsentieren.
Ja, genau das meine ich, wenn ich sage, dass übergeordnete Strukturen notwendig von unten wachsen müssen. Sie werden nur dann zu wirklichen Interessenvertretern, wenn sie die Schnittmenge dieser Interessen genau bestimmen und der Keimling auf fruchtbaren Boden fällt. Und um im Bild zu bleiben: Hier in Berlin ist es ja auch manches mal ziemlich kühl, doch die Eiszeit scheint vorbei zu sein. Ich bin optimistisch, dass da etwas wächst. Insoweit ist die „Vision“ der MacherInnen des in der vergangenen Woche zitierten „Manifests“ in Begriff ein kleines Stückchen Realität zu werden. Nun sind wir nicht der Nabel der Welt, doch ein gutes Stück Europa sind wir auch...........

Ich wünsche Euch allen eine angenehme, vielleicht auch nachdenkliche Woche.
Viele liebe Grüße
Sabine B.